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Göttingische
Der zweyte
Band.
Göttingen ,
gedruckt bey Johann Christian Dieterich.
Voyage littéraire de Provence par M. P.D.
L. 1780. Bey Barrois dem ältern. 456 S. in
Duodez . Die Anfangsbuchstaben bedeuten M. Pa-
pon, de l’Oratoire etc. der schon vor vier Jahren


Riez und Sisteron , wo kleine Flecken deren jähr-
lich wol für 40,000 Thlr. sammlen. Ein sonder-
bares Patois, das umMons und Escragnolle ge-
sprochen wird. Der erstaunliche Ansatz von neuem
Lande beym Ausfluß derRhone ; ein Thurm, der
doch erst1737 . am damaligen Seeufer erbaut wor-
den, liege nun schon anderthalb Stunden weit
davon entfernt. Die erstaunliche Kieselebene (die
Crau , Camargue etc.) die den Verf. zu einer sehr
unwahrscheinlichen Hypothese der Cosmogonie ver-
leitet. Auch eine andere über Entstehung der Co-
rallen ist nicht scharfsinniger. UmMarseille seyen
3000 Landhäuser. Das dasige sonderbare Fischer-
gericht (le Tribunal des Prud’hommes ) und seine
alten Gerechtsame. Noch im vorigen Jahrhundert
soll beyCeireste ein alter hohler Oelbaum
gestan-
den haben, worin ein Mann mit seiner Familie
den Sommer über gewohnt und auch Stallung
für sein Pferd darin gehabt habe. Einige Anec-
doten von dem noch immer räthselhaften Staats-
gefangenen mit der eisernen Larve, der lange auf
derMargreteninsel eingekerkert gewesen, und den
man bald für den Herz. von Monmouth, bald für
den von Beaufort, bald für den Graf von Ver-
mandois etc. etc. gehalten hat. Die romantischen
Gegenden vonHyeres , wo im 15.
Jahrhundert
Zuckerrohr gebaut worden. Eine sehr unzuver-
lässige Erzählung von einem Paar wilder, ganz
behaarter, Menschen, die1646 . auf den Gebirgen
vonDauphiné von Holzhauern gesehen
worden
seyn sollen. – Eben so verdächtig ist ein Apollo
aus Corall, der sich unter den Alterthümern zu
Riez finden soll. Auch antike hölzerne Statuen
etc.
und die seltsame Behauptung, Petrosilex sey die
Mutter des Porphyrs und des Jaspis; die Lava
und vulkanische Basalte zögen das Eisen an u. s. w.


[titlePage_recto]
Göttingische
Anzeigen
von
gelehrten Sachen
unter
der Aufsicht
der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften.
Der zweyte
Band.
auf das Jahr 1781 .
gedruckt bey Johann Christian Dieterich.

[793]
Paris .
L. 1780. Bey Barrois dem ältern. 456 S. in
Duodez
pon, de l’Oratoire etc. der schon vor vier Jahren

[794]
die
grosse Histoire générale de Provence (s. Zug.
1780. S. 97 u. ff. ) herausgegeben hat, aus
wel-
cher nun das gegenwärtige Werk, wie wir sehen,
grossentheils wörtlich zusammengetragen ist, doch
daß das vorige hin und wieder einige Verbesse-
rungen erhält. Es ist keine wirkliche Reise, son-
dern eine umständliche Topographie zum Gebrauch
der Reisenden, die hier alle Merkwürdigkeiten des
überaus interessanten Landes angezeigt finden.
Anmuthige Gegenden, oder die in der Geschichte
berühmt worden sind, die zahlreichen Denkmäler
des Römischen Alterthums, Triumphbögen, Am-
phitheater, Wasserleitungen, Tempel, viel Inschrif-
ten, natürliche Merkwürdigkeiten aller Art, beson-
ders viele Nachrichten zur Geschichte der alten Pro-
venzaldichter oder Trubadurs, Anecdoten von be-
rühmten Landskindern, wie vom ehrlichen Nostra-
damus, von Peiresc und seinem Freund Gassendi,
von Cassini, Massillon, vom grossen Bildhauer
Püget u. s. w. Die Schreibart ist ganz angenehm,
(nur zuweilen der Ausdruck etwas affectirt, z. B.
Organisation derProvence
statt Beschaffenheit
ihres Bodens etc.) auch der gewöhnliche Schmuck
der Französischen malenden Reisebeschreiber, nem-
lich Stellen aus Chapelle und Bachaumont fleissig
angebracht. BeyAvignon wird Petrarchs
Woh-
nung berichtigt, die berufeneQuelle von Vauclüse ,
das Grab der Laura, ihr Stammhaus Noves etc.
Um sich von einer unzeitigen Liebe zu heilen, habe
sich König René das Gerippe der angebeteten Per-
son malen lassen. Von seiner Stiftung des possir-
lichen Frohnleichnams zuAix , das in
eigenen
Werken beschrieben ist. Ein seltsames Gelübde
aus den Ritterzeiten, zwey benachbarte grosse
Berge durch eine ungeheure eiserne Kette mit ein-
ander zu verbinden. Menge der Mandeln um
1780. S. 97 u. ff.
cher nun das gegenwärtige Werk, wie wir sehen,
grossentheils wörtlich zusammengetragen ist, doch
daß das vorige hin und wieder einige Verbesse-
rungen erhält. Es ist keine wirkliche Reise, son-
dern eine umständliche Topographie zum Gebrauch
der Reisenden, die hier alle Merkwürdigkeiten des
überaus interessanten Landes angezeigt finden.
Anmuthige Gegenden, oder die in der Geschichte
berühmt worden sind, die zahlreichen Denkmäler
des Römischen Alterthums, Triumphbögen, Am-
phitheater, Wasserleitungen, Tempel, viel Inschrif-
ten, natürliche Merkwürdigkeiten aller Art, beson-
ders viele Nachrichten zur Geschichte der alten Pro-
venzaldichter oder Trubadurs, Anecdoten von be-
rühmten Landskindern, wie vom ehrlichen Nostra-
damus, von Peiresc und seinem Freund Gassendi,
von Cassini, Massillon, vom grossen Bildhauer
Püget u. s. w. Die Schreibart ist ganz angenehm,
(nur zuweilen der Ausdruck etwas affectirt, z. B.
Organisation der
ihres Bodens etc.) auch der gewöhnliche Schmuck
der Französischen malenden Reisebeschreiber, nem-
lich Stellen aus Chapelle und Bachaumont fleissig
angebracht. Bey
nung berichtigt, die berufene
das Grab der Laura, ihr Stammhaus Noves etc.
Um sich von einer unzeitigen Liebe zu heilen, habe
sich König René das Gerippe der angebeteten Per-
son malen lassen. Von seiner Stiftung des possir-
lichen Frohnleichnams zu
Werken beschrieben ist. Ein seltsames Gelübde
aus den Ritterzeiten, zwey benachbarte grosse
Berge durch eine ungeheure eiserne Kette mit ein-
ander zu verbinden. Menge der Mandeln um

[795]
lich wol für 40,000 Thlr. sammlen. Ein sonder-
bares Patois, das um
sprochen wird. Der erstaunliche Ansatz von neuem
Lande beym Ausfluß der
doch erst
den, liege nun schon anderthalb Stunden weit
davon entfernt. Die erstaunliche Kieselebene (die
unwahrscheinlichen Hypothese der Cosmogonie ver-
leitet. Auch eine andere über Entstehung der Co-
rallen ist nicht scharfsinniger. Um
3000 Landhäuser. Das dasige sonderbare Fischer-
gericht (le Tribunal des Prud’hommes ) und seine
alten Gerechtsame. Noch im vorigen Jahrhundert
soll bey
den haben, worin ein Mann mit seiner Familie
den Sommer über gewohnt und auch Stallung
für sein Pferd darin gehabt habe. Einige Anec-
doten von dem noch immer räthselhaften Staats-
gefangenen mit der eisernen Larve, der lange auf
der
man bald für den Herz. von Monmouth, bald für
den von Beaufort, bald für den Graf von Ver-
mandois etc. etc. gehalten hat. Die romantischen
Gegenden von
Zuckerrohr gebaut worden. Eine sehr unzuver-
lässige Erzählung von einem Paar wilder, ganz
behaarter, Menschen, die
von
seyn sollen. – Eben so verdächtig ist ein Apollo
aus Corall, der sich unter den Alterthümern zu
und die seltsame Behauptung, Petrosilex sey die
Mutter des Porphyrs und des Jaspis; die Lava
und vulkanische Basalte zögen das Eisen an u. s. w.

[796]
Was von der
Staatsverwaltung der Provence
und
ihrer Naturgeschichte, insbesondere S. 293 bis 376,
gesagt wird, ist fast ganz aus dem obengenannten
grossen Werk des Verf. abgedruckt. Die eigenen
Winde, der Mistral etc. und ihre Wirkungen. Ein
Südsüdwest, der Menschen und Thiere niederge-
schlagen macht. Unter den dasigen Vögeln auch
die Pendulinmeise. In derRhone
giebts Biber,
und auf den Gebirgen noch zuweilen Bären und
Luchse. Die alte Sage von den Jumarn wird
auch hier wiederholt; aber blos wie vom Hören-
sagen, ohne allen Beweis! Den Beschluß macht
ein Briefwechsel zur Vertheidigung der Trubadurs
gegen den Herausgeber des neuen Recueil des
Fabliaux, der sie herabsetzen und dagegen seine
Truveres (nemlich die eigentlichen altfranzösischen
Dichter) erheben wollen, da doch, unserm Verf.
nach, jene (die Provenzaldichter) wenigstens 80
Jahre älter, und die Wiederhersteller der Dicht-
kunst in lebenden Sprachen gewesen wären etc.
(versteht sich nur im Occident, denn unsere Deut-
schen Meistersänger dichteten lange vorher.)
ihrer Naturgeschichte, insbesondere S. 293 bis 376,
gesagt wird, ist fast ganz aus dem obengenannten
grossen Werk des Verf. abgedruckt. Die eigenen
Winde, der Mistral etc. und ihre Wirkungen. Ein
Südsüdwest, der Menschen und Thiere niederge-
schlagen macht. Unter den dasigen Vögeln auch
die Pendulinmeise. In der
und auf den Gebirgen noch zuweilen Bären und
Luchse. Die alte Sage von den Jumarn wird
auch hier wiederholt; aber blos wie vom Hören-
sagen, ohne allen Beweis! Den Beschluß macht
ein Briefwechsel zur Vertheidigung der Trubadurs
gegen den Herausgeber des neuen Recueil des
Fabliaux, der sie herabsetzen und dagegen seine
Truveres (nemlich die eigentlichen altfranzösischen
Dichter) erheben wollen, da doch, unserm Verf.
nach, jene (die Provenzaldichter) wenigstens 80
Jahre älter, und die Wiederhersteller der Dicht-
kunst in lebenden Sprachen gewesen wären etc.
(versteht sich nur im Occident, denn unsere Deut-
schen Meistersänger dichteten lange vorher.)
Digitalisat/5