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Göttingische
Der zweyte
Band.
Göttingen ,
gedruckt bey Johann Christian Dieterich.





[titlePage_recto]
Göttingische
Anzeigen
von
gelehrten Sachen
unter
der Aufsicht
der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften.
Der zweyte
Band.
auf das Jahr 1782 .
gedruckt bey Johann Christian Dieterich.

[777]
Göttingen .
Das academische
Museum hat auf Veranlas-
sung der, für das Wachsthum unsrer Univer-
sität so unablässig besorgten, Königlichen
Landesregierung von Sr. Majestät dem König ei-
nen neuen Zuwachs erhalten, der ihm zu einer sehr
auszeichnenden Zierde gereicht. Es ist dieß eine
Sammlung von Naturalien und Kunstsachen, aus
den vom würdigen Captn Cook neuentdeckten oder
doch vorher wenig bekannten Ländern derSüdsee ;
die an Vollständigkeit ausserEngland
höchstens
etwa noch inFrankreich , sonst aber wohl schwerlich
ihres gleichen haben dürfte, und deren Werth noch
dadurch erhöht wird, daß wenigstens manche der Ge-
genden, wo sie gesammlet worden, nicht so bald
wieder von Europ. Schiffen besucht werden möchten.
sung der, für das Wachsthum unsrer Univer-
sität so unablässig besorgten, Königlichen
Landesregierung von Sr. Majestät dem König ei-
nen neuen Zuwachs erhalten, der ihm zu einer sehr
auszeichnenden Zierde gereicht. Es ist dieß eine
Sammlung von Naturalien und Kunstsachen, aus
den vom würdigen Captn Cook neuentdeckten oder
doch vorher wenig bekannten Ländern der
die an Vollständigkeit ausser
etwa noch in
ihres gleichen haben dürfte, und deren Werth noch
dadurch erhöht wird, daß wenigstens manche der Ge-
genden, wo sie gesammlet worden, nicht so bald
wieder von Europ. Schiffen besucht werden möchten.

[778]
Ihre Nutzbarkeit erstreckt sich, so wie auf die Na-
turhistorie überhaupt, so vorzüglichst auf die Ge-
schichte des Menschengeschlechts insbesondre. Für
jene wird sie um so lehrreicher, da ausser den un-
ter der eignen Rubrik von Naturalien begriffnen
Conchylien, Vögeln etc. auch die mehresten Artefacten,
theils mit neuen Conchylien besetzt, theils aus
merkwürdigen Steinarten u. s. w. verfertigt sind.
Für diese aber sind die Kunstsachen selbst am in-
teressantesten, da sie – sprechender als alle Reise-
beschreibungen – den ganzen Character und den
verschiednen Grad der Cultur der mancherley, durch-
gehends so merkwürdigen Südländischen Völker, be-
stimmen; der sowohl in den zur Stillung der drin-
gendsten Bedürfnisse des menschlichen Lebens nöthi-
gen Werkzeugen, zum fischen, jagen, zur Berei-
tung des Brodes, zur Kleidung etc. als in ihren
Waffen und Hausgeräthe, in ihrem Putz, musica-
lischen Instrumenten u. s. w. gleich sichtbar ist.
Die meisterhaftesten kunstreichsten Sachen von allen,
sind die auf der letztern Reise von den Einwohnern der
Sandwich-Inseln , und vornemlich
von Owaihi ,
wo der wackre Cook seinen Tod gefunden, mitge-
brachten Kleidungsstücke, als wodurch die von
Utaheiti und von
allen andern bisher bekannten In-
seln derSüdsee , bey weiten übertroffen worden. Ih-
ren baumrindnen Zeugen sind überaus artige, theils
recht geschmackvolle und lebhaft gefärbte Zeichnun-
gen, wie unserm Cattun, aufgedruckt: ihr Feder-
schmuck aber, besonders ein mit unzähligen kleinen
scharlachrothen und goldgelben Federgen dicht über-
zogner Helm und Mantel, sind ohne Widerrede die
prachtvollsten und künstlichsten Arbeiten der Art, die
man bis jetzt bey irgend einem sogenannten wilden
Volke gefunden.
turhistorie überhaupt, so vorzüglichst auf die Ge-
schichte des Menschengeschlechts insbesondre. Für
jene wird sie um so lehrreicher, da ausser den un-
ter der eignen Rubrik von Naturalien begriffnen
Conchylien, Vögeln etc. auch die mehresten Artefacten,
theils mit neuen Conchylien besetzt, theils aus
merkwürdigen Steinarten u. s. w. verfertigt sind.
Für diese aber sind die Kunstsachen selbst am in-
teressantesten, da sie – sprechender als alle Reise-
beschreibungen – den ganzen Character und den
verschiednen Grad der Cultur der mancherley, durch-
gehends so merkwürdigen Südländischen Völker, be-
stimmen; der sowohl in den zur Stillung der drin-
gendsten Bedürfnisse des menschlichen Lebens nöthi-
gen Werkzeugen, zum fischen, jagen, zur Berei-
tung des Brodes, zur Kleidung etc. als in ihren
Waffen und Hausgeräthe, in ihrem Putz, musica-
lischen Instrumenten u. s. w. gleich sichtbar ist.
Die meisterhaftesten kunstreichsten Sachen von allen,
sind die auf der letztern Reise von den Einwohnern der
wo der wackre Cook seinen Tod gefunden, mitge-
brachten Kleidungsstücke, als wodurch die von
seln der
ren baumrindnen Zeugen sind überaus artige, theils
recht geschmackvolle und lebhaft gefärbte Zeichnun-
gen, wie unserm Cattun, aufgedruckt: ihr Feder-
schmuck aber, besonders ein mit unzähligen kleinen
scharlachrothen und goldgelben Federgen dicht über-
zogner Helm und Mantel, sind ohne Widerrede die
prachtvollsten und künstlichsten Arbeiten der Art, die
man bis jetzt bey irgend einem sogenannten wilden
Volke gefunden.

[779]
Am 2 Jul. übernahm unser Herr Hofrath Gat-
terer das Prorectorat, welches bisher ein Jahr über
vom Hrn. Hofrath Murray geführt war. Seine
Antrittsrede istbey Dieterich
auf 2½ Bogen in
Octav, im Druck erschienen: Memoria Saeculi Hil-
debrandini
und eines Inhalts, der schon der Zeit-
umstände wegen Aufmerksamkeit erwecken kann;
denn was kann mehr auffallen, als des Pabsts
Pius VI. Reise zum Deutschen Kaiser unter bestän-
diger Ertheilung des Segens und brüderlicher Küsse,
gestellt gegen Gregors VII. Bannstral, mit dem
er K.HeinrichIV. zu Boden warf, und ihn zwang
nachRom zu kommen, und baarfuß
vor seinem
Palast Busse zu thun.
terer das Prorectorat, welches bisher ein Jahr über
vom Hrn. Hofrath Murray geführt war. Seine
Antrittsrede ist
Octav, im Druck erschienen: Memoria Saeculi Hil-
debrandini
umstände wegen Aufmerksamkeit erwecken kann;
denn was kann mehr auffallen, als des Pabsts
Pius VI. Reise zum Deutschen Kaiser unter bestän-
diger Ertheilung des Segens und brüderlicher Küsse,
gestellt gegen Gregors VII. Bannstral, mit dem
er K.HeinrichIV. zu Boden warf, und ihn zwang
nach
Palast Busse zu thun.
Der Anschlag zur Einladung und Bekanntma-
chung dieser Feyerlichkeit ist vom Hrn. Hofr. Heyne
abgefaßt und auchbey Dieterich 2
Bogen in Fol.
abgedruckt: de febribus epidemicis Romae falso
in pestium censum relatis. Die sogenannte In-
fluenza oder das Russische Fieber, das sich im Früh-
jahre auch in unsre Gegenden verbreitet hatte, und
von dem wir hören, daß es nunFrankreich durch-
wandert und über dieAlpen in
Italien eingedrun-
gen ist, gab dem Hrn. H. die sehr natürliche Ver-
anlassung, den Gedanken zu verfolgen: ob nicht
auch in den frühern Zeitaltern der Welt Spuren
von dergleichen Fiebern sich finden, die sich über
einen ganzen Welttheil verbreiteten. Leider sind die
Annalen des Menschengeschlechts so äusserst unvoll-
kommen, daß wir von sehr wenig Dingen, die wir
wissen möchten, und in sehr wenig Zeitperioden,
etwas wissen. Wir lesen bey Griechen und bey
Römern von Seuchen, es werden allgemeine Wör-
ter λοιμος , pestilentia , gebraucht. Durch genauere
Vergleichung des Zustandes der alten Welt über-
chung dieser Feyerlichkeit ist vom Hrn. Hofr. Heyne
abgefaßt und auch
abgedruckt: de febribus epidemicis Romae falso
in pestium censum relatis.
fluenza oder das Russische Fieber, das sich im Früh-
jahre auch in unsre Gegenden verbreitet hatte, und
von dem wir hören, daß es nun
wandert und über die
gen ist, gab dem Hrn. H. die sehr natürliche Ver-
anlassung, den Gedanken zu verfolgen: ob nicht
auch in den frühern Zeitaltern der Welt Spuren
von dergleichen Fiebern sich finden, die sich über
einen ganzen Welttheil verbreiteten. Leider sind die
Annalen des Menschengeschlechts so äusserst unvoll-
kommen, daß wir von sehr wenig Dingen, die wir
wissen möchten, und in sehr wenig Zeitperioden,
etwas wissen. Wir lesen bey Griechen und bey
Römern von Seuchen, es werden allgemeine Wör-
ter λοιμος , pestilentia , gebraucht. Durch genauere
Vergleichung des Zustandes der alten Welt über-

[780]
haupt, und dessen, was die
höchst mangelhaften
Nachrichten von jedem Falle enthalten oder an die
Hand geben, wird in dieser Schrift wahrscheinlich
gemacht, daß diese Seuchen blos epidemische Fie-
ber gewesen sind, und daß es kein einziges Bey-
spiel einer wahren Pest darunter giebt, bis erst im
zweyten Jahrh. nach C. G. da
169. das Heer des
L. Verus, das vom Zug gegen die Parther zurück
kam, die wirkliche Pest mit nachItalien brachte;
sie entstand, wie oft andere Pesten, durch Geräthe,
das mit der Pest angesteckt war: bey der Plünderung
eines Tempels zuBabylon kamen die
Soldaten an
einen vermauerten Platz, worinn ein golden Käst-
chen verwahrt ward. Fast läßt sichs glauben, daß
die Pest unter die Krankheiten gehört, die erst zu
einer gewissen Zeit zum Vorschein gekommen sind.
In den Kriegen mit den Carthagern, bey den vie-
lem Verkehr der Römer und der Griechen mit den
Küstenvölkern vonAfrica
in Zeiten, wo man noch
so wenig Vorkehrungen gegen die Pest machte, sollte
doch irgend einmal Erwähnung der Pest vorkom-
men; allein im Lager der Carthager inSicilien und
anderwärts, findet man blos faule Fieber, wie sie
in Läger einbrechen. Hätten wir die Geschicht-
schreiber vonCarthago noch,
so würden wir frei-
lich mehr Licht über die Sache haben; einigemale
wird von Seuchen gesprochen, welche inCarthago
selbst herrschten; wäre es wirklich die Pest gewesen,
so wird es kaum begreiflich, wie bey den damali-
gen, so viel bekannt ist, geringen Anstalten, die
Pest sich nicht weiter in die Colonien, unter den
Nachbarn und durch die Handelsplätze verbreitet
haben sollte. Die Griechen sprechen viel von Pesten,
schon in der Heldenzeit: keine ist aber hinlänglich
bekannt, als die Pest zuAthen , im
Peloponnesi-
schen Kriege: bey dieser kommen mehrere Charak-
Nachrichten von jedem Falle enthalten oder an die
Hand geben, wird in dieser Schrift wahrscheinlich
gemacht, daß diese Seuchen blos epidemische Fie-
ber gewesen sind, und daß es kein einziges Bey-
spiel einer wahren Pest darunter giebt, bis erst im
L. Verus, das vom Zug gegen die Parther zurück
kam, die wirkliche Pest mit nach
sie entstand, wie oft andere Pesten, durch Geräthe,
das mit der Pest angesteckt war: bey der Plünderung
eines Tempels zu
einen vermauerten Platz, worinn ein golden Käst-
chen verwahrt ward. Fast läßt sichs glauben, daß
die Pest unter die Krankheiten gehört, die erst zu
einer gewissen Zeit zum Vorschein gekommen sind.
In den Kriegen mit den Carthagern, bey den vie-
lem Verkehr der Römer und der Griechen mit den
Küstenvölkern von
so wenig Vorkehrungen gegen die Pest machte, sollte
doch irgend einmal Erwähnung der Pest vorkom-
men; allein im Lager der Carthager in
anderwärts, findet man blos faule Fieber, wie sie
in Läger einbrechen. Hätten wir die Geschicht-
schreiber von
lich mehr Licht über die Sache haben; einigemale
wird von Seuchen gesprochen, welche in
selbst herrschten; wäre es wirklich die Pest gewesen,
so wird es kaum begreiflich, wie bey den damali-
gen, so viel bekannt ist, geringen Anstalten, die
Pest sich nicht weiter in die Colonien, unter den
Nachbarn und durch die Handelsplätze verbreitet
haben sollte. Die Griechen sprechen viel von Pesten,
schon in der Heldenzeit: keine ist aber hinlänglich
bekannt, als die Pest zu
schen Kriege: bey dieser kommen mehrere Charak-

[781]
teren der wahren Pest vor, auch daß sie aus Aethio-
pien ,
dem Vaterlande der Pest, wo sie epidemisch
ist, gekommen seyn soll. Doch lassen grosse Aerzte
auch diese noch für keine wahre Pest gelten.
pien
ist, gekommen seyn soll. Doch lassen grosse Aerzte
auch diese noch für keine wahre Pest gelten.
Digitalisat/6