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Kleine Schriften
von
Uibersetzt und
herausgegeben







Leipzig , am 20sten May
1800 .Der Herausgeber. 
I.






1.

in jedem Eierstocke eine
Spalte antrifft; die
bey dem Liebesreize aus dem Reißen einer oder
der andern jener Bläßchen entsteht, welche
uns Graaf für wirkliche Eier gab, und
daß diese kleine Wunde im Verlauf der Zeit
zu einer Narbe wird, die mit einer zierlichen
Hautrinde umgeben ist, und die seit Mal-
pighi's Zeit mit dem Namen des gelben
Körpers bezeichnet wird. 
bloß nach einem fruchtbaren
Beyschlafe stritt
hauptsächlich unser Haller
selbe in den Anmerkungen zu Büffons Theo-
rie, 7. III. S. 185.
seine Worte bey Bonnet, Oeuvres. T. III.
S. 467 etc. Ausgabe in 4. . 

die bisweilen hysterischen Zufällen ausge-
setzt war, in dem Nonnenkloster eines
strengen Ordens erzogen werden sollte, und
sich nach heftigen Gemüthsbewegungen ein
schleichendes und endlich tödliches Fieber zu-
gezogen hatte . Nur im Vorbeygehen
fügt
er hinzu, daß dieser gelbe Körper und die
benachbarte Röhre so ausgesehen haben,
wie eben diese Theile bey Thieren aussehen,
wenn sie von einem heftigen Geschlechtstrie-
be erhitzt werden . 
burt , er habe solche Körper bey sehr vie-
len unverletzten Jungfrauen gesehen. 
vorhanden, oder einfach sind, (d.h. nicht
wie bey den übrigen Thierklassen zur rech-
ten und linken Seite sich ausbreitend), im
Allgemeinen doch eine leichte Vergleichung
mit eben diesen Theilen an den Säuge-
thieren. 
mittelst seines Stiels von
dem übrigen Aste
des Eierstocks welk herab, und läßt sich
schon mit dem gelben Körper der Säuge-
thiere vergleichen. 
tete , die Vögel seyen bisweilen so wollü-
stig, daß sie sich, so wie man nur ihren
Rücken leicht mit der Hand berühre, gleich
nieder legen, die Oefnung der Gebärmutter
entblößen und aufrichten, und wenn man
diese sanft mit den Fingern streiche, durch
leises Gestöhn und Schlagen mit den Flü-
geln das süße Gefühl des Genusses der Lie-
be zu erkennen geben; ja er habe die Erfah-
rung an der Turteltaube, Amsel und ande-
ren gemacht, daß die Weibchen darauf Eier
empfangen. 
rührungen aber sey er
erkrankt, und end-
lich unter häufigen Konvulsionen verreckt.
Da er nun den Kadaver geöffnet, habe er
in beynahe vollkommenes Ey in der Ge-
barmutter gefunden, das aber, in Er-
mangelung eines Männchens, verdorben ge-
wesen. 


ist bey den meisten sehr
klein, und bey allen,
so viel ich weiß, außer im Augenblicke der
Paarung, zurückgezogen und so versteckt,
daß gar keine Friktion Statt finden kann.
Unter den Säugethieren aber findet man
welche, die offenbar Onanie treiben. Von
einigen Affen und Pavianen hat man dies
schon verlangst gesagt , nachher aber
hab'

ich es
auch bey Hunden, und einem Bäre
gesehen, den man zu Bern in einer Bären-
grube hielt. Er hatte sein Weib verloren,
und als er nun spürte, daß ein anderes
Paar in dem anstoßenden Theile der Grube
sich begattete, verschafte er dem drücken-
den Zeugungssafte einen gewaltsamen Aus-
gang. 
von derjenigen ab, die man späterhin bey
fortgesetztem Brüten findet, da hingegen die
zartesten Embrionen der Säugethiere, selbst
wenn sie nur noch wie gelifferte Gallerte,
oder ein Würmchen im Eie (galba) sehen,
doch nicht erst eine solche Metamorphose
ihrer Gestalt zu bestehen haben, wie das
Küchelchen sowohl in Ansehung der ganzen
Beschaffenheit seines Körpers, als auch der
Einrichtung seiner Eingeweide bestehen muß. 

Keim eines einfachen Vogels sollten einge-
schlossen gewesen seyn. 
der Brütung als diejenige,
wo man zuerst
die Rippen bemerkt . Dieser Termin der
Bebrütung aber entspricht, im Vergleich
mit der Schwangerschaft des Weibes, dem
Anfange der sechzehnten Woche, denn
hundert neun und achtzig Stunden der Be-
brütung des Hünereies sind gleich fünfzehn
Wochen der Mutter, welche die Geburt
trägt. Um wie vieles früher aber erblickt
man demnach die Rippen am Oberleibe des

menschlichen Embrio!
Ich selbst bewahre
unter meinem anatomischen Vorrathe Früch-
te auf, die kaum größer als eine Ameise
find und deren Alter die fünfte Woche
nach der Empfängniß gewiß nicht übersteigt,
woran man aber doch die knorpelarti-
gen Anfänge der Rippen sehr nett aus-
gewirkt ganz deutlich erblickt. – (S.
Fig. 1. –) 
habe , vielfältige Aehnlichkeit mit
der
Dotterhaut (saccus vitellaris), und seine
Nabelgekrößadergefäße (vasa omphalome-
seraica) mit denen zur venösen Gestalt des
bebrüteten Jungen gehörigen, haben: und
wahrscheinlich trägt dieses Bläschen eben-
falls zur ersten Ernährung des gallertarti-
gen Embrio bey, bevor er so groß geworden,
daß schon das Blut der Mutter zu seiner
Ernährung dienen kann. 

2.

holen so sehr aufgeblasen
werden, und da-
durch dem aus dem rechten Herze kommen-
den Blute Bahn machen können, woraus
sich denn schon a priori schließen läßt, daß
sich die Natur hier eines andern Mechanis-
mus bedient habe, um jenen kleinen Blut-
umlauf gehörig zu Stande zu bringen.
In der That muß man sich aber wundern,
daß, da man sich in neueren Zeiten mit Un-
tersuchung der Luftbehälter in den Vögeln
so viel beschäftigt hat, doch keiner, wenigstens
meines Wissens nicht, diesen Knoten nur be-
rührt, geschweige aufgelöst hat. 
des vorigen Jahrhunderts nicht unbekannt ,
allein von allen weiß ich nicht einen, der
über den Zweck und Nutzen dieser besondern
Einrichtung eine genauere und gründlichere
Untersuchung angestellt hätte. 
Seitenrand (– b. c. –) von der Rechten
zur Linken schief herabzulaufen scheint. Der
ganze Muskel hat beinahe die Gestalt eines
Triangels, dessen fleischige und starke Basis
und Kathete aus dem Fleische der Herzkam-
mer selbst in der Nähe des sehnigten Ringes
erwachsen, die Hypothenuse aber, welche
ein dünnerer Rand des Muskels ist, sich mit-
ten durch die Holung der Kammer in diago-
naler Richtung hinzieht. 
sondern nothwendig weiter in
die Lungen
fortgetrieben werden muß. 

gewöhnlichen Nutzen der übrigen Behälter
vornehmlich auch den Mangel einer Unter-
leibspresse bey den Vögeln zu ersetzen, und
ihnen zu den Anstrengungen bey der
Aussonderung des Darmkoths, und
den Weibchen zu dem Drucke beym Eier-
legen ertheilt zu sein scheinen. Oefters
hab' ich auch bey Vögeln, vorzüglich Sang-
vögeln (ex passerum ordine) bemerkt, daß
ihr Unterleib, wenn sie den Unrath aus-
werfen, nicht einwärts getrieben wird, son-
dern vielmehr aufschwillt, zum Beweise daß
ihre häutigen Zellen im Unterleibe dann von
eingesogener Luft aufgeblasen, die benach-
barten Gedärme, die nicht ausweichen kön-
nen dadurch gedrückt werden, und der Mast-
darm gleichsam ausgemelkt wird, eine Beob-
achtung, die ich nachher durch einen Versuch
bestätigt fand, den an ich dem Kadaver eines
Papageyen (psittacus amazonicus) anstellte,
welchen ich eine Zeit lang lebendig ernährt
hatte. So wie ich Luft in seine Luströhre
geblasen hatte, sah ich deutlich, wie die
durch die Luft anschwellenden häutigen Zel-

len des Unterleibes die
neben ihnen liegenden
Gedärme empor heben, und besonders den
Mastdarm offenbar vorwärts stoßen. 
tem Schnabel , (levirostres) die ich eben-
falls zu diesem Behältern gerechnet habe,
werde ich weiter unten einiges zu erinnern
eine schickliche Gelegenheit haben. 
beraubt) den obern Theil der Luftröhre
oder der Zungenwurzel, das Uebrige des
Kehlkopfes aber und vorzüglich seiner Höle
(ventriculus), und die Membranen, welche
statt der wirklichen Stimmenbänder (liga-
menta vocalia) vorhanden sind, den untersten
Theil einnehmen, wo die Luftröhrenäste be-
findlich sind (pars bronchialis). 
sondere knöcherne Kapsel (bulla), zu wel-
cher bekanntlich die Luftröhre der mehresten
Vögel aus der Ordnung der Wasservögel
(anseres) in ihrem äußersten Luftröhrenaste
aufgeblasen ist, wie sich aus des berühm-
ten Bloch’s genauerer Untersuchung er-
giebt , nur den Männchen zu, wodurch
Hildan’s Meinung ungemein bestätigt
wird, der vor fast zweihundert Jahren
schon schrieb, daß diese Kapsel nicht, wie
einige glaubten, zu einem längeren Unter-
tauchen, sondern zu einer stärkeren Stimme
diene .

[binding_recto]

[interleaf]

[interleaf]

[interleaf]

[titlePage_recto]
Kleine Schriften
zur
vergleichenden
Physiologie und Anatomie
und Naturgeschichte gehörig.
vonJoh. Friedr. Blumenbach Könlgl.
Großbritt. Hofraths
Uibersetzt und
herausgegeben
von
D. Joh. Gottfr. Gruber.
Mit einer Kupfertafel.
Leipzig,
bei G. Bens. Meißner,
1800.
bei G. Bens. Meißner,

[titlePage_verso]

[[A1]]
Sr. Wohlgeboren
dem
Herrn D. Ludwig
der Pathologie ordentlichem und der Natur-
geschichte außerordentlichem Professor auf der
Universität zu Leipzig, der Linneischen So-
cietät Präses, und mehrerer gelehrten
Gesellschaften Mitglied
geschichte außerordentlichem Professor auf der
Universität zu Leipzig, der Linneischen So-
cietät Präses, und mehrerer gelehrten
Gesellschaften Mitglied
aus Hochachtung und Dankbarkeit
gewidmet.
gewidmet.

[interleaf]

[[A3]]
Vorrede.
Der Herausgeber dieser kleinen
Schriften hat die Absicht, das Beste,
was von berühmten Gelehrten über ver-
gleichende Physiologie und Anatomie in
fremden Sprachen herausgegeben wor-
den ist, und noch keinen Uebersetzer ge-
funden hat, zu sammeln, und in einer
Reihe kleiner Bändchen bekannt zu ma-
chen. Er schränkt sich dabei nicht auf
die Litteratur des Inlands ein, sondern
wird auch die ausländische, vornehm-
lich der Engländer, Franzosen und Ita-
liener benutzen.
Schriften hat die Absicht, das Beste,
was von berühmten Gelehrten über ver-
gleichende Physiologie und Anatomie in
fremden Sprachen herausgegeben wor-
den ist, und noch keinen Uebersetzer ge-
funden hat, zu sammeln, und in einer
Reihe kleiner Bändchen bekannt zu ma-
chen. Er schränkt sich dabei nicht auf
die Litteratur des Inlands ein, sondern
wird auch die ausländische, vornehm-
lich der Engländer, Franzosen und Ita-
liener benutzen.
Das Unternehmen ist gewiß nicht
überflüssig, denn gerade in diesem, ob-
schon so wichtigem und interessantem,
überflüssig, denn gerade in diesem, ob-
schon so wichtigem und interessantem,

[[A4]]
Fache der Naturhistorischen und
medizi-
nischen litteratur sind wir so reich nicht,
daß Beiträge hiezu nicht mit Danke an-
zunehmen wären. Läßt sich zumal der
Sammler solcher Beiträge angelegen
seyn, immer nur das Bessere und Vor-
züglichere aufzunehmen, mit diesem das
Seltnere und Neuentdeckte zu verbinden,
und, um desto reichere Ausbeute zu er-
halten, auch manchen Schacht zu besah-
ren, wo er mit Mühe die versteckten
Goldkörner heraus arbeiten muß; kurz,
bietet er alles auf, um die hierüber vor-
handenen einzeln zerstreuten Erfahrun-
gen, Beobachtungen und Thatsachen,
nebst dem was philosophische For-
scher dabei meinten und dachten, davon
muthmaßten und gewiß wußten, in ge-
höriger Menge und Vollständigkeit, wie
in einem Magazine niederzulegen; – so
kann er gewiß auf die Nutzbarkeit seines
Werks, wie auf Dank und Beifall rech-
nen. Denn indem er eine Lücke in der
Litteratur ausfüllen hilft, setzt er zugleich
den künftigen philosophischen. Begründer
einer wissenschaftlichen Physiologie und
nischen litteratur sind wir so reich nicht,
daß Beiträge hiezu nicht mit Danke an-
zunehmen wären. Läßt sich zumal der
Sammler solcher Beiträge angelegen
seyn, immer nur das Bessere und Vor-
züglichere aufzunehmen, mit diesem das
Seltnere und Neuentdeckte zu verbinden,
und, um desto reichere Ausbeute zu er-
halten, auch manchen Schacht zu besah-
ren, wo er mit Mühe die versteckten
Goldkörner heraus arbeiten muß; kurz,
bietet er alles auf, um die hierüber vor-
handenen einzeln zerstreuten Erfahrun-
gen, Beobachtungen und Thatsachen,
nebst dem was philosophische For-
scher dabei meinten und dachten, davon
muthmaßten und gewiß wußten, in ge-
höriger Menge und Vollständigkeit, wie
in einem Magazine niederzulegen; – so
kann er gewiß auf die Nutzbarkeit seines
Werks, wie auf Dank und Beifall rech-
nen. Denn indem er eine Lücke in der
Litteratur ausfüllen hilft, setzt er zugleich
den künftigen philosophischen. Begründer
einer wissenschaftlichen Physiologie und

[[A5]]
Naturphilosophie in den Stand, seine
Meinungen leichter an den Probirstein
der Beobachtung zu halten, und auf
diese Weise nicht etwa Mißpickel für
Gold zu nehmen, und sein System a
priori auf – Luft zu gründen.
Meinungen leichter an den Probirstein
der Beobachtung zu halten, und auf
diese Weise nicht etwa Mißpickel für
Gold zu nehmen, und sein System a
priori auf – Luft zu gründen.
So viel von der Absicht des Unter-
nehmens. Ueber die Ausführung kommt
es mir nicht zu zu urtheilen, und ich
überlasse dies Anderen.
nehmens. Ueber die Ausführung kommt
es mir nicht zu zu urtheilen, und ich
überlasse dies Anderen.
Diese Andern aber, welche gegen-
wärtiges Bändchen künftig beurtheilen
werden, darf ich wohl bitten, daß sie
etwas behutsamer sich dabei benehmen,
als der Rezensent meiner Uebersetzung
des Blumenbachischen Werks:
in der allgemeinen teutschen Bibliothek,
der mir Uebersetzungsfehler daraus an-
führt, die wahrscheinlich nur er gefun-
den hat, denn ich kann es ihm belegen,
daß er sie in den andern Exemplaren ver-
gebens suchen wird. Doch darüber
wärtiges Bändchen künftig beurtheilen
werden, darf ich wohl bitten, daß sie
etwas behutsamer sich dabei benehmen,
als der Rezensent meiner Uebersetzung
des Blumenbachischen Werks:
„Von
den natürlichen Verschieden-
heiten im Menschengeschlechte“
in der allgemeinen teutschen Bibliothek,
der mir Uebersetzungsfehler daraus an-
führt, die wahrscheinlich nur er gefun-
den hat, denn ich kann es ihm belegen,
daß er sie in den andern Exemplaren ver-
gebens suchen wird. Doch darüber

[[A6]]
nächstens ein Wort im Intelligenzblatt
der Allgem. Jenaischen Litteraturzeitung.
der Allgem. Jenaischen Litteraturzeitung.
Die Fortsetzung gegenwärtiger
Sammlung wird gewiß folgen, denn
ich fürchte nicht, das es ihr an Unter-
stützung fehlen solle. Ueber das Wenn
und Wo kann ich indeß zur Zeit noch
nichts Gewisses versprechen.
Sammlung wird gewiß folgen, denn
ich fürchte nicht, das es ihr an Unter-
stützung fehlen solle. Ueber das Wenn
und Wo kann ich indeß zur Zeit noch
nichts Gewisses versprechen.

[1]
I.
Versuch
einer vergleichenden
Physiologie
der
warmblütigen, lebendig
gebährenden
und Eierlegenden, Thiere.

[interleaf]

[3]
Als ich mich vor einiger Zeit mit dem
Versuche einer vergleichenden Physiologie
der warmblütigen und kaltblütigen Thiere
beschäftigte, fand ich oft Gelegenheit zur
Bewunderung jener sonderbaren Verschie-
denheit, welche auch in Ansehung der Oeko-
nomie der warmblütigen Thiere beyder
Ordnungen (der Qradrupeden und Vögel)
statt findet, und dieses veranlaßte mich
nach der Zeit diesen Unterschied genauer zu
untersuchen. Bey dieser Untersuchung in
einem Felde, auf welchem schon andere be-
rühmte Männer geärntet hatten , fand ich
Versuche einer vergleichenden Physiologie
der warmblütigen und kaltblütigen Thiere
beschäftigte, fand ich oft Gelegenheit zur
Bewunderung jener sonderbaren Verschie-
denheit, welche auch in Ansehung der Oeko-
nomie der warmblütigen Thiere beyder
Ordnungen (der Qradrupeden und Vögel)
statt findet, und dieses veranlaßte mich
nach der Zeit diesen Unterschied genauer zu
untersuchen. Bey dieser Untersuchung in
einem Felde, auf welchem schon andere be-
rühmte Männer geärntet hatten
Die reichste Aerndte in neuesten Zeiten hat
der berühmte, und um die Naturgeschichte
sehr verdiente Joh. Gottl. Schneider gehal-
ten in seinem reichhaltigen Kommentar über
den Nachlaß Friedrichs II.
der berühmte, und um die Naturgeschichte
sehr verdiente Joh. Gottl. Schneider gehal-
ten in seinem reichhaltigen Kommentar über
den Nachlaß Friedrichs II.

[4]
wenigstens eine Nachlese von
Bemerkungen,
die für die Physiologie der warmblütigen
Thiere und selbst des menschlichen Körpers
nicht eben unwichtig sind.
die für die Physiologie der warmblütigen
Thiere und selbst des menschlichen Körpers
nicht eben unwichtig sind.
So verbreitet immer ein Gegenstand Licht
über den andern.
über den andern.
Eine solche Vergleichung aber mußte
meines Bedünkens zur Erläuterung der
Naturgeschichte der Vögel selbst sehr dienlich
seyn, welche Ordnung von Geschöpfen so son-
derbare und von der Oekonomie der übrigen
Thiere durchaus abweichende physiologische
Erscheinungen darbietet, als kaum irgend
eine in dem ganzen Thierreiche. Vornehm-
lich wurde mir auch dadurch, die schon
sonst von mir geäußerte Meinung, immer
mehr bestätigt, daß alle die emblematischen
Vorstellungen von einer Stetigkeit, oder Lei-
ter, oder Kette der Natur, in dem Sinne näm-
lich wie einige berühmte Männer unsers
Jahrhunderts, die sich in Ausschmückung
solcher Hypothesen recht sehr gefielen, sie
nahmen, so bald man sie ernstlich behandelt,
meines Bedünkens zur Erläuterung der
Naturgeschichte der Vögel selbst sehr dienlich
seyn, welche Ordnung von Geschöpfen so son-
derbare und von der Oekonomie der übrigen
Thiere durchaus abweichende physiologische
Erscheinungen darbietet, als kaum irgend
eine in dem ganzen Thierreiche. Vornehm-
lich wurde mir auch dadurch, die schon
sonst von mir geäußerte Meinung, immer
mehr bestätigt, daß alle die emblematischen
Vorstellungen von einer Stetigkeit, oder Lei-
ter, oder Kette der Natur, in dem Sinne näm-
lich wie einige berühmte Männer unsers
Jahrhunderts, die sich in Ausschmückung
solcher Hypothesen recht sehr gefielen, sie
nahmen, so bald man sie ernstlich behandelt,

[5]
und mit der Natur selbst zusammenstellt,
äußerst mangelhaft und voller Lücken seien.
Denn die Vögel sind einestheils in der äußern
Bildung des Körpers, der Feder. Bedeckung
u.s.w. von allen rothblütigen Thieren
himmelweit verschieden, und weichen an-
derntheils in der innern Struktur ihrer
Theile, und deren Verrichtungen so auffal-
lend von dieser ab, daß sie, die Wahrheit
zu gestehen, in Hinsicht auf diese beyden
Punkte eine ganz besondere und fast anoma-
lische Ordnung in der organischen Welt
ausmachen, und sich mithin nur mühsam
und gleichsam mit Gewalt in eine solche Lei-
ter der Natur einkeilen lassen.
äußerst mangelhaft und voller Lücken seien.
Denn die Vögel sind einestheils in der äußern
Bildung des Körpers, der Feder. Bedeckung
u.s.w. von allen rothblütigen Thieren
himmelweit verschieden, und weichen an-
derntheils in der innern Struktur ihrer
Theile, und deren Verrichtungen so auffal-
lend von dieser ab, daß sie, die Wahrheit
zu gestehen, in Hinsicht auf diese beyden
Punkte eine ganz besondere und fast anoma-
lische Ordnung in der organischen Welt
ausmachen, und sich mithin nur mühsam
und gleichsam mit Gewalt in eine solche Lei-
ter der Natur einkeilen lassen.
Jedoch ich gehe zur Abhandlung selbst
fort. Ich werde hier, wie es am rathsam-
sten ist, nach den vier Klassen der Verrich-
tungen der thierischen Oekonomie gehen, al-
lein von dem Zeugungsgeschäfte anfan-
gen, indem in ihm der größte und Haupt-
unterschied zwischen den Eierlegenden und
lebendig gebärenden Thieren liegt, nachher
zu den Lebens- und natürlichen, und end-
fort. Ich werde hier, wie es am rathsam-
sten ist, nach den vier Klassen der Verrich-
tungen der thierischen Oekonomie gehen, al-
lein von dem Zeugungsgeschäfte anfan-
gen, indem in ihm der größte und Haupt-
unterschied zwischen den Eierlegenden und
lebendig gebärenden Thieren liegt, nachher
zu den Lebens- und natürlichen, und end-

[6]
lich zu den thierischen Verrichtungen über-
gehen. Ich werde demnach im Allgemei-
nen dieselbe Ordnung beybehalten, die der
scharfsinnige Joh. Bohn, ein ehedem sehr
berühmter Arzt zu Leipzig, in seinem vor-
treflichen physiologischen Handbuche befolgt
hat.
gehen. Ich werde demnach im Allgemei-
nen dieselbe Ordnung beybehalten, die der
scharfsinnige Joh. Bohn, ein ehedem sehr
berühmter Arzt zu Leipzig, in seinem vor-
treflichen physiologischen Handbuche befolgt
hat.

[7]
1.
Von dem Zeugungsgeschäfte.
Indem ich von dem Zeugungsgeschäfte
der warmblütigen Thiere anfangen will,
bietet sich mir gleich eine Bemerkung dar,
durch welche, wie mich däucht, eine Frage,
der Natur selbst gemäß, beantwortet werden
kann, welche durch die unter den angesehen-
sten Gelehrten über sie geführten Streitig-
keiten neuerlich so berühmt geworden ist.
der warmblütigen Thiere anfangen will,
bietet sich mir gleich eine Bemerkung dar,
durch welche, wie mich däucht, eine Frage,
der Natur selbst gemäß, beantwortet werden
kann, welche durch die unter den angesehen-
sten Gelehrten über sie geführten Streitig-
keiten neuerlich so berühmt geworden ist.
Es ist bekannt, daß man nach einem
fruchtbaren Beyschlafe bey dem Weibe der
Menschengattung und andern Säugethieren,
fruchtbaren Beyschlafe bey dem Weibe der
Menschengattung und andern Säugethieren,

[8]
bey dem Liebesreize aus dem Reißen einer oder
der andern jener Bläßchen entsteht, welche
uns Graaf für wirkliche Eier gab, und
daß diese kleine Wunde im Verlauf der Zeit
zu einer Narbe wird, die mit einer zierlichen
Hautrinde umgeben ist, und die seit Mal-
pighi's Zeit mit dem Namen des gelben
Körpers bezeichnet wird.
Dieses ist außer allen Zweifel gesetzt, al-
lein neuerlich hat man darüber zu streiten
angefangen, ob jener gelbe Körper (luteum
corpus) nur stets nach einem fruchtbaren Bey-
schlafe entstehe, und also jedesmal der Zeuge
einer ächten Empfängniß sey, oder ob er
auch ohne vorhergegangenen Beyschlaf ent-
stehen, und also auch bey solchen angetrof-
fen werden könne, die noch nie einen Mann
zugelassen haben?
lein neuerlich hat man darüber zu streiten
angefangen, ob jener gelbe Körper (luteum
corpus) nur stets nach einem fruchtbaren Bey-
schlafe entstehe, und also jedesmal der Zeuge
einer ächten Empfängniß sey, oder ob er
auch ohne vorhergegangenen Beyschlaf ent-
stehen, und also auch bey solchen angetrof-
fen werden könne, die noch nie einen Mann
zugelassen haben?
Jede von diesen Meinungen hat ansehn-
liche Vertheidiger und eifrige Bestreiter der
entgegengesetzten gefunden. Für die, wel-
che behauptet, die gelben Körper entstehen
liche Vertheidiger und eifrige Bestreiter der
entgegengesetzten gefunden. Für die, wel-
che behauptet, die gelben Körper entstehen

[9]
hauptsächlich unser Haller
Vergl. hauptsächlich des unsterblichen Man-
nes opera minor. T. II. und element, physiol.
T. VIII. p. I. S. 32 fg.
nes opera minor. T. II. und element, physiol.
T. VIII. p. I. S. 32 fg.
„Bey allen Weibern, die vor ihrem To-Der-
de nie geschwängert waren, zeigten sich auch
bey der Oeffnung nie gelbe Körper.“
selbe in den Anmerkungen zu Büffons Theo-
rie, 7. III. S. 185.
„Man wird in der ganzen Welt bey einersind
Jungfrau keinen gelben Körper finden,“
seine Worte bey Bonnet, Oeuvres. T. III.
S. 467 etc. Ausgabe in 4.
Büffon hergegen behauptete sehr eifrig,
daß man sie auch bey noch nie geschwängert
gewesenen Säugethieren finde .
daß man sie auch bey noch nie geschwängert
gewesenen Säugethieren finde
In den Mém. de l’académie des sc. de
Paris,
l. 1748. und in der histoire naturelle génér.
et partic. T. II. Ausg. in 4. auch in den
Supplém. à l’histoir. naturelle T. IV.
l. 1748. und in der histoire naturelle génér.
et partic. T. II. Ausg. in 4. auch in den
Supplém. à l’histoir. naturelle T. IV.

[10]
Der erste stützte sich auf den gewiß sehr
wichtigen Grund, daß er niemals weder
in irgend einem jungfräulichen Körper,
noch in so vielen noch unbeschwangerten
Thierweibchen, die er geöffnet hatte, Spu-
ren solcher Narben gesehen, da hergegen die
Eierstöcke von Menschen- und andern Säuge-
thier-Weibchen, die schon beschwängert ge-
wesen, sie allemal gehabt hätten.
wichtigen Grund, daß er niemals weder
in irgend einem jungfräulichen Körper,
noch in so vielen noch unbeschwangerten
Thierweibchen, die er geöffnet hatte, Spu-
ren solcher Narben gesehen, da hergegen die
Eierstöcke von Menschen- und andern Säuge-
thier-Weibchen, die schon beschwängert ge-
wesen, sie allemal gehabt hätten.
Büffons, dieser entgegengesetzte Mei-
nung, schien aber auch nicht gänzlich ohne
Gewicht zu seyn, und erhielt dessen durch
die Zeugnisse von drey sehr geschickten Ana-
tomen Italiens nur noch mehr. Valli-
sneri nämlich, Santorini, und Ber-
trandi erzählen von mehreren und sehr
genau beobachteten Eröfnungen jungfräu-
licher Leichname, in denen sie offenbar gelbe
Körper gefunden haben.
nung, schien aber auch nicht gänzlich ohne
Gewicht zu seyn, und erhielt dessen durch
die Zeugnisse von drey sehr geschickten Ana-
tomen Italiens nur noch mehr. Valli-
sneri nämlich, Santorini, und Ber-
trandi erzählen von mehreren und sehr
genau beobachteten Eröfnungen jungfräu-
licher Leichname, in denen sie offenbar gelbe
Körper gefunden haben.
Vallisneri schreibt es von einem
ausnehmend schönen zehnjährigen Fräulein,
Opere del Kaval. Vallisneri. T. II. S.
164.
ausnehmend schönen zehnjährigen Fräulein,

[11]
setzt war, in dem Nonnenkloster eines
strengen Ordens erzogen werden sollte, und
sich nach heftigen Gemüthsbewegungen ein
schleichendes und endlich tödliches Fieber zu-
gezogen hatte
„Una giovane nobile, e bella d’anni diciotto,etc.
posta in educazione come suol dirsi, in un
Munistero di severissime monache“
er hinzu, daß dieser gelbe Körper und die
benachbarte Röhre so ausgesehen haben,
wie eben diese Theile bey Thieren aussehen,
wenn sie von einem heftigen Geschlechtstrie-
be erhitzt werden
„Come si vede nelle ovaje de’ bruti, quanda
particolarmente hanno svegliato l’estro de
loro amori.“
Santorini aber bezeugt in seinen Be-
obachtungen und seiner
vortreflichen. Ge-
schichte einer aus dem After gezogenen Ge-
obachtungen
S. 223. der Venedigischen Ausgabe.
schichte einer aus dem After gezogenen Ge-

[12]
Istoria d’un feto estrato felicemente intero
dal-
le parti decretane. S. 27 fg.
le parti decretane. S. 27 fg.
len unverletzten Jungfrauen gesehen.
Und Bertrandi
erklärt, er ha-
be bey Mädchen von vierzehn bis zwanzig
Jahren, von denen man theils ihres Lebens-
wandels, theils der Unverletztheit und
Vollheit ihrer Geburtstheile wegen, be-
haupten können, sie seyen als Jungfrauen
gestorben, öfters vollkommene und schwel-
lende gelbe Körper gesehen.
Miscell. philos. mathemat. Soc. privatae Tau-
riensis, T. I. S. 104 fgg.
riensis, T. I. S. 104 fgg.
be bey Mädchen von vierzehn bis zwanzig
Jahren, von denen man theils ihres Lebens-
wandels, theils der Unverletztheit und
Vollheit ihrer Geburtstheile wegen, be-
haupten können, sie seyen als Jungfrauen
gestorben, öfters vollkommene und schwel-
lende gelbe Körper gesehen.
Bey diesen so großen Widersprüchen in
den Meinungen, däucht mich, werde die
vergleichende Physiologie, mit der wir uns
gegenwärtig beschäftigen, den Knoten auf-
lösen.
den Meinungen, däucht mich, werde die
vergleichende Physiologie, mit der wir uns
gegenwärtig beschäftigen, den Knoten auf-
lösen.
Denn der Eyerstock und die Rohre der
Vogel verstatten, obwohl sie nur einmal
Vogel verstatten, obwohl sie nur einmal

[13]
wie bey den übrigen Thierklassen zur rech-
ten und linken Seite sich ausbreitend), im
Allgemeinen doch eine leichte Vergleichung
mit eben diesen Theilen an den Säuge-
thieren.
Die Dotter sind nämlich, so lange sie
am Eierstocke hängen, beynahe von eben
solchen häutigen Kelchen umgeben, wie die
Graafischen Bläschen von der gemeinsamen
Haut des Eierstockes.
am Eierstocke hängen, beynahe von eben
solchen häutigen Kelchen umgeben, wie die
Graafischen Bläschen von der gemeinsamen
Haut des Eierstockes.
Hat denn der Dotter nachher seine völ-
lige Reife erlangt, so reißt er sich auch auf
eben die Weise von seinem Kelche los, wird
von der Trompete aufgefaßt, und tritt in
den Eiergang, wie höchstwahrscheinlich
auch bey befruchteten Säugethieren der Gal-
lertartige Tropfe des Eierstocks, (nachdem
er, beynahe wie ein reifes Geschwür, seine
Hülle zerrissen hat), von dem faltigen Sau-
me aufgenommen, und in die Muttertrom-
pete fortgetrieben wird.
lige Reife erlangt, so reißt er sich auch auf
eben die Weise von seinem Kelche los, wird
von der Trompete aufgefaßt, und tritt in
den Eiergang, wie höchstwahrscheinlich
auch bey befruchteten Säugethieren der Gal-
lertartige Tropfe des Eierstocks, (nachdem
er, beynahe wie ein reifes Geschwür, seine
Hülle zerrissen hat), von dem faltigen Sau-
me aufgenommen, und in die Muttertrom-
pete fortgetrieben wird.
Und endlich hängt der leere Kelch (calix),
wenn er seine Dotter hat fahren lassen, ver-
wenn er seine Dotter hat fahren lassen, ver-

[14]
des Eierstocks welk herab, und läßt sich
schon mit dem gelben Körper der Säuge-
thiere vergleichen.
Bekanntlich gehen bisweilen auch alle
diese Veränderungen bey Weibchen von
Vögeln vor, wenn sie auch keinen Mann
zugelassen haben, wo sie die sogenannten
Windeier (ova Zephyria s. subventanea) le-
gen, die den ächten im Ganzen genommen
ähnlich, allein unfruchtbar und zum Be-
brüten ganz untauglich sind.
diese Veränderungen bey Weibchen von
Vögeln vor, wenn sie auch keinen Mann
zugelassen haben, wo sie die sogenannten
Windeier (ova Zephyria s. subventanea) le-
gen, die den ächten im Ganzen genommen
ähnlich, allein unfruchtbar und zum Be-
brüten ganz untauglich sind.
Nicht minder wahr aber ist ferner, daß
unbelegte (innuptae) Vögel solche Windeier
(hypenemia) durch eine mechanische Rei-
zung der Geburtstheile empfangen (conci-
pere) können, eine Bemerkung, welche der
Vater der vergleichenden Physiologie und
mithin jeder ächtwissentschaftlichen Zoologie,
Aristoteles , und im vorigen Jahrhun-
derte der äußerst genaue Beobachter Har-
vey gemacht haben. Dieser letztere behaup-
unbelegte (innuptae) Vögel solche Windeier
(hypenemia) durch eine mechanische Rei-
zung der Geburtstheile empfangen (conci-
pere) können, eine Bemerkung, welche der
Vater der vergleichenden Physiologie und
mithin jeder ächtwissentschaftlichen Zoologie,
Aristoteles
Historia animal. l. VI. c. 2.
derte der äußerst genaue Beobachter Har-
vey gemacht haben. Dieser letztere behaup-

[15]
Harvaei opera omnia: a collegio
medico-
rum Londinensi edita 1766. 4. S. 198 fg.
rum Londinensi edita 1766. 4. S. 198 fg.
stig, daß sie sich, so wie man nur ihren
Rücken leicht mit der Hand berühre, gleich
nieder legen, die Oefnung der Gebärmutter
entblößen und aufrichten, und wenn man
diese sanft mit den Fingern streiche, durch
leises Gestöhn und Schlagen mit den Flü-
geln das süße Gefühl des Genusses der Lie-
be zu erkennen geben; ja er habe die Erfah-
rung an der Turteltaube, Amsel und ande-
ren gemacht, daß die Weibchen darauf Eier
empfangen.
Eben derselbe erzählt auch von einem
Papagey, welcher lange der Liebling seiner
Gattin gewesen, daß er oft, wenn diese ge-
sessen, spielend und voll Muthwillen auf
ihren Schooß gekommen, wo er sich sehr
gefreut wenn ihm der Rücken gestrichen
worden, und durch Flügelschlagen und leises
Stöhnen sein innigstes Behagen bezeugt
habe. Nicht lange nach diesen sanften Be-
Papagey, welcher lange der Liebling seiner
Gattin gewesen, daß er oft, wenn diese ge-
sessen, spielend und voll Muthwillen auf
ihren Schooß gekommen, wo er sich sehr
gefreut wenn ihm der Rücken gestrichen
worden, und durch Flügelschlagen und leises
Stöhnen sein innigstes Behagen bezeugt
habe. Nicht lange nach diesen sanften Be-

[16]
lich unter häufigen Konvulsionen verreckt.
Da er nun den Kadaver geöffnet, habe er
in beynahe vollkommenes Ey in der Ge-
barmutter gefunden, das aber, in Er-
mangelung eines Männchens, verdorben ge-
wesen.
Die Manen jener Jungfrauen mögen mir
verzeihen, wenn ich von den gelben Körpern
in ihren Eierstöcken einen nicht unähnlichen
Ursprung vermuthe, und glaube, daß sie in
dem Mädchenkörper, wie bey den Turteltau-
ben und Amseln, durch die Wirkung eines
Liebesreizes auf die Bläschen des Eier-
stockes entstanden seien, gleichviel ob dieser
Reiz durch die Umarmung eines Mannes
oder durch sonst ein üppiges Kunststück er-
regt worden .
verzeihen, wenn ich von den gelben Körpern
in ihren Eierstöcken einen nicht unähnlichen
Ursprung vermuthe, und glaube, daß sie in
dem Mädchenkörper, wie bey den Turteltau-
ben und Amseln, durch die Wirkung eines
Liebesreizes auf die Bläschen des Eier-
stockes entstanden seien, gleichviel ob dieser
Reiz durch die Umarmung eines Mannes
oder durch sonst ein üppiges Kunststück er-
regt worden
Das glaub' ich gewiß, daß durch solche wie-
derholte künstliche Reizungen ein Bläschen
des Eierstocks reißen, und so auch bey einer
Jungfrau der gelle Körper entstehen könne.
Der Meinung bin ich aber gar nicht, welche
viele berühmte Männer mit Graaf hegen,
daß diese Bläschen wirkliche Eier seien, die
sich vollständig von dem Eierstocke trennten,
und in die Gebärmutter kämen, und daß die-
ses auch durch eine bloße verliebte Einbil-
dungskraft geschehen könne. So be-
hauptete z.B. Boerhaave selbst, und nach
ihm Chr. Gottl. Neumann in seiner Dispu-
tation de exclusione ovulorum in salacibus
absque ullo praegresso coitu. 1717. 4. und
Walter in seinen Beobachtungen über
die Geburtstheile des weiblichen
Geschlechts. Berlin 1776. 4.
derholte künstliche Reizungen ein Bläschen
des Eierstocks reißen, und so auch bey einer
Jungfrau der gelle Körper entstehen könne.
Der Meinung bin ich aber gar nicht, welche
viele berühmte Männer mit Graaf hegen,
daß diese Bläschen wirkliche Eier seien, die
sich vollständig von dem Eierstocke trennten,
und in die Gebärmutter kämen, und daß die-
ses auch durch eine bloße verliebte Einbil-
dungskraft geschehen könne. So be-
hauptete z.B. Boerhaave selbst, und nach
ihm Chr. Gottl. Neumann in seiner Dispu-
tation de exclusione ovulorum in salacibus
absque ullo praegresso coitu. 1717. 4. und
Walter in seinen Beobachtungen über
die Geburtstheile des weiblichen
Geschlechts. Berlin 1776. 4.

[17]
Alle angeführte Umstände unter denen
die Schriftsteller gelbe Körper bey Unver-
heyratheten beobachtet haben, sprechen sehr
für diesen Argwohn, z.B. das Alter vom
vierzehnten Jahre an, die hysterischen Zu-
fälle von einigen u.s.w. Ob etwas davon
vielleicht auf Rechnung des Klima kommen
müsse, darüber wag' ich nicht zu entscheiden,
und bemerke deshalb bloß, daß alle solche
Fälle, welche bey Schriftstellern vorkommen,
lediglich bey Italienerinnen beobachtet wor-
den sind.
die Schriftsteller gelbe Körper bey Unver-
heyratheten beobachtet haben, sprechen sehr
für diesen Argwohn, z.B. das Alter vom
vierzehnten Jahre an, die hysterischen Zu-
fälle von einigen u.s.w. Ob etwas davon
vielleicht auf Rechnung des Klima kommen
müsse, darüber wag' ich nicht zu entscheiden,
und bemerke deshalb bloß, daß alle solche
Fälle, welche bey Schriftstellern vorkommen,
lediglich bey Italienerinnen beobachtet wor-
den sind.

[18]
Was aber die Hauptsache ist, um deret-
willen alles bisher gesagte bloß angeführt
worden, man sieht sogleich die Ursache,
warum man nur bey Mädchen und Vögeln,
niemals aber meines Wissens bey einem noch
unbeschwängerten Quadrupede solche gelbe
Körper, oder Kelche, wie man sie bey den
Vögeln nennt, gesehen hat, weil nämlich
bey diesen außer dem wirklichen Beyschlafe
kaum einer jener erwähnten Reize Statt zu
finden pflegt. Und da man nun bei so vie-
len Oefnungen von Säugethieren niemals
an einem noch nicht beschwängert gewesenem
einen gelben Körper bemerkt hat, so ist der
Schluß des großen Haller und seiner Anhän-
ger, daß diese Körper überhaupt vor der
Empfängniß nicht vorhanden seien, sehr
verzeihlich.
willen alles bisher gesagte bloß angeführt
worden, man sieht sogleich die Ursache,
warum man nur bey Mädchen und Vögeln,
niemals aber meines Wissens bey einem noch
unbeschwängerten Quadrupede solche gelbe
Körper, oder Kelche, wie man sie bey den
Vögeln nennt, gesehen hat, weil nämlich
bey diesen außer dem wirklichen Beyschlafe
kaum einer jener erwähnten Reize Statt zu
finden pflegt. Und da man nun bei so vie-
len Oefnungen von Säugethieren niemals
an einem noch nicht beschwängert gewesenem
einen gelben Körper bemerkt hat, so ist der
Schluß des großen Haller und seiner Anhän-
ger, daß diese Körper überhaupt vor der
Empfängniß nicht vorhanden seien, sehr
verzeihlich.
Wenn man aber bey den Säugethieren
die Weibchen von einer solchen widernatür-
lichen Geschlechtslust frey sprechen muß, so
kann man im Gegentheile wieder darthun,
daß die Männchen bey den Vögeln nie
durch einen gesetzwidrigen Reiz den Saa-
men hervorlocken, denn das männliche Glied
die Weibchen von einer solchen widernatür-
lichen Geschlechtslust frey sprechen muß, so
kann man im Gegentheile wieder darthun,
daß die Männchen bey den Vögeln nie
durch einen gesetzwidrigen Reiz den Saa-
men hervorlocken, denn das männliche Glied

[19]
so viel ich weiß, außer im Augenblicke der
Paarung, zurückgezogen und so versteckt,
daß gar keine Friktion Statt finden kann.
Unter den Säugethieren aber findet man
welche, die offenbar Onanie treiben. Von
einigen Affen und Pavianen hat man dies
schon verlangst gesagt
So sagt z.B. Carpus Comment
in Mun-
dinum in dem Abschnitt vom Unterschiede
zwischen den Menschen und übrigen Thieren
S. 13 a.
dinum in dem Abschnitt vom Unterschiede
zwischen den Menschen und übrigen Thieren
S. 13 a.
„Auch hilft unter allen andern
Thieren allein der Mensch beiderlei Geschlechts
sich selbst, indem er entweder mit der Hand,
oder durch einen andern Kunstgriff den Saa-
men hervorlockt, etwas das kein anderes
Thier thut, die Meerkatze oder sogenannten
geschwänzten Affen (cynocephalo s. cercopithe-
co) ausgenommen, der, wie ich von vielen,
und besonders meinem Schüler, dem glaub-
würdigen Herrn D. Mar, Green erfahren
habe, ebenfalls mit den Händen den Saa-
men hervorlockt, und ihn dann frißt. Da-
bei ist der Umstand noch wunderbarer, daß,
wenn er etwa von einem Menschen über die-
sem abscheulichen Laster ertappt wird, er sich
oben so schämt, als wenn er Vernunft hätte.“

[20]
gesehen, den man zu Bern in einer Bären-
grube hielt. Er hatte sein Weib verloren,
und als er nun spürte, daß ein anderes
Paar in dem anstoßenden Theile der Grube
sich begattete, verschafte er dem drücken-
den Zeugungssafte einen gewaltsamen Aus-
gang.
Jedoch ich komme wieder auf die Eier der
Vögel, deren ich schon oben gedachte. Wenn
die Mutter das Ei gelegt hat, wird die Bil-
dung des Jungen durch Sitzen oder andere
Wärme vollendet, bey den Säugethieren her-
gegen in der Gebärmutter schon.
Vögel, deren ich schon oben gedachte. Wenn
die Mutter das Ei gelegt hat, wird die Bil-
dung des Jungen durch Sitzen oder andere
Wärme vollendet, bey den Säugethieren her-
gegen in der Gebärmutter schon.
Und diese Bildung der bebrüteten Jungen
selbst unterscheidet sich in mehr als einer
Hinsicht merklich von der, welche man an
den Embrionen lebendig-gebärender Thiere
beobachtet.
selbst unterscheidet sich in mehr als einer
Hinsicht merklich von der, welche man an
den Embrionen lebendig-gebärender Thiere
beobachtet.
Denn die erste Gestalt des bebrüteten
noch sehr zarten Jungen weicht Himmelweit
noch sehr zarten Jungen weicht Himmelweit

[21]
fortgesetztem Brüten findet, da hingegen die
zartesten Embrionen der Säugethiere, selbst
wenn sie nur noch wie gelifferte Gallerte,
oder ein Würmchen im Eie (galba) sehen,
doch nicht erst eine solche Metamorphose
ihrer Gestalt zu bestehen haben, wie das
Küchelchen sowohl in Ansehung der ganzen
Beschaffenheit seines Körpers, als auch der
Einrichtung seiner Eingeweide bestehen muß.
Zum Beyspiele hievon mag vor allen
andern die ursprüngliche Gestalt des hüp-
fenden Punktes im bebrüteten Jungen, im
Vergleich mit dem Herzchen des ganz zar-
ten Säugethier-Embrio dienen. Wie
sonderbar und ganz eigen ist nicht die ver-
schlungene Gestalt desselben, bevor es end-
lich nach so mancherley Abwechselungen die
Gestalt eines vollkommenen Herzens erhält.
Haller hat diese wunderbaren Verände-
rungen in jenen klassischen Kommentaren
beschrieben, die er über diesen Theil der Phy-
siologie der Göttingischen Societät der
Wissenschaften, deren Präsident er war,
vorlegte.
andern die ursprüngliche Gestalt des hüp-
fenden Punktes im bebrüteten Jungen, im
Vergleich mit dem Herzchen des ganz zar-
ten Säugethier-Embrio dienen. Wie
sonderbar und ganz eigen ist nicht die ver-
schlungene Gestalt desselben, bevor es end-
lich nach so mancherley Abwechselungen die
Gestalt eines vollkommenen Herzens erhält.
Haller hat diese wunderbaren Verände-
rungen in jenen klassischen Kommentaren
beschrieben, die er über diesen Theil der Phy-
siologie der Göttingischen Societät der
Wissenschaften, deren Präsident er war,
vorlegte.

[22]
Wo ich nicht irre, muß man eben dieser ver-
schlungenen Gestalt des Herzchens in dem noch
zarten Vogel den Ursprung einer gewissen
Mißgeburt (monstrosa fabrica) zuschreiben,
die man bey Vögeln so oft ,
bey Säuge-
thieren hergegen meines Wissens noch nie-
mals bemerkt hat, nämlich doppeltes
Herz in dem einfachen, und sonst ganz Na-
turgemäß gebautem Thiere.
Wenn man diese Erscheinung in gehörige
Ueberlegung nimmt, so findet man, daß es
sich weit leichter begreifen läßt, wie die noch
getrennten Theile des künftigen Herzens, die
verbunden werden sollten, durch eine sehr
starke und übermäßige Wirkung des Bil-
dungstriebes zu zwey Herzen haben wer-
den können, als wie nach der Evolutions-
hypothese die Keime zweier Herzchen in den
schlungenen Gestalt des Herzchens in dem noch
zarten Vogel den Ursprung einer gewissen
Mißgeburt (monstrosa fabrica) zuschreiben,
die man bey Vögeln so oft
Man sehe z.B. Rudbeck in Hemster-
huisii messe aurea, S. 331. Ausg. 1659.
huisii messe aurea, S. 331. Ausg. 1659.
Littre in Histoire de l’academie des scien-
ces de Paris J. 1709. S. 26 fg.
ces de Paris J. 1709. S. 26 fg.
Transactions of the American society at Phi-
ladelphia. Th. 2. S. 323.
ladelphia. Th. 2. S. 323.
thieren hergegen meines Wissens noch nie-
mals bemerkt hat, nämlich doppeltes
Herz in dem einfachen, und sonst ganz Na-
turgemäß gebautem Thiere.
Wenn man diese Erscheinung in gehörige
Ueberlegung nimmt, so findet man, daß es
sich weit leichter begreifen läßt, wie die noch
getrennten Theile des künftigen Herzens, die
verbunden werden sollten, durch eine sehr
starke und übermäßige Wirkung des Bil-
dungstriebes zu zwey Herzen haben wer-
den können, als wie nach der Evolutions-
hypothese die Keime zweier Herzchen in den

[23]
schlossen gewesen seyn.
Ferner rückt die ganze Bildung der
Theile in den Früchten der Säugethiere weit
schneller vorwärts, und gelangt weit
früher zur Vollendung, als bey dem be-
brüteten Jungen, weshalb ich mich über
den Schluß gewisser gleichzeitiger Aerzte
nicht genug wundern kann, die bey gericht-
lichen Streitigkeiten über die Vitalität einer
menschlichen Geburt, den Streit durch eine
Vergleichung des Termins des bebrüteten
Jungen mit der Zeit der menschlichen
Schwangerschaft schlichten wollten. Zum
Beweise des sehr beträchtlichen Unterschiedes,
der auch in dieser Hinsicht zwischen den Ey-
erlegenden und lebendig gebärenden Thieren
statt findet, mag die Bildung der Rip-
pen dienen. Mir ist kein Beispiel bekannt,
daß irgend jemand vor dem Ende des ach-
ten Tages eine Spur von ihnen in dem
Küchelchen gesehen hätte, denn selbst Hal-
ler bestimmt in seinen zahlreichen Tagebü-
chern über die Bildung des Küchelchens die
hundert zwey und neunzigste Stunde nach
Theile in den Früchten der Säugethiere weit
schneller vorwärts, und gelangt weit
früher zur Vollendung, als bey dem be-
brüteten Jungen, weshalb ich mich über
den Schluß gewisser gleichzeitiger Aerzte
nicht genug wundern kann, die bey gericht-
lichen Streitigkeiten über die Vitalität einer
menschlichen Geburt, den Streit durch eine
Vergleichung des Termins des bebrüteten
Jungen mit der Zeit der menschlichen
Schwangerschaft schlichten wollten. Zum
Beweise des sehr beträchtlichen Unterschiedes,
der auch in dieser Hinsicht zwischen den Ey-
erlegenden und lebendig gebärenden Thieren
statt findet, mag die Bildung der Rip-
pen dienen. Mir ist kein Beispiel bekannt,
daß irgend jemand vor dem Ende des ach-
ten Tages eine Spur von ihnen in dem
Küchelchen gesehen hätte, denn selbst Hal-
ler bestimmt in seinen zahlreichen Tagebü-
chern über die Bildung des Küchelchens die
hundert zwey und neunzigste Stunde nach

[24]
die Rippen bemerkt
Opera minora, Th. 2. S. 207. Not. 239.
in
einem Eie von 192 Stunden.
einem Eie von 192 Stunden.
„Rippen sind
noch nicht vorhanden.“
N. 239. von eben so viel Stunden.
„Die
Lunge ist deutlicher zu sehen, und dann die
Rippen.“
S. 210. N. 299. ebenfalls,
„Anfang der
Rippen.“
S. 211. N. 304. von 194 Stunden
„dünne Bedeckung des Unterleibes, häu-
tige Verhüllung der Brust, Ansatz des Brust-
beins, und des Seiten- und Hintertheils der
Rippen.“
Und S. 212. N. 306. von 210 Stunden
„die Rippen ziemlich vollkommen.“
Bebrütung aber entspricht, im Vergleich
mit der Schwangerschaft des Weibes, dem
Anfange der sechzehnten Woche, denn
hundert neun und achtzig Stunden der Be-
brütung des Hünereies sind gleich fünfzehn
Wochen der Mutter, welche die Geburt
trägt. Um wie vieles früher aber erblickt
man demnach die Rippen am Oberleibe des

[25]
unter meinem anatomischen Vorrathe Früch-
te auf, die kaum größer als eine Ameise
find und deren Alter die fünfte Woche
nach der Empfängniß gewiß nicht übersteigt,
woran man aber doch die knorpelarti-
gen Anfänge der Rippen sehr nett aus-
gewirkt ganz deutlich erblickt. – (S.
Fig. 1. –)
Daß der Zeitpunkt der Knochenentste-
bung im menschlichen Fötus weit früher als
bey dem bebrüteten Jungen eintrete, hab' ich
schon anderwärts bemerkt .
bung im menschlichen Fötus weit früher als
bey dem bebrüteten Jungen eintrete, hab' ich
schon anderwärts bemerkt
Geschichte und Beschreibung der
Knochen des menschlichen Körpers,
S. 8. und Vorrede S. 10.
Knochen des menschlichen Körpers,
S. 8. und Vorrede S. 10.
Im Betreff der Ernährung des Jungen
im Eie will ich noch die Analogie bemerken,
die der ganz zarte Embrio wenigstens in der
menschlichen Frucht mit ihm zu haben scheint.
Es ist mir völlig ausgemacht, daß das
Nabelbläschen (vesicula umbilicalis)
– (Fig 1.) –; von dessen Allgemeinheit
in frischen und unverletzten abortiven mensch-
lichen Eierchen ich anderwärts gehandelt
im Eie will ich noch die Analogie bemerken,
die der ganz zarte Embrio wenigstens in der
menschlichen Frucht mit ihm zu haben scheint.
Es ist mir völlig ausgemacht, daß das
Nabelbläschen (vesicula umbilicalis)
– (Fig 1.) –; von dessen Allgemeinheit
in frischen und unverletzten abortiven mensch-
lichen Eierchen ich anderwärts gehandelt

[26]
Institut. physiologicae. S. 449.
und
Vorrede S. 13.
Vorrede S. 13.
Dotterhaut (saccus vitellaris), und seine
Nabelgekrößadergefäße (vasa omphalome-
seraica) mit denen zur venösen Gestalt des
bebrüteten Jungen gehörigen, haben: und
wahrscheinlich trägt dieses Bläschen eben-
falls zur ersten Ernährung des gallertarti-
gen Embrio bey, bevor er so groß geworden,
daß schon das Blut der Mutter zu seiner
Ernährung dienen kann.
Die Zeit, wie lange das Junge im
Eye bleibt, scheint, im Vergleich mit der,
wie lange ein Säugethier trägt, veränder-
licher, und weit weniger auf einen bestimm-
ten Termin eingeschränkt zu seyn. Denn
bey Hünereiern ist sie, zumal wenn sie
nicht durch thierische Wärme, sondern durch
sonst ein anderes Kunstmittel ausgebrütet
werden, unbestimmt zwischen dem achtzehnten
und vier und zwanzigsten Tage, je nachdem
sie nämlich anhaltendere oder weniger anhal-
tende Wärme gehabt haben.
Eye bleibt, scheint, im Vergleich mit der,
wie lange ein Säugethier trägt, veränder-
licher, und weit weniger auf einen bestimm-
ten Termin eingeschränkt zu seyn. Denn
bey Hünereiern ist sie, zumal wenn sie
nicht durch thierische Wärme, sondern durch
sonst ein anderes Kunstmittel ausgebrütet
werden, unbestimmt zwischen dem achtzehnten
und vier und zwanzigsten Tage, je nachdem
sie nämlich anhaltendere oder weniger anhal-
tende Wärme gehabt haben.

[27]
Endlich muß auch dieses Unterschiedes
zwischen dem bebrüteten Jungen und dem
Fötus der Säugethiere, oder wenigstens
dem menschlichen gedacht werden, daß jenes,
wenn es völlig reif und ausgewachsen ist,
die Schaale, worin es bis dahin ver-
schlössen gewesen, selbst durchbrechen
und sich einen Ausgang verschaffen kann; da
der reife menschliche Fötus hergegen nicht das
Mindeste dazu beytragen zu können scheint,
sich aus dem Gefängniß der Gebärmutter
herauszuwinden.
zwischen dem bebrüteten Jungen und dem
Fötus der Säugethiere, oder wenigstens
dem menschlichen gedacht werden, daß jenes,
wenn es völlig reif und ausgewachsen ist,
die Schaale, worin es bis dahin ver-
schlössen gewesen, selbst durchbrechen
und sich einen Ausgang verschaffen kann; da
der reife menschliche Fötus hergegen nicht das
Mindeste dazu beytragen zu können scheint,
sich aus dem Gefängniß der Gebärmutter
herauszuwinden.

[28]
2.
Lebensverrichtungen
Ich komme aber nun auf die andere Klasse
der Verrichtungen in der thierischen Oekono-
mie zu denen des Lebens.
der Verrichtungen in der thierischen Oekono-
mie zu denen des Lebens.
Um von der vornehmsten derselben, dem
Blutumlaufe nämlich, anzufangen, so bie-
tet sich uns gleich ein sehr merkwürdiger Un-
terschied zwischen den Vögeln und Säuge-
thieren dar in Ansehung des kleinen
Blutumlaufs, der nämlich zwischen
Herz und Lungen statt findet.
Blutumlaufe nämlich, anzufangen, so bie-
tet sich uns gleich ein sehr merkwürdiger Un-
terschied zwischen den Vögeln und Säuge-
thieren dar in Ansehung des kleinen
Blutumlaufs, der nämlich zwischen
Herz und Lungen statt findet.
Denn abgerechnet, daß die Lungen der
Vögel verhältnißmäßig klein, und an die
Brustwirbelbeine Rippen und Zwischen-
rippenmuskeln befestigt sind, zeichnen sich
dieselben (wie der große Harvey zuerst be-
merkte) hauptsächlich auch dadurch aus,
daß Oefnungen aus ihnen in die mancherley
Luftbehälter gehen, und sie mithin nicht wie
die Lungen der Säugethiere durch das Athem-
Vögel verhältnißmäßig klein, und an die
Brustwirbelbeine Rippen und Zwischen-
rippenmuskeln befestigt sind, zeichnen sich
dieselben (wie der große Harvey zuerst be-
merkte) hauptsächlich auch dadurch aus,
daß Oefnungen aus ihnen in die mancherley
Luftbehälter gehen, und sie mithin nicht wie
die Lungen der Säugethiere durch das Athem-

[29]
durch dem aus dem rechten Herze kommen-
den Blute Bahn machen können, woraus
sich denn schon a priori schließen läßt, daß
sich die Natur hier eines andern Mechanis-
mus bedient habe, um jenen kleinen Blut-
umlauf gehörig zu Stande zu bringen.
In der That muß man sich aber wundern,
daß, da man sich in neueren Zeiten mit Un-
tersuchung der Luftbehälter in den Vögeln
so viel beschäftigt hat, doch keiner, wenigstens
meines Wissens nicht, diesen Knoten nur be-
rührt, geschweige aufgelöst hat.
Diesen besondern Mechanismus aber
glaube ich in einer eigenen Einrichtung des
rechten Herzens gefunden zu haben, worin
sich, so viel ich weiß, die ganze Klasse der
Vögel so von den Säugethieren unterscheidet,
daß sie statt der dreispitzigen, den mützen-
förmigen des linken Herzes ähnlichen Klap-
pen, mit einer merkwürdigen, zwar einfa-
chen aber sehr großen und starken flei-
schernen Klappe versehen ist. Diese
war freilich den Physiologen, vornehmlich
glaube ich in einer eigenen Einrichtung des
rechten Herzens gefunden zu haben, worin
sich, so viel ich weiß, die ganze Klasse der
Vögel so von den Säugethieren unterscheidet,
daß sie statt der dreispitzigen, den mützen-
förmigen des linken Herzes ähnlichen Klap-
pen, mit einer merkwürdigen, zwar einfa-
chen aber sehr großen und starken flei-
schernen Klappe versehen ist. Diese
war freilich den Physiologen, vornehmlich

[30]
Vergl. z. B. Lower de
corde S. 60 fg. der
Amsterdamer Ausgabe. 1669.
Amsterdamer Ausgabe. 1669.
Iust. Schrader observ. anat.
medic. S.
216.
216.
allein von allen weiß ich nicht einen, der
über den Zweck und Nutzen dieser besondern
Einrichtung eine genauere und gründlichere
Untersuchung angestellt hätte.
Die Einrichtung dieser Klappe habe ich
zwar im Allgemeinen an den Herzen aller
Vögel, so viel ich deren deshalb secirt habe,
sich ähnlich gefunden, ich will sie aber doch
nach dem Kadaver eines Fischreihers (ar-
ctea cinerea) beschreiben, den ich vor Au-
gen habe. (S. Fig. 2.) Wenn man die
äußerste Wand, vornehmlich von dem un-
tern Theile, in wiefern er nämlich nach der
Spitze der rechten Herzkammer hinsieht, er-
öfnet, daß man die Holung der Herzkam-
mer erblickt (– d. e. –), so bekommt man
sogleich einen Muskel zu Gesicht (– a. b.
c. –) der so auf dem linken und obern Win-
kel der Kammer liegt, daß sein auf der
Scheidewand beider Herzen aufliegender
zwar im Allgemeinen an den Herzen aller
Vögel, so viel ich deren deshalb secirt habe,
sich ähnlich gefunden, ich will sie aber doch
nach dem Kadaver eines Fischreihers (ar-
ctea cinerea) beschreiben, den ich vor Au-
gen habe. (S. Fig. 2.) Wenn man die
äußerste Wand, vornehmlich von dem un-
tern Theile, in wiefern er nämlich nach der
Spitze der rechten Herzkammer hinsieht, er-
öfnet, daß man die Holung der Herzkam-
mer erblickt (– d. e. –), so bekommt man
sogleich einen Muskel zu Gesicht (– a. b.
c. –) der so auf dem linken und obern Win-
kel der Kammer liegt, daß sein auf der
Scheidewand beider Herzen aufliegender

[31]
zur Linken schief herabzulaufen scheint. Der
ganze Muskel hat beinahe die Gestalt eines
Triangels, dessen fleischige und starke Basis
und Kathete aus dem Fleische der Herzkam-
mer selbst in der Nähe des sehnigten Ringes
erwachsen, die Hypothenuse aber, welche
ein dünnerer Rand des Muskels ist, sich mit-
ten durch die Holung der Kammer in diago-
naler Richtung hinzieht.
Diesen Rand selbst aber sieht man, wenn
man bey der Section also zu Werke geht,
so dicht und genau auf der Scheidewand der
Herzkammern aufliegen, daß daraus auf
den ersten Anblick schon erhellt, auf welche
Weiße er zwar dem aus dem rechten Herz-
ohre in die Kammer derselben Seite eindrin-
genden venösen Blutstrome folgsam nach-
giebt; bey dem folgenden Zusammenziehen
der Kammer aber von dem eben jetzt in der
rechten Herzkammer enthaltenen Blute
schwellend so vollkommen an die benannte
Scheidewand angedrängt wird, daß es auf kei-
ne Weise wieder in das Ohr strömen kann,
man bey der Section also zu Werke geht,
so dicht und genau auf der Scheidewand der
Herzkammern aufliegen, daß daraus auf
den ersten Anblick schon erhellt, auf welche
Weiße er zwar dem aus dem rechten Herz-
ohre in die Kammer derselben Seite eindrin-
genden venösen Blutstrome folgsam nach-
giebt; bey dem folgenden Zusammenziehen
der Kammer aber von dem eben jetzt in der
rechten Herzkammer enthaltenen Blute
schwellend so vollkommen an die benannte
Scheidewand angedrängt wird, daß es auf kei-
ne Weise wieder in das Ohr strömen kann,

[32]
fortgetrieben werden muß.
Die Natur ersetzt also auf diese Weise
bey den Vögeln durch eine stärkere muskulöse
Klappe des rechten Herzens, was sie den
Lungen selbst – weil diese überall Oefnun-
gen haben, und deshalb nicht, wie bey den
Säugethieren durch Einathmen hinlänglich
aufgeblasen werden können – versagt zu ha-
ben schien.
bey den Vögeln durch eine stärkere muskulöse
Klappe des rechten Herzens, was sie den
Lungen selbst – weil diese überall Oefnun-
gen haben, und deshalb nicht, wie bey den
Säugethieren durch Einathmen hinlänglich
aufgeblasen werden können – versagt zu ha-
ben schien.
Diese Vorsicht der Natur wird noch
sichtbarer, wenn matt diese rechte Herz-
kammer der Vögel mit der linken vergleicht,
welche blos mit dünnen, schlaffen und nur
häutigen (den mützenförmigen ähnlichen)
Klappen versehen und überhaupt wie in
dieser so auch in der übrigen Einrichtung
dem linken Herze der Säugethiere ähnlich
ist. Denn da das aus den Lungen zurück-
kehrende Blut weiter keine Schwierigkeit ei-
nes Umlaufs dieser Art zu überwinden hat,
so bedurfte die Natur auch keiner andern Vor-
kehrung, als deren sie sich auch bey den
Säugethieren zur Beförderung des gro-
ßen Blutumlaufs bedient.
sichtbarer, wenn matt diese rechte Herz-
kammer der Vögel mit der linken vergleicht,
welche blos mit dünnen, schlaffen und nur
häutigen (den mützenförmigen ähnlichen)
Klappen versehen und überhaupt wie in
dieser so auch in der übrigen Einrichtung
dem linken Herze der Säugethiere ähnlich
ist. Denn da das aus den Lungen zurück-
kehrende Blut weiter keine Schwierigkeit ei-
nes Umlaufs dieser Art zu überwinden hat,
so bedurfte die Natur auch keiner andern Vor-
kehrung, als deren sie sich auch bey den
Säugethieren zur Beförderung des gro-
ßen Blutumlaufs bedient.

[33]
In eben dieser vielfachen Adhäsion der
Lungen bey den Vögeln, und dem geringen
Volumen, welches sie durch das Athemho-
len erhalten, liegt meines Bedünkens auch
die Ursache, warum ihr Gehirn bey dem be-
rühmten Schlichtingischen Versuche
sich nicht so nach dem Rhythmus des Athem-
holens senkt und wieder hebt, wie ich bey
der Vivisektion der mehresten Säugethiere,
und einmal auch bey einem gewissen Men-
schen, der durch einen Zufall den obern
Theil der Hirnschaale verloren hatte, selbst
gesehen habe.
Lungen bey den Vögeln, und dem geringen
Volumen, welches sie durch das Athemho-
len erhalten, liegt meines Bedünkens auch
die Ursache, warum ihr Gehirn bey dem be-
rühmten Schlichtingischen Versuche
sich nicht so nach dem Rhythmus des Athem-
holens senkt und wieder hebt, wie ich bey
der Vivisektion der mehresten Säugethiere,
und einmal auch bey einem gewissen Men-
schen, der durch einen Zufall den obern
Theil der Hirnschaale verloren hatte, selbst
gesehen habe.
Was aber die Luftbhälter der Vö-
gel selbst anbelangt, wegen welcher die Na-
tur den besondern eben angeführten Bau
des Herzens angeordnet hat, und wovon
sich bey den Säugethieren durchaus nichts
Aehnliches findet, so will ich dem, was
andere berühmte Männer hierüber schon
geschrieben haben, nur einige Bemerkungen
beyfügen.
gel selbst anbelangt, wegen welcher die Na-
tur den besondern eben angeführten Bau
des Herzens angeordnet hat, und wovon
sich bey den Säugethieren durchaus nichts
Aehnliches findet, so will ich dem, was
andere berühmte Männer hierüber schon
geschrieben haben, nur einige Bemerkungen
beyfügen.
Unter allen Behältern dieser Art schei-
nen die häutigen Zellen im Unterleibe den
ersten Rang zu behaupten, weil sie außer dem
nen die häutigen Zellen im Unterleibe den
ersten Rang zu behaupten, weil sie außer dem

[34]
vornehmlich auch den Mangel einer Unter-
leibspresse bey den Vögeln zu ersetzen, und
ihnen zu den Anstrengungen bey der
Aussonderung des Darmkoths, und
den Weibchen zu dem Drucke beym Eier-
legen ertheilt zu sein scheinen. Oefters
hab' ich auch bey Vögeln, vorzüglich Sang-
vögeln (ex passerum ordine) bemerkt, daß
ihr Unterleib, wenn sie den Unrath aus-
werfen, nicht einwärts getrieben wird, son-
dern vielmehr aufschwillt, zum Beweise daß
ihre häutigen Zellen im Unterleibe dann von
eingesogener Luft aufgeblasen, die benach-
barten Gedärme, die nicht ausweichen kön-
nen dadurch gedrückt werden, und der Mast-
darm gleichsam ausgemelkt wird, eine Beob-
achtung, die ich nachher durch einen Versuch
bestätigt fand, den an ich dem Kadaver eines
Papageyen (psittacus amazonicus) anstellte,
welchen ich eine Zeit lang lebendig ernährt
hatte. So wie ich Luft in seine Luströhre
geblasen hatte, sah ich deutlich, wie die
durch die Luft anschwellenden häutigen Zel-

[35]
Gedärme empor heben, und besonders den
Mastdarm offenbar vorwärts stoßen.
Was ich ehedem von dem Schafte der
Schwung- und Flaumfedern erinnerte ,
daß sie nämlich ebenfalls zu den Luftbehäl-
tern gehören, das schien vor andern die
Beobachtung eines Gimpels (loxia pyrr-
hula) zu lehren, den ich mit struppigen em-
porstrebenden Federn sahe, so oft er auf-
geblasen wurde, und dessen Federn sich je-
derzeit wieder legten sobald die Luft heraus
gelassen wurde.
Schwung- und Flaumfedern erinnerte
Handbuch der Naturgeschichte, Er-
ste Ausgabe von 1779. S. 151. Fünfte Aufl.
von 1797. S. 133. fg §. 60. 61.
ste Ausgabe von 1779. S. 151. Fünfte Aufl.
von 1797. S. 133. fg §. 60. 61.
„Selbst
die Federspulen siehen mit dem lockern
Zellgewebe des Vogels in Verbindung, und
können gleichfalls mit Luft gefüllet oder aus-
geleeret werden. Diese Luftbehälter sind
vorzüglich zum Fluge von äußerster Wich-
tigkeit.“
daß sie nämlich ebenfalls zu den Luftbehäl-
tern gehören, das schien vor andern die
Beobachtung eines Gimpels (loxia pyrr-
hula) zu lehren, den ich mit struppigen em-
porstrebenden Federn sahe, so oft er auf-
geblasen wurde, und dessen Federn sich je-
derzeit wieder legten sobald die Luft heraus
gelassen wurde.
Von den Kinnladen der Vögel mit leich-

[36]
Eine eigne Ordnung der Vögel, wozu der
Bf. die Vögel des heißesten Erdstriches rech-
net, mit kurzen Füßen, und meist sehr gro-
ßen, dicken, aber mehrentheils holen und
daher sehr leichten Schnäbeln, z.B. Papa-
geyen Pfeffervögel u.s.w.
Bf. die Vögel des heißesten Erdstriches rech-
net, mit kurzen Füßen, und meist sehr gro-
ßen, dicken, aber mehrentheils holen und
daher sehr leichten Schnäbeln, z.B. Papa-
geyen Pfeffervögel u.s.w.
A. d.h.
falls zu diesem Behältern gerechnet habe,
werde ich weiter unten einiges zu erinnern
eine schickliche Gelegenheit haben.
Wie in den Werkzeugen des Athmens,
von denen wir bisher gesprochen haben, so
unterscheiden sich die Eyerlegenden und le-
bendig gebärenden Thiere mit warmem Blu-
te auch in den Stimmwerkzeugen gar sehr von
einander.
von denen wir bisher gesprochen haben, so
unterscheiden sich die Eyerlegenden und le-
bendig gebärenden Thiere mit warmem Blu-
te auch in den Stimmwerkzeugen gar sehr von
einander.
Denn bey allen Vögeln sind meines Wis-
sens die Theile des Kehlkopfs (larynx)
nicht wie bey den Säugethieren verbunden,
sondern in der Maaße gesondert, daß die
Kehle (glottis) (des Kehldeckels, epiglottis,
sens die Theile des Kehlkopfs (larynx)
nicht wie bey den Säugethieren verbunden,
sondern in der Maaße gesondert, daß die
Kehle (glottis) (des Kehldeckels, epiglottis,

[37]
oder der Zungenwurzel, das Uebrige des
Kehlkopfes aber und vorzüglich seiner Höle
(ventriculus), und die Membranen, welche
statt der wirklichen Stimmenbänder (liga-
menta vocalia) vorhanden sind, den untersten
Theil einnehmen, wo die Luftröhrenäste be-
findlich sind (pars bronchialis).
Außer dem ist aber auch dieses noch sehr
merkwürdig, daß bey vielen Männchen un-
ter den Vögeln die Stimmwerkzeuge von
denen der Weibchen derselben Gattung so
äußerst verschieden sind. Denn ob man
gleich bei den Säugethieren auch einen sol-
chen Sexualunterschied bemerkt, wie z.B.
selbst bei dem Menschengeschlechte der Kehl-
kopf des Mannes gesamt dem Zungenbeine
(os hyoideum) weiter ist als der des Wei-
bes, so beschränkt sich doch, so viel mir
bekannt ist, der ganze Unterschied von die-
ser Art bei ihnen ganz auf die Propor-
tion der Theile, da bei den Vögeln herge-
gen bisweilen eine ganz verschiedene Einrich-
tung vorkommt. So kommt z.B. jene be-
merkwürdig, daß bey vielen Männchen un-
ter den Vögeln die Stimmwerkzeuge von
denen der Weibchen derselben Gattung so
äußerst verschieden sind. Denn ob man
gleich bei den Säugethieren auch einen sol-
chen Sexualunterschied bemerkt, wie z.B.
selbst bei dem Menschengeschlechte der Kehl-
kopf des Mannes gesamt dem Zungenbeine
(os hyoideum) weiter ist als der des Wei-
bes, so beschränkt sich doch, so viel mir
bekannt ist, der ganze Unterschied von die-
ser Art bei ihnen ganz auf die Propor-
tion der Theile, da bei den Vögeln herge-
gen bisweilen eine ganz verschiedene Einrich-
tung vorkommt. So kommt z.B. jene be-

[38]
cher bekanntlich die Luftröhre der mehresten
Vögel aus der Ordnung der Wasservögel
(anseres) in ihrem äußersten Luftröhrenaste
aufgeblasen ist, wie sich aus des berühm-
ten Bloch’s genauerer Untersuchung er-
giebt
S. Schriften der Berliner Gesell-
schaft Naturforschender Freunde,
Th. 3.
schaft Naturforschender Freunde,
Th. 3.
Hildan’s Meinung ungemein bestätigt
wird, der vor fast zweihundert Jahren
schon schrieb, daß diese Kapsel nicht, wie
einige glaubten, zu einem längeren Unter-
tauchen, sondern zu einer stärkeren Stimme
diene
In dem vortreflichen, aber äußerst seltnen
Werke: von der Fürtrefflichkeit,
nutz, und Nothwendigkeit der Ana-
tomy. Bern 1624. 8. S. 223. Vergl. das
Kupfer.
Werke: von der Fürtrefflichkeit,
nutz, und Nothwendigkeit der Ana-
tomy. Bern 1624. 8. S. 223. Vergl. das
Kupfer.
Aber die Luftröhre scheint auch bei eini-
gen Männchen unter den Vögeln anders
gen Männchen unter den Vögeln anders
Digitalisat/184