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Handbuch
der
vergleichenden Anatomie
.
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Handbuch
der
vergleichenden Anatomie

von
J. F. Blumenbach.

Spartam quam nactus es, orna.
Erasmiadag.
[Abbildung: ]

Mit Kupfern.

Göttingen, 1805.
Bey Heinrich Dieterich
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[[V]]

Vorrede.

Seit ich aus Neigung und Beruf
den grössten Theil meiner reifern Stu-
dien und meiner bessten Zeit der Grund-
feste der Arzneywissenschaft, wie Zim-
mermann
die Physiologie nennt, und
der prima materia philosophiae, wie die
Naturgeschichte bey Bacon von Ve-
rulam
heisst, gewidmet habe, bin
ich sehr bald und täglich mehr über-
zeugt geworden wie wahr es ist wenn
Haller sagt: die Physiologie habe von
der vergleichenden Anatomie mehr
Licht erhalten als selbst von der Zer-
gliederung menschlicher Leichen; und
wenn J. J. Rousseau eben jene ana-
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[VI]
tome comparata
für die lebendige Seele
der ganzen Naturgeschichte der Thiere
erklärt. Und wenn ich glauben darf in
jenen beyden Feldern nicht ohne Nut-
zen gearbeitet zu haben, so verdanke
ich das grösstentheils der Beyhülfe die
mir die vergleichende Anatomie dazu
gewährt hat; so wie ich es mir ander-
seits wohl zu einigen Verdienst anrech-
nen darf, dass ich, meines Wissens,
wenigstens in Deutschland zu erst,
schon seit langer Zeit alljährig
Seit 1777, über einzelne Fächer und Ge-
genstände derselben, z.B. über Osteo-
logia comparata,
Zootomie der hielän-
dischen Hausthiere u.s.w., dann aber
seit 1785. immer den vollständigen Cur-
sus über die ganze Disciplin.
ei-
gene Vorlesungen über dieselbe gehal-
ten und selbst dadurch das meinige
beygetragen habe Sinn und Eifer
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[VII]
für dieses fruchtbare Studium zu er-
wecken und immer mehr zu verbrei-
ten; und so hoffe ich nun auch durch
die Ausgabe dieses Handbuchs, als des
ersten das je über die ganze anatome
comparata
erschienen ist, dieses Stu-
dium noch mehr zu erleichtern, und
selbst dadurch gemeinnütziger zu ma-
chen. Es ist dieses Buch in derselben
Manier abgefasst, die bey denen so ich
über die andern beyden gedachten Wis-
senschaften über die Physiologie und
Naturgeschichte herausgegeben. Bey-
fall gefunden; auf den ich auch wohl
bey dieser neuen Arbeit um so eher
rechnen darf, da sie, wie gesagt die
erste in ihrer Art ist, die nämlich mit
ihrem scientifischen Gehalt und zweck-
mässigen Plan, besonders auch die zu
einer brauchbaren Grundlage für Vor-
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[VIII]
lesungen erforderliche Form ver-
bindet.
Zu dem für ein solches Handbuch
zweckmässigen Plan, gehört aber vor
allem eine recht überdachte Auswahl,
aus der unermesslichen Fülle von Ma-
terialien die sich bis jetzt schon bey
der Bearbeitung dieses Studiums ange-
häuft haben; wobey ich denn die be-
ständige Anwendung auf Physiologie
und Thiergeschichte vor Augen gehabt,
auch eben desshalb hin und wieder
kleine Bemerkungen aus jenen Wis-
senschaften eingestreut habe. Und so
begreift sich von selbst, warum hinge-
gen ausführliche Myologie, Angiologie,
Nevrologie u.s.w. ganz ausser den
Grenzen eines solchen Handbuchs lie-
gen. Anders verhält es sich hingegen
mit der vergleichenden Osteologie, da
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[IX]
der Knochenbau der rothblütigen Thiere
nicht nur im genauesten Bezug mit
der übrigen Anatomie, sondern auch
mit der Totalform jener Geschöpfe,
mithin auch grossentheils mit ihrer
ganzen Oeconomie und Lebensweise
steht.
Auf unsere jagdbaren und Haus-
thiere habe ich aus einem doppelten
Grunde vorzügliche Rücksicht genom-
men. Theils weil sie zur Zergliede-
rung überall am leichtesten zu schaf-
fen sind; theils wegen des grossen In-
teresse was die richtige Kenntniss ih-
res Baues für Landwirthschaft und
Vieharzneykunst haben muss. Von
ausländischen hingegen habe ich immer
ausgehoben was sich durch die bedeu-
tendsten Eigenheiten auszeichnet.
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[X]
Bey dem was ich nicht selbst in
der Natur zu untersuchen oder zu se-
hen Gelegenheit gehabt, sind immer
meine Gewährsleute angegeben, aber
auch ausserdem theils die besten mir
bekannten Abbildungen, theils beson-
ders die vorzüglichsten kleinen Schrif-
ten und die in periodischen Sammlun-
gen zerstreueten Abhandlungen zur
anatome comparata citirt, so dass ich
nicht leicht eine von Wichtigkeit über-
gangen, sondern beyläufig in den An-
merkungen ein ziemlich vollständiges
Verzeichniss zur Litteratur dieses Stu-
diums gegeben zu haben glaube.
Solche Hauptquellen hingegen wie die
beyden bis jetzt erschienenen er-
sten Bände von des um die verglei-
chende Anatomie so unendlich verdien-
ten Herrn Professor Cuvier’s classi-
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[XI]
schen Werke, oder solche reiche Re-
pertorien, wie die Hallersche grosse
Physiologie, sind meist nur Ein für
Allemahl, und auch das zu allem Ue-
berfluss, genannt.
Die Eintheilung der Abschnitte nach
den vorlängst angenommenen vier Clas-
sen von Functionen, bedarf hoffentlich
keiner langen Entschuldigung. Ich
sehe sehr gut ein wie wenig derglei-
chen Eintheilungen in der Natur ge-
gründet sind, und dass die Stimme
z.B. keine functio vitalis ist u. dergl.
Auch habe ich den Beweis dieser mei-
ner Einsicht schon dadurch gegeben,
dass ich manche Functionen in diesem
Handbuch unter andere Classen als in
dem physiologischen gebracht habe;
z.B. die Absorbtion hier zu den vitalen,
und dort hingegen zu den sogenannten
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[XII]
natürlichen. So vielseitig ist nämlich
die Ansicht aus der sich so viele dieser
Verrichtungen ordnen lassen. Aber
die Classification selbst ist übrigens all-
gemein bekannt und im Ganzen ver-
ständlich, und daher an sich eben so
wenig zu verwerfen, als die eben so
bekannte und verständliche, ob gleich
eben so wenig in der Natur fest be-
gründete Classification der vier Tem-
peramente und andere dergl. mehr.
Noch weniger bedarf es wohl einer
Apologie, dass ich viele lateinische
oder griechische allgemein bekannte
und allgemein verständliche Kunstwör-
ter nicht erst verdeutscht habe, als wo-
durch sie sicherlich für viele Leser
gerade minder verständlich worden
wären, so wie es sich auch widerlich
ausgenommen haben würde, wenn ich
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[XIII]
immer und immer bey jedem Satze
wo von etwas die Rede ist was irgend
einer ganzen Classe oder Ordnung von
Thieren gemein ist, den ewigen Re-
frain von so viel bis jetzt bekannt
oder meines Wissens u.s.w. hätte
ausdrücklich wiederhohlen wollen, da
es sich von selbst versteht, dass jede
solche allgemeine Behauptung nichts
anders sagen will und kann, als dass
der welcher sie äussert bis jetzt noch
von keiner Ausnahme weiss.
Ueber die bestimmte Bedeutung
der sonst in der Zootomie relativen
Ausdrücke von oben, unten, vorn
u.s.w., habe ich mich im Buche
selbst (S. 68, 230.) erklärt.
Aber das muss ich noch erinnern
dass ein guter Theil desselben schon
vor mehreren Jahren abgedruckt ge-
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[XIV]
wesen, 'ehe ich in der siebenten Aus-
gabe des Handbuches der Naturge-
schichte mein System der Säugethiere
verbessert hatte, daher in jenen er-
steren Bogen noch die Benennungen
von einigen Ordnungen vorkommen,
die nun ausgefallen sind, da die Bra-
dypoda
unter die Digitata, die Gli-
res
und Ferae aber theils unter diese,
theils unter die Palmuta vertheilt,
und die Pecora nun Bisulca, die Bel-
luae
aber Multungula genennt worden.
Göttingen,
den 1. Jul. 1804.

J. F. Blumenbach.
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[[XV]]

Uebersicht der Abschnitte.

  • I. Vom Knochenbau der Thiere überhaupt. 3
  • II. Vom Gerippe der Säugethiere. 10
  • III. Vom Gerippe der Vögel. 80
  • IV. Vom Gerippe der Amphibien. 94
  • V. Vom Gerippe der Fische. 107
  • VI. Vom Schlunde und Magen. 119
  • VII. Vom Darmcanal. 163
  • VIII. Von der Leber, Milz und dem Netze. 178
  • IX. Von den Harnwegen. 187
  • X. Von den äusseren Bedeckungen. 192
  • XI. Von mancherley besonderen Secretio-
    nen. 205
  • XII. Vom Herzen und den Blutgefässen. 221
  • XIII. Von den absorbirenden Gefässen. 239
  • XIV. Von den Respirationswerkzeugen. 246
  • XV. Von den Stimmwerkzeugen. 274
  • XVI. Vom Gehirne und dem Nervensy-
    steme überhaupt. 291
  • XVII. Von den Sinnwerkzeugen überhaupt
    und den Organen des Tastens insbe-
    sondere. 319
  • XVIII. Von der Zunge. 329
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[[XVI]]
XX. Von den Gehörwerkzeugen. 360XXI. Von den Augen. 381XXII. Von den Muskeln. 414XXIII. Von den männlichen Genitalien. 429XXIV. Von den weiblichen Genitalien. 453XXV. Von der Leibesfrucht der Säugethiere
und den Organen, mit welchen sie
verbunden ist. 485
XXVI. Von den Brüsten und Zitzen der
Säugethiere. 504
XXVII. Von dem bebrüteten Küchelchen,
und den zu seiner Oeconomie gehö-
rigen Organen des Eyes. 509
Erklärung der Kupfer. 525Zusätze. 537
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[[1]]

OSTEOLOGIA
COMPARATA
.

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[[2]]
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[3]

Erster Abschnitt.
Vom
Knochenbau der Thiere
überhaupt
.

§. 1.

Nur die rothblütigen
Nur bey wenigen Insecten und Gewür-
men finden sich wirklich knochenartige
Theile: wie z.B. die überaus saubern
kleinen Schilde, Bögen und Gräten am
Magen des Hummers und einiger andern
Krebse. – Das knöcherne Gestelle oder
die sogenannte Laterne des Aristoteles
in den See-Igeln u.a.m.
Wenigstens ähneln diese Theile weit
mehr wahren Knochen als etwa das so-
genannte os sepiae.
Thiere sind
mit einem wahren Gerippe versehen, zu
welchem ihre Knochen, und zwar bey
den mehrsten nur bis auf wenige Aus-
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[4]
nahmen
Von der Art ist das Zungenbein; der
Knochen in der männlichen Ruthe vieler
Säugethiere; die ossicula clauicularia
bey manchen derselben; der knöcherne
gleichsam gefächerte Ring in der harten
Haut der Vogelaugen, u.a.m.
, untereinander verbunden
sind, und wovon im Ganzen die Total-
form
s. Galen’s Anwendung davon auf die
Menschenähnlichkeit der Affen im Iten B.
seines Meisterwerks de anatomicis admi-
nistrat.
T. IV. pag. 26. der Chartier. Ausg.
und die mehrere oder mindere
Gelenkigkeit ihres Körpers abhängt.

§. 2.

Die gewöhnlich
Dass die Knochen mancher Thiere nach
dem Genuss der Färberröthe roth wer-
den, hat schon Ant. Misaud in der
Mitte des XVI. Jahrh. angemerkt. s. dess.
centurias memorabilium s. arcanor. omnis
generis
pag. 161. der Cölner Ausg. von
1572. 12.
Merkwürdig bleibt doch, dass dieser
bekannte Versuch bey den kaltblütigen
Thieren höchstens nur sehr unvollkom-
men gelingt.
weisse Farbe der
Knochen hat doch mancherley Abstufun-
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[5]
gen, selbst zuweilen am gleichen Stück
(wie z.B. in den Bachenzähnen der Ele-
phanten) und bey einigen wenigen Gat-
tungen oder Rassen von Thieren sind sie
überhaupt von andrer Farbe
Doch ist dergleichen auch von einigen
Thieren ohne Grund behauptet worden.
Denn was z. B. F. Nicholls im com-
pendium anatomic.
pag. 7. von den Ben-
galis
(Fringilla amandaua) u.a. vom
Goldfasan gesagt. dass sie gelbe Kno-
chen hätten, habe ich da ich beide
Thiere frisch untersucht, nicht andem
gefunden.
. So
z.B. die Gräten des Hornfisches (Esox
belone)
grün, die Knochen mancher Abar-
tungen von Hünern schwärzlich u.s.w.
Namentlich von den Hünern zu Indore
und Neermul in Berar sagte diess Akber’s
des grossen Vizier Abulfazel in s. clas-
sischen Ayeen Akbery vol. II. Calcutta
1784. 4. pag. 72. und von denen um
Persepolis, H. Cptn Niebuhr in s. Rei-
sebeschr.
II. B. S. 12.
.
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[6]

§. 3.

Weit mannichfaltiger aber ist ihre
Textur und Korn, und zwar sowohl
überhaupt an den verschiednen Knochen
des nähmlichen Scelets, als auch insbe-
sondre in einzelnen Classen und Ord-
nungen von Thieren, da sich z.B. das
spröde Gefüge der Luftknochen der Vö-
gel, das gleichsam langsplittrige bey vie-
len grössern Amphibien und Fischen,
das sonderbar Zähe und Dichte an einzel-
nen Theilen mancher sogenannten Knor-
pelfische u.s.w. gar auffallend von an-
drer Knochen ihrem auszeichnet.

§. 4.

Die Kronen oder den freystehenden
Theil der Zähne ausgenommen, sind die
Knochen überhaupt von aussen mit Bein-
haut
bekleidet, und die mehrsten auch
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[7]
inwendig mit Mark
Die von Aristoteles irrig behauptete
Marklosigkeit der Löwenknochen bedarf
jetzt keiner weitern Widerlegung. s. da-
von so wie von einigen ähnlichen Sagen
Ren. Henerapolog. proVesalioad-
vers.
Sylvium. Ven. 1555. 8. pag. 27.
versehen, das
von verschiedner Consistenz, z.B. bey
den Cetaceen ein flüssiger Thran ist.

§. 5.

Wiederum den grössten Theil der
Zähne ausgenommen, werden die übri-
gen Knochen durch Verknöcherung an-
fänglicher Knorpel gebildet, welches Os-
sificationsgeschäffte ceteris paribus bey
den lebendig gebährenden Thieren sei-
nen Anfang und Fortgang in frühern
Terminen zu haben scheint, als bey den
Eyerlegenden. Wenigstens verhält sich
diess so beym bebrüteten Hühnchen in
Vergleich zu ungebohrnen Säugethie-
ren
Beym Hühnchen im Ey, das bekannt-
lich 11 Tage bebrütet wird, zeigt sich
die erste Spur eines Knochenkerns nicht
früher als zu Anfang des neunten Tages,
der mit der 17ten Woche der mensch-
lichen Schwangerschaft zu vergleichen
ist; da hingegen die ersten puncta os-
sificationis
im menschlichen Embryo
schon in der 7ten oder 8ten Woche
nach der Empfängniss (– aber gewiss
nicht, wie neuerlich grosse Zergliederer
gemeynt haben, gar schon in der 3ten
bis 4ten Woche –) abgesetzt werden.
Folglich begreift sich leicht, wie
grosse Einschränkung es leiden muss was
Hr. von Haller am Schluss seiner übri-
gens so musterhaften Beobachtungen
über die Bildung der Knochen im bebrü-
teten Küchelchen sagt: quae de pullo-
rum ossibus demonstrauimus, ea etiam
de aliis animantium classibus vera erunt,
et de ipso demum homine.
. So wie hinwiederum unter
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[8]
diesen letztern manche. Termine der Os-
sification früher bey den Quadrupe-
den als beym Menschen einzutreten
scheinen
So z.B. die Schliessung der Fontanellen,
als welche ich bey unreifen Leibesfrüch-
ten von feris und von pecoribus sehr
gross, hingegen bey den reifen kaum
noch eine Spur davon gefunden, die
sich wenigstens mit der gewöhnlichen
Grösse derselben beym neugebohrnen
Kinde gar nicht vergleichen lässt. –
Auch begreift sich leicht aus der Ver-
gleichung des Beckens und der ganzen
Mechanik des Geburtsgeschäftes des Wei-
bes
mit dem Becken und dem Jungewer-
fen der weiblichen Quadrupeden, war-
um nur beym Kinde jene – vorzüglich
durch die Fontanellen bewirkte – nach-
giebige Schiebbarkeit der grossen Sche-
delknochen, zur Erleichtung der Geburt
erforderlich war.
.
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[9]
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[10]

Zweyter Abschnitt.
Vom
Gerippe der Säugethiere
.

§. 6.

So vielartig auch die Formen der Säu-
gethiere, zumal der vierfüssigen, und
folglich auch die Gerippe derselben sind,
so kommen dennoch diese entweder
sämtlich, oder doch die mehresten der-
selben in folgenden Eigenheiten mitein-
ander überein, und unterscheiden sich
zugleich durch dieselben vom Gerippe
der andern Classe warmblütiger Thiere,
der Vögel.
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[11]
A) SÄUGETHIERE.B) VÖGEL.
1) Schedel mit äch-
  ten Nähten.
    (Bis auf wenige Aus-
      nahmen:
etwa der Ele-
      phant, und das Schna-
      belthier
So ist es wenigstens bey meinem Exem-
plar, dessen nahtloser Schedel auch von
dieser Seite einem sceletirten Vogelkopfe
auffallend ähnelt.
.
Schedel ohne ächte
  Nähte
Versteht sich bey erwachsenen Vögeln;
denn ganz junge haben wenigstens ab-
gesonderte Schedelknochen, wenn gleich
ohne wirklich gezähelte ächte Nähte.
.
2) Gebiss.
  Ausnahmen: die A-
      meisenbären. Manis.
      Schnabelthier. Ba-
      laena.
Schnabel ohne
  Zähne.
3) Unbewegliche
  Oberkiefer.
Bewegliche Ober-
  kiefer.
    Ausnahmen: z. B. der
      Nashornvogel.
4) Os intermaxillare.
  (Von den etwanigen
    Ausnahmen s. S. 25.)
Kein solches os in-
  termaxillare.
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[12]
5) Zwey condyli oc-
  cipitales.
Nur Ein condylus
  occipitalis.
6) 7 Halswirbel.
  (Ausnahmen: Das drey-
    zehige Faulthier und
    einige Cetaceen.)
Mehr als 7 Hals-
  wirbel.
7) Bewegliche Rü-
  ckenwirbel.
Unbewegliche Rü-
  ckenwirbel.
8) Geschlossnes
  Becken.
  (Ausnahmen: Die Amei-
    senbären mit vorn
    offnem Becken: und
    die Cetaceen ohne alle
    Hüfftknochen.
Vorn offnes Becken.
  (Ausnahme: Der Straus.)
9) Nur bey weni-
  gen Geschlechtern
  wahre Schlüssel-
  beine.
Durchgehends
  Schlüsselbeine;
  und fast eben
  so allgemein die
  Furcula.
(Denn selbst beym
  Straus und Casuar zei-
  gen sich doch Rudi-
  mente dazu.)

§. 7.

Zuförderst nun vom Schedel der Säu-
gethiere, als dessen Bildung überhaupt
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[13]
den bedeutendsten grössten Bezug auf
die ganze thierische Oeconomie hat; na-
mentlich als Behälter des Gehirns, der
mehrsten Sinnorgane, und der Fress-
werkzeuge.

§. 8.

Bey der bekannten Eintheilung der
Schedelknochen in die eigentliche Hirn-
schale (ossa caluariae) und in die Ge-
sichtsknochen (ossa faciei mit Einschluss
des Unterkiefers) ist das theils auffallende
Verhältnis der respectiven Grösse dieser
beiden Haupttheile merkwürdig
Dazu dient sowohl die Ansicht im Pro-
fil als von oben her. Vom Nutzen der
letztern (der norma verticalis) nament-
lich zu Vergleichung der Nationalformen
der Menschenschedel, habe ich in der
dritten Ausg. der Schrift do generis hum.
varietate natiua
pag. 203. und in der
IVten Decas cranior. diuersar. gentium
pag. 12. not. q) gehandelt.
. Man
vergleiche z.B. um nur einige Paar Gattun-
gen aus gleichen Ordnungen zu nennen,
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[14]
den Schedel des eigentlichen Orangutang
(Simia satyrus) mit dem vom Mandril
(Papio maimon); oder den vom Tümm-
ler (Delphinus delphis) mit des Caschelot
(Physeter macrocephalus) seinem.

§. 9.

Die Anzahl der eigentlichen Hirn-
schalenknochen ist im Ganzen wie beym
Menschen. Doch das Stirnbein bey den
mehrsten gehörnten Thieren aus zwey
Hälften zusammen gesetzt; hingegen die
Scheidelbeine bey manchen derselben zu
einem zusammenhängenden Stück und
bey andern mit dem Hinterhauptsbeine
verwachsen. Und einige aus der Ord-
nung der glirium haben noch einen eig-
nen in die Breite laufenden flachen Kno-
chen zwischen den Scheitelbeinen und
dem Hinterhauptsbein
s. Hrn. Prof. Merrem’s Zergliederung
der Haus-Maus in seinen vermischten
Abhandlungen aus der Thiergeschichte.

S. 59. tab. 2. fig. 11. a., und Hrn. D. Nic.
Meyer
prodromus anatom. murium Jen.
1800. pag. 15. fig. 6. 8. Letzter nennt
es os transuersum.
.
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[15]

§. 10.

Eine Hauptverschiedenheit der Schei-
telform hängt vom Mangel oder aber
vom Daseyn und dann wiederum von
der Grösse und Richtung der crista occi-
pitalis
ab, die meist in bestimmten Be-
zug zur mehrern oder mindern Stärke
des Gebisses steht. Sie mangelt z.B.
dem eigentlichen Orangutang, und ist
hingegen bey dem furchtbaren unge-
schwänzten Pavian von Borneo
Der vom Hrn. von Wurme im IIten B.
der Verhandelingen van het Bataviaasch
Genootschap
p. 245 zuerst beschriebne
(nur sehr irrig mit dem Namen des
grossen Orangutang oder Pongo belegte)
gänzlich ungeschwänzte Pavian, dessen
4 F. 2. Z. hohes ungeheuer starkes Ge-
rippe ich im Dec. 1791 im Erbstatthal-
terschen Cabinet im Haag abgezeich-
net habe.
von
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[16]
mächtiger Grösse. – Die longitudinale
crista ist zumahl beym Dachs auffallend
stark ausgewirkt: so wie die transver-
sale z.B. am Biber. – Bey den Elephan-
ten liegt zwischen den hochgewölbten
Seitentheilen des Oberschedels eine tiefe
weite Grube, auf deren Boden eine
kleine longitudinale crista sitzt. – Unter
den Hunderassen findet sich hierin viele
Verschiedenheit; wenn man z.B. den
Mops mit dem Neufundländer vergleicht.

§. 11.

Auch die Lage und Richtung des
grossen foramen occipitale zeigt bey man-
chen Gattungen merkwürdige Verschie-
denheit. Statt dass es nemlich beym
Menschen am weitsten nach vorn und
meist horizontal liegt (zuweilen gar mit
dem vordern Rande höher als mit dem
hintern); so liegt es hingegen bey den
mehrsten Quadrupeden am Ende der
Grundfläche des Schedels, und zwar
schräg, mit dem hintern Rande mehr
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[17]
oder weniger aufwärts gekehrt: bey ei–
nigen gar am Hinterkopfe geradeaus in
verticaler Richtung; und zuweilen, wie
z. E. beym Murmelthier (Marmota al-
pina),
sogar mit dem obern Rande mehr
vorwärts gerichtet, als mit dem untern
s. Daubentonsur les différences de la
situation du grand trou occipital dans
l’homme et dans les animaux
in den
Mém. de l’Acad. des sc. de Paris 1764.
pag. 568. Dieser treffliche Zootome grün-
dete auch auf diese Verschiedenheit seine
sogenannte Occipital-Linie, eine der
Normalregeln die man zur Vergleichung
der Schedelformen untereinander, an-
gegeben hat. – Er zieht nemlich zwey
gerade einander durchschneidende Li-
nien im Profil der Schedel: die eine
vom hintern Rande des foramen magnum
(der auch zugleich bey den allermehr-
sten Säugethieren der ohre ist) durch
den untern Rand der Augenhöle; die
andre aber durchs planum horizontale
jener grossen Hinterhaupts – Oeffnung,
mitten zwischen beiden condylis; und
bestimmt dann nach dem Winkel, worin
diese beiden Linien zusammenstossen,
die Aenlichkeit oder Verschiedenheit der
Schedelformen.
Gar viel scheint übrigens durch diese
Regel nicht gewonnen, da einmal bey
den bey weitem allermehrsten, übrigens
noch so sehr von einander verschiede-
nen Quadrupeden, dieser Winkel immer
zwischen 80 und 90° fallt, und andrer-
seits die kleinern Abweichungen selbst
individuell in einer und eben derselben
Gattung variiren.
.
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[18]

§. 12.

Die wahren Nähte, wodurch die Hirn-
schalenknochen unter einander verbun-
den werden, sind bey den mehrsten Qua-
drupeden, wenigstens von aussen, min-
der geschlängelt als beym Menschen.
Doch sind sie bey den gehörnten peco-
ribus
zu leicht einzusehendem Zweck sehr
stark und scharf gezähnelt; auch die Stirn-
knochen dabey überaus dick
Hingegen habe ich die Hirnschalenkno-
chen bey den mit der Drehkrankheit be-
hafteten Schafen (den sogenannten Seeg-
lern
oder Quesenköpfen), wenn die
Wurmblase (Hydatis cerebralis) nahe
unter der Hirnschale lag und gross war,
an dieser Stelle grösstentheils absorbirt
und zuweilen bloss wie eine dünne, dem
Druck sehr nachgebende knorpelartige
Haut gefunden.
.
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[19]
Sogenannte Zwickelbeinchen (ossicula
Wormiana)
finden sich selten an Thier-
schedeln. Doch habe ich welche an Ha-
sen, und am Schedel des eigentlichen
Orangutang vor mir; welcher letztere
auch durchgehends ausnehmend elegante
Suturen hat
Es ist daher mit Einschränkung zu ver-
stehen, wenn Eustach von den Nähten
an den Affenschedeln sagt: „vbique ad-
eo obscurae sunt, vt magna ex parte
suturae nomen, aut nullo modo, aut
vix mereantur.“
Ossium exam,
pag. 173.
.

§. 13.

Die Facialknochen des Schedels tra-
gen überhaupt durch ihre Richtung und
Stärkere oder mindere Prominenz auf-
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[20]
fallend viel zur Totalform des ganzen
Kopfs bey
Zur festern Bestimmung derselben hat
Camper seine Facial-Linie angenom-
men, deren Anwendung am ausführlich-
sten in seinem posthumen Werke über
den natürlichen Unterschied der Ge-
sichtszüge
u.s.w. (übers. von Hrn. Hofr.
Soemmerring, Berl. 1792. 4) aus einan-
der gesetzt ist. – Er zieht auch wie
Daubenton im Profil eines jeden Sche-
dels zwey gerade einander durchschnei-
dende Linien, aber in andern Richtun-
gen als jener. Eine horizontale nem-
lich, die durch den äussern Gehörgang
und den Boden der Nasenhöle läuft;
und dann eine andre von der Wölbung
der Stirne mitten über der Nase nach
dem äussersten prominirenden Rande der
Oberkiefer oder des Intermaxillar-Kno-
chen, mitten unter der Nase. Letztre
ist die eigentliche Facial-Linie, und der
Winkel, den sie mit jener horizontalen
macht, bestimmt nach ihm die Verschie-
denheiten der Thierschedel, so wie der
Nationalphysiognomieen der mancher-
ley Menschenrassen.
In Rücksicht auf diese letztre Anwen-
dung habe ich meine Erinnerungen da-
gegen schon in der dritten Ausg. der
Schrift de gener. hum. var. pag. 200 u. f.
beygebracht. Und was ihren Gebrauch
zu Unterscheidung der Thierschedel be-
trifft, so gilt mutatis mutandis auch hier,
was oben von der Daubentonischen Li-
nie gesagt worden, dass nemlich die
bey weitem allergrösste und mannich-
faltigste Menge der übrigens dem Kopfe
nach noch so verschieden gebildeten
Quadrupeden (– wenigstens drey Vier-
theile von den ohngefähr vierhundert
Gattungen derselben, die wir bis jetzt
kennen –) dennoch eine und eben
dieselbe Faciallinie haben.
; und zwar wird diese
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[21]
Prominenz grösstentheils durch die ver-
längerten Oberkiefer selbst; zum Theil
aber auch, und bey manchen hauptsäch-
lich, durch den zwischen denselben gleich-
sam eingekeilten berühmten Interma-
xillar-Knochen bewirkt.
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[22]

§. 14.

Statt dass nemlich beym Men-
schen die beiden Knochen des Oberkie-
fers vorn unter der Nase an einander
stossen und alle oberen Zähne enthalten;
so sind sie hingegen bey den übrigen
Säugethieren vorn durch diesen beson-
dern, – einfachen oder gepaarten –
Intermaxillar-Knochen
Gotth. Fischerüber die verschiedne
Form des Intermaxillarknochens in ver-
schiednen Thieren.
Leipz. 1800. 8. mit
Kupfern.
getrennt, der
gleichsam darzwischen eingekeilt ist,
und bey denjenigen, welche mit obern
Schneidezähnen versehen sind, diesel-
ben aufnimmt
Vesaliusde c. h. fabrica pag. 46. (der
besten Ausg. von 1555.) fig. 1.
. Er findet sich aber
auch bey den pecoribus, denen diese
Zähne im Oberkiefer abgehen, so wie
auch bey solchen Geschlechtern, die über-
haupt keine Vorderzähne haben, wie
das Schnabelthier (ornithorhynchus pa-
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[23]
radoxus)
und die Armadillgattungen,
ja selbst bey gänzlich zahnlosen Säuge-
thieren, wie die Ameisenbären und ei-
gentlichen Wallfische
Desshalb habe ich diesen Knochen lieber
os intermaxillare als mit Halleros in-
cisiuum
genannt. Blair in seiner treff-
lichen Osteographia elephantina nennt
ihn os palati;Vitetos maxillaire in-
férieur
.
. – Er wird
von den benachbarten Schedelknochen
durch deutliche Suturen abgesondert,
die von aussen neben der Nase und
Schnauze
Eustachiustab. anat. XLVI. fig. 2.
, am Gaumen aber neben
den vordern foraminibus palatinis
Da wo auch zuweilen an Menschensche-
deln, wenigstens von ganz jungen Kin-
dern, das foramen incisiuum auf bei-
den Seiten mit einer Ritze umzogen ist,
von welcher Fallopius schon 1561 so
richtig sagte: „reperio hanc diuisionem,
vel rimam potius esse, quam suturam,
cum os ab osse non separet, neque in
exterioribus appareat, vel cum os cum
osse non conjungat, quod suturarum
munus est.“
s.
Dess. Obseruation. ana-
tomic.
fol. 35. b. der Venetian. Orig. Ausg.
Um so unerwarteter war mirs daher,
dass Vicq-d’Azyr noch 1780 hierin eine
ihm unerwartete Aenlichkeit zwischen
dem Schedel des Menschen und mehre-
rer Quadrupeden finden konnte. s. Mé-
moires de l’ac. des sc. de Paris
v. jen.
J. pag. 489.
Unter den Anatomen des XVI. Jahr-
hunderts, die bey der bekannten Streit-
frage, ob Galens Osteologie nach Men-
schen- oder nach Affen-Gerippen abge-
fasst sey, das letztre unter andern aus
dem von ihm auch dem Menschen zu-
geschriebnen Intermaxillar-Knochen er-
wiesen, verdient hier vorzüglichst In-
grassias
angeführt zu werden, weil er
in seinen classischen Commentariis in
Galenilibrum de ossibus, Panorm. 1603
fol. besonders durchgehends auf diejeni-
gen Stellen aufmerksam macht, vbi ex
simiarum dissectione deceptus
Galenus,
a vera hominis constructione ac sceleto
deniat.
s. pag. 120. 125 u. f.

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[24]
laufen. – Seine Grösse und Form ist
in manchen Ordnungen und Geschlech-
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[25]
tern von Säugethieren von auffallender
Verschiedenheit. Bey vielen feris z.B.
ist er klein; so auch beym Wallross.
Hingegen bey den gliribus theils mäch-
tig gross; so beym Biber, Murmel-
thier; auch beym Nilpferd, beym Tümm-
ler, Caschelot u.a.m. – Die selt-
samste Form haben die beiden haken-
förmig gebognen durch eine breite Syn-
chondrose von einander getrennten In-
termaxillar-Knochen des Schnabelthiers.
(s. tab. I. n. o.)
Ich darf nicht alles hier wiederholen,
was vom Intermaxillar-Knochen in der
3ten Ausg. de gener. hum. variet. pag.
34 bis 41 gesagt ist, wo ich auch einige
Affen und Meerkatzen angeführt, an
deren Schedeln, ohngeachtet sie von
jungen Subjecten waren, sich doch keine
Spur dieses Knochens erkennen liess. –
Man müsste denn annehmen, dass er bey
allen diesen Thieren schon in ihrem un-
reifen Alter ganz verwachsen wäre,
wenn gleich die übrigen Schedelknochen
noch aufs deutlichste ihre Suturen er-
halten hätten.
Auch bey verschiednen Säugethieren
aus andern Ordnungen, namentlich dem
Bradypus tridactylus und Vespertilio
ferrum equinum,
konnte Herr Bibliothe-
kar Fischer keine Spur des Intermaxil-
lar-Knochen auffinden. s. Dess. oben
angeführte meisterhafte Monographie S.
47. 89. Doch giebt er selbst die Mög-
lichkeit zu, dass wenigstens beym Faul-
thier jener Knochen lossgestossen und
verloren gegangen seyn könne.– Kurz,
alle die angeführten Ausnahmen bedürfen
erst noch weiterer genauer Untersuchung
an mehrern recht vollständigen Exem-
plaren aus verschiednen Lebensperio-
den u.s.w.
.
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[26]

§. 15.

Die eben gedachten vordern fora-
mina palatina
(oder incisiua) sind bey
den mehrsten Säugethieren, so wie beym
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[27]
Menschen, doppelt. Meines Wissens
sind sie bey den Quadrupeden weit grösser
als beym Menschen, zumal bey den pe-
coribus
von auffallender Länge und Weite.
So auch im Hasengeschlecht
Bey manchen, wie z. E. beym Löwen,
sind die Ausgänge dieser grossen Oeff-
nungen am Gaumen sogar beym lebendi-
gen
Thiere sehr sichtlich. – s. J. El.
Ridinger’s
Abbildung des zahmen Lö-
wen, der 1760. in Deutschland zu sehen
gewesen, gr. Fol.
.

§. 16.

Besonders merkwürdig sind bey den
meisten pecoribus die an der Aussenseite
der Oberkiefer neben den Nasenbeinen
befindlichen grubenförmigen Eindrücke
von den aussen daran liegenden soge-
nannten sinibus sebaceis. – Beym Ha-
sen, der auch hierin, so wie in so vie-
len andern Stücken seines Baues, eine
so auffallende Aehnlichkeit mit den
wiederkauenden Thieren jener Ordnung
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[28]
zeigt, ist diese Stelle zum Theil wie
netzförmig durchbrochen.

§. 17.

Das Zygoma zeigt vielerley und sehr
bedeutende Verschiedenheit, die zumal
mit den Beisswerkzeugen in sehr di-
rectem Bezuge steht
Pinel,Recherches sur une nouvelle me-
thode de classification des quadrupêdes

im Iten B. der Actes de la Soc. d’histoire
naturelle de Paris
pag. 50.
. Bey den meh-
resten wird es bloss durch die Verbin-
dung des Jochbeins mit dem Schlafbeine
gebildet. Bey manchen Palmatis und
Digitatis aber (z. E bey den Ottern, Bi-
ber, Opossum, Meerschweinchen u.s.w.)
ist noch ein besonderer Knochen zwi-
schen eingeschaltet.
Fast fadenförmig und meist gerade-
laufend ist das Zygoma beym Maulwurf.
Hingegen von ungeheurer Stärke und
weitem innern Raum für die mächtigen
zur Bewegung des Unterkiefers be-
stimmten Muskeln bey vielen Raubthie-
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[29]
ren, wie z.B. beym Tiger; aber auch
bey manchen gliribus, wie beym Bi-
ber. – Bey manchen unterwärts gebo-
gen, wie bey der Ratte u.a.m.; bey
andern aufwärts, z.B. bey den Wieseln.
Besonders auffallend ist ein grosser
herabsteigender Fortsatz, wodurch sich
das Jochbein der Faulthiere auszeichnet.

§. 18.

Von den Nasenknochen zeigt sich bey
dem Elephanten gleichsam nur ein Imi-
tament. Bey den mehrsten Affen, und
selbst beym Orangutang ist er einfach,
dreyeckt, und sehr klein. Bey den aller-
mehrsten eigentlichen Quadrupeden aber
ist er doppelt und theils von ausneh-
mender Grösse. So z.B. bey den peco-
ribus
und dem Hasengeschlecht; auch
beym Pferd, Schwein u.s.w. Bey den
Gattungen des Rhinocergeschlechts ver-
wachsen die das Horn tragenden Nasen-
knochen frühzeitig zusammen.
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[30]

§. 19.

Die Thränenbeine fehlen den Elephan-
ten gänzlich. Am ansehnlichsten zei-
gen sie sich hingegen bey den pecori-
bus
, vor allen aber bey den Antilopen.

§. 20.

Die Augenhölen sind, zumal in Rück-
sicht ihrer Richtung, ihres Umfanges
und ihrer Tiefe, von mancherley merk-
würdiger Verschiedenheit. Bey den al-
lermehrsten sind sie seitwärts gerich-
tet. Bey den Affen, Pavianen und
Meerkatzen, so wie beym Menschen,
vorwärts, und zwar weit näher bey-
sammen als beym Menschen. Beym
Biber stehen sie aufwärts.
In Rücksicht des Umfangs sind sie
bey den gedachten Quadrumanen ganz
geschlossen. Bey den pecoribus und so-
lidungulis
haben sie zwar nach aussen
einen kreisförmigen Rand, aber die äussereSeitenwand der Höhle ist nach hinten offen. Bey den
feris endlich und manchen gliribus ist
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