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[30]

§. 19.

Die Thränenbeine fehlen den Elephan-
ten gänzlich. Am ansehnlichsten zei-
gen sie sich hingegen bey den pecori-
bus
, vor allen aber bey den Antilopen.

§. 20.

Die Augenhölen sind, zumal in Rück-
sicht ihrer Richtung, ihres Umfanges
und ihrer Tiefe, von mancherley merk-
würdiger Verschiedenheit. Bey den al-
lermehrsten sind sie seitwärts gerich-
tet. Bey den Affen, Pavianen und
Meerkatzen, so wie beym Menschen,
vorwärts, und zwar weit näher bey-
sammen als beym Menschen. Beym
Biber stehen sie aufwärts.
In Rücksicht des Umfangs sind sie
bey den gedachten Quadrumanen ganz
geschlossen. Bey den pecoribus und so-
lidungulis
haben sie zwar nach aussen
einen kreisförmigen Rand, aber die äussereSeitenwand der Höhle ist nach hinten offen. Bey den
feris endlich und manchen gliribus ist
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[31]
auch selbst der äussere Rand nach hin-
ten unterbrochen. Eben so vielartig ist
auch die Tiefe oder Fläche dieser Hö-
len. Bey manchen sind sie so flach,
dass sie kaum diesen Namen verdienen.
So z.B. beym Maulwurf und den
Ameisenbären.

§. 21.

Bey den mit Hörnern versehenen Säu-
gethieren sitzen dieselben auf besonders
dazu bestimmten Fortsätzen gewisser
Schedelknochen. Beym einhornigen
Rhinocer nemlich auf einer rauhen etwas
erhabnen Fläche des ungeheuren Nasen-
beins. Und eben da sitzt auch das Vor-
dere des zweyhornigen; das hintre aber
so wie bey den gehörnten pecoribus auf
dem Stirnknochen
Geoffroy in den Mémoires de la Societé
d’histoire naturelle de Paris,
a. 7. Cah. I.
. Und zwar zeigt
sich bey den letztern eine doppelte merk-
würdige Verschiedenheit, nachdem sie
entweder im Ochsen-Ziegen- und Anti-
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[32]
lopengeschlecht eigentlich sogenannte
Hörner, oder aber im Hirschgeschlecht
Geweihe tragen. Bey jenen erwächst
nemlich dem jungen Thiere die
äussre Tafel der Stirnbeine zu einem
Zapfen, in welchen sich bey den mehr-
sten (die Antilopen ausgenommen) selbst
die Stirnhölen erstrecken; und dessen
äussre Haut allgemach Horn abscheidet,
und damit wie mit einem Futteral über-
zogen wird.
Im Hirschgeschlecht
Ich habe nun wohl gegen 20 verschiedne
Beyspiele zusammen gebracht, wo man
seit der Mitte des XVIten Jahrhunderts
hin und wieder in Europa, und auch in
Ostindien gehörnte Hasen mit kleinen
Rehbockartigen Geweihen gefunden zu
haben versichert. Hätte diess seine Rich-
tigkeit, so wäre es noch ein Umstand
mehr, worin diese Thiere den pecoribus
ähneln. Was mir aber dieses Vorgeben
sehr verdächtig macht, ist, dass ich bis
jetzt, aller angewandten Mühe ohnge-
achtet, noch von keinem einzigen Exem-
plare solcher Hörnchen habe vergewis-
sert werden können, wo dieselben auf
dem Kopf des Hasen selbst fest sässen.
Und die, von welchen ich genaue Zeich-
nungen vor mir habe, sind offenbar für
den Hasen von unverhältnissmässiger
Grösse.
hingegen (und
zwar bey den mehrsten Gattungen nur
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[33]
bey den Männchen)
Von anomalischen Beyspielen von Hirsch-
kühen, die, durch eine in die Zwitter-
gestaltung schlagende Abweichung des
Bildungtriebes, Geweihe bekommen, s.
G. E. Stahlpropempt. de cornu cerui
deciduo.
Hal. 1699. J. Jac. Scheuchzer
in J. Fr. Leopolddiss, de alce. Bas. 1700.
Jam. Hoy in den Transact. of the Lin-
nean Soc.
vol. II. pag. 356. u.a.m.
Von einem gehörnten Reh, das 1790
bey Westerzelle im Hannoverschen ge-
schossen worden, besitze ich eine colo-
rirte Zeichnung und genaue Nachricht.
erhebt sich jene
Tafel bloss zu einem kurzen stumpfen
Stuhl oder Rosenstock, auf welchem
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[34]
nach der Hand das eigentliche Geweihe
empor wächst, das alljährlich gewech-
selt wird, und während seines Wachs-
thums mit behaarter sehr gefässreicher
Haut bekleidet ist
Die jährliche Reproduction der Geweihe
gehört aus mehrerer Rücksicht zu den
merkwürdigsten Phänomenen in der
thierischen Physiologie. Sie giebt eins
der auffallendsten Beyspiele a) von der
Stärke der Nutrition und dem dadurch
bewirkten schnellen Wachsthum bey
warmblütigen Thieren. Denn das Ge-
hörn eines Capitalhirsches, das wohl 1/4
Centner am Gewichte hält, ist den-
noch binnen 10 Wochen völlig ausgebil-
det: – b) vom partiellen Lebenslaufe
eines thierischen Theils, der vom Le-
bensalter des ganzen Thiers (als wel-
ches sich beym Hirsch auf 30 Jahre er-
streckt) ganz unabhängig ist: – c) von
der Veränderlichkeit des Calibers ein-
zelner Blutgefässe, da die zur Ernäh-
rung des Geweihes bestimmten Aeste
der äussern Carotis während des Auf-
setzens so auffallend erweitert werden,
und sich hingegen, sobald dasselbe ver-
eckt ist, wieder zusammenziehen: –
und d) von dem merkwürdigen soge-
nannten Consensus, der zwischen dem
Aufsetzen der Geweihe und dem Zeu-
gungsgeschäfft vorwaltet; dass nemlich
absichtliche Castration oder auch zufäl-
lige, aber wesentliche Beschädigung an
den Genitalien ein so auffallendes Hin-
derniss der Erzeugung, oder regelmässi-
gen Ausbildung, oder aber des Wechselns
der Geweihe abgiebt. s. z.B. die merk-
würdigen Versuche des Dr. Rich. Rus-
sell,
in seiner Oeconomy of nature in
acute and chronical Diseases of the
glands
pag. 21.
Noch auffallender ist die Bemerkung,
die man gemacht zu haben versichert,
die aber doch erst noch genaue Prü-
fung erfordert, dass durch eine Art von
Reaction die Verletzung des neu auf-
gesetzten Gehörns den Hirsch wenig-
stens für eine Zeitlang impotent mache.
s. Hrn. Gr. von Mellin in den Beob.
und Entdeck. der Berliner naturforsch.
Gesellsch.
IV. B. pag. 360.
.
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[35]
Die einfachen Hörnchen der Giraffe
halten gleichsam das Mittel zwischen
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[36]
jenen beiderley Hauptarten von Gehörn.
Die Form, Textur, und dass sie peren-
niren, haben sie mit den Stirnzapfen
der eigentlichen Hörner, die behaarte
Bekleidung aber mit den Geweihen
gemein
Bey der jungen Giraffe bildet dieser
Stirnzapfen, wie ich an einem durch-
gesägten Exemplare gesehen habe, eine
epiphysis, die durch eine deutliche
Knorpelscheibe vom Stirnbeine abgeson-
dert ist, aber nach der Hand zu einer
sogenannten apophysis spuria mit ihm
verwächst.
.

§. 22.

Der Unterkiefer der Thiere derjeni-
gen Classe, bey welcher wir jetzt ste-
hen, weicht auffallender als kaum ir-
gend ein andrer Knochen ihres Gerippes
vom menschlichen ab. – Vor allem
gleich schon durch den Mangel des aus-
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[37]
zeichnenden Characters der Humanität,
des prominirenden Kinnes, als welches
alle Rassen des Menschengeschlechts mit-
einander gemein haben, und das hin-
gegen keinem bis jetzt bekannten an-
dern Säugethiere zukommt. Auch hat
der Mensch, nach Verhältniss zum Sche-
del, den kürzesten Unterkiefer (worin
ihm nur etwa der Elephant
Vergl. Pinelsur les os de tête de l’E-
lephant
im Journ. de Phys. T. XLIII. p. 54.
gleich-
kommt), so wie er sich auch durch die
eigne Form und Richtung der Gelenk-
knöpfe auszeichnet.
Die Einlenkung derselben ist nach
der Verschiedenheit des Gebisses sehr viel-
artig. Bey den feris z.B. liegen beide
meist in gleicher Linie, sind walzen-
förmig, und genau in die lange cauitas
glenoidea
wie in eine ausgefurchte Rinne
gepasst, in welcher sie als in einem
festen Gewinde laufen. Am allerauf-
fallendsten ist diess beym Dachs, wo
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[38]
diese walzenförmigen Gelenkknöpfe von
den Rändern ihrer Rinnen so umfasst
werden, dass (wenigstens beym erwach-
senen Thiere) der Unterkiefer, selbst
nach der Maceration des Schedels, nicht
herausfallen kann. – Bey manchen Her-
bivoren (im weiten Sinn des Worts)
sind jene condyli wirklich kugelförmige
Knöpfe; so beym Elephanten und beym
Biber. – Bey den pecoribus hingegen
sind sie wie mit einer flach ausge-
schweiften Delle gleichsam abgeschnit-
ten; und zugleich ist bey dieser Ord-
nung von Thieren (am auffallendsten
bey der Giraffe) der Unterkiefer un-
gleich schmaler als der obere, so dass
folglich die beiden Zahnreihen nicht
auf einander passen, sondern erst durch
die freyere Seitenbewegung der Kinn-
lade beym Wiederkauen an einander
geschoben werden. – Bey vielen gli-
ribus
liegen beide Condyli nach der
Länge fast einander parallel; so z. E.
beym Hasen, dem auch (so wie dem
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[39]
Ameisenbären) der processus coronoideus
fast gänzlich abgeht; der hingegen bey
der Giraffe von ganz auffallender Höhe
ist. – Bey den Cetaceen ist die Gelenk-
fläche des Unterkiefers fast gerade nach
hinten gekehrt
Den seltsamen und doch ziemlich ge-
meinen Irrthum, da die Hälften des Un-
terkiefers vom eigentlichen Wallfisch
für Rippen angesehen worden, hat schon
Rondelet widerlegt, de piscibus p. 53.
.
Ueberhaupt sind wenige andre Kno-
chen am Gerippe der Säugethiere von
so vielförmiger Verschiedenheit als der
Unterkiefer. Zu den alleranomalischten
gehört der nach vorn schaufelförmig
flache des Schnabelthiers (– tab. I. i –).
Noch ist endlich zu bemerken, dass
die beiden Hälften des Unterkiefers bey
vielen Säugethieren entweder bis ins er-
wachsene Alter oder gar lebenslang
durch eine blosse Synchondrose ver-
bunden bleiben, die sich im Kochen
oder Maceriren leicht von einander giebt.
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[40]
So z.B. bey vielen feris, gliribus und
cetaceis. Hingegen verwachsen sie wie
beym Menschen früh zu einem Stück
bey den Quadrumanen, auch beym Pferd,
Rindvieh, Schwein, Elephanten u.s.w.

§. 23.

Bis auf wenige Ausnahmen sind bey
den allermehrsten Säugethieren die Kie-
fer mit Zähnen
(Jos. Guich. Duverney)Lettre conte-
nant plusieurs nouvelles observations sur
l’osteologie.
Par. 1689. 4.
Jo. Jac. Koberde dentibus eorum-
que diuersitate.
Argent. 1774. 4. c. f. ac.
P. Mar. Aug. Broussonetcompa-
raison entre les dents de l’homme et
celles des quadrupedes
in den Mém. de
l’Acad. des sc. de Paris
1787. pag. 550.
versehen: denn gänz-
lich zahnlos sind bloss die eigentlichen
Wallfische (Balaenae), die Schuppen-
thiere, und die Americanischen Amei-
senbären.
Substanz und Gefüge der Zähne sind
von aller andern Knochen ihren ver-
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[41]
schieden. Besonders zeichnet sich der
Schmelz (substantia vitrea) an den Kro-
nen derselben sowohl durch seine aus-
nehmende Härte, da er theils am Stahl
Funken giebt, als durch den Mangel
des Schleimgewebes aus, womit der
innere mehr knochenartige Theil (sub-
stantia ossea)
der Krone, so wie die Wur-
zel durchzogen ist. Er scheint den El-
fenbeinzähnen so wie den Hauern des
Wallrosses und dem Stosszahn des Narh-
wal zu fehlen; doch unterscheidet man
auch an allen diesen eine äussre dünne
Rinde womit sie bekleidet sind. Ueber-
haupt haben aber diese Zähne manches
eigne in ihrer Textur; und besonders ist
sie im Elfenbein ohne ihres Gleichen
Mancher andern Eigenheiten des Elfen-
beins zu geschweigen, wodurch selbst noch
neuere Naturforscher verleitet worden, es
für eine Art von Horn zu halten, so
zeigt sich die Verschiedenheit seiner Tex-
tur von anderer Zähne ihrer namentlich
in dem überaus merkwürdigen patholo-
gischen Phänomen, da man zuweilen
beym Zersägen grosser Elfenbeinzähne
mitten in ihrer Substanz Kugeln auf
eine eigne Weise verwachsen gefunden,
womit das Thier in jüngern Jahren ge-
schossen worden. Haller bediente eich
desselben sowohl zur Widerlegung von
Duhamel’s Meinung, als ob die Kno-
chen aus der Beinhaut, so wie das Holz
der Bäume aus dem Splinte gebildet
werde, als auch zum Erweis der bestän-
digen Erneuung der festen Theile des
thierischen Körpers. Noch belehrender
wird es aber zur Erklärung der beson-
ders durch die Petersburger Preisaufgabe
bekannten nutritio vltra vasa. – Bey-
spiele beschreiben Daubenton bey Buf-
fon
T. XI. pag. 161. Gallandatover de
Olyphants Tanden
im IX. D. der Ver-
handelingen der Genootsch. te Vlissin-
gen
pag. 352. und Hr. Prof. Bonn in der
descr. thesauri Houiani pag. 146. In
allen diesen Fällen waren es eiserne Ku-
geln die im Elfenbein verwachsen waren.
Auch ich besitze ein solches Stück. –
Aber ohne allen Vergleich bewunderns-
werther ist ein andres in meiner Samm-
lung, wo eine Bleykugel, ohne platt ge-
druckt zu seyn, in einem Segment
eines Ostindischen Elfenbeinzahns, der
von der Dicke eines Mannsschenkels ge-
wesen seyn muss, dicht an der innern
Höle des Zahns so verwachsen liegt,
dass der Eingang des Schusses auf der
Aussenseite wie durch eine saubere Ma-
ser geschlossen, die Kugel selbst als
mit einer besondern Rinde umge-
ben, und der Elfenbeinsaft am innern
Rand in die Hölung des Zahns gleich-
sam stalactitförmig ausgewuchert ist.
.
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[42]
Bey einigen Thieren zeichnen sich
die Kronen gewisser Zähne von aussen
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[43]
durch besondre Farbe aus. So sind die
Nagezähne mancher glirium, z, B. des
Bibers, Murmelthiers und Eichhörnchens,
Wenigstens an der Vorderseite, nuss-
braun; und die Backenzähne vieler bisulcorum, so wie auch der Elephanten grossentheils wie mit einer schwar-
zen Glasur überzogen
Zuweilen ist diese schwarzbraune Gla-
sur, zumal bey dem domesticirten Horn-
und Wollvieh noch mit einer sogenann-
ten Weinsteincruste von auffallender
metallisch glänzender Bronzefarbe über-
zogen. s. Kh. Stobaeusde inauratione
spontanea dentium quorundam anima-
lium
in den Act. literar. Sueciae. vol. III.
a. 1733. pag. 83.
.
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[44]

§. 24.

Eine Eintheilung der Zähne, wenn
sie allgemein passend und doch ver-
ständlich seyn soll, hat ihre Schwierig-
keiten. – Inzwischen taugt doch immer
die Lage derselben besser dazu, als etwa
ihre Form, (denn die ist z.B. bey den
Cascheloten und Delphinen fast durch-
gehends die gleiche;) und so lassen sie
sich im Ganzen unter die bekannten
drey Classen von Vorderzähnen, Eck-
zähnen
und Backenzähnen bringen, nur
muss der Begriff von denselben genau
bestimmt werden.

§. 25.

Vorderzähne sind im Oberkiefer der Quadrupeden und Delphine die-
jenigen, die im os intermaxillare sitzen,
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[45]
(daher freylich auch die Stosszähne des
Elephanten darunter gehören;) und im
Untern die, so mit diesen Zähnen, oder
bey denjenigen Thieren, welchen diesel-
ben mangeln, mit dem vordern Rande
jenes Knochens zusammen passen. –
Zahl und Form derselben ist sehr ver-
schieden. Von letzterer doch einiges
zum Beyspiel anzuführen, so sind bey
den gliribus zumal die untern meisselför-
mig, daher J. Hunter diese Thiere
scalpris dentata nannte. Bey einigen
derselben, namentlich beym Biber und
der Hausmaus, hat das untere Paar ganz-
ausnehmend lange Wurzeln. Im Ha-
sengeschlecht sind die obern doppelt, so
dass sich noch ein ganz kleines Paar
hinter dem grössern vordem Paare findet.
Beym Wallross ähneln die Kronen der
Vorder- sowohl als der Backenzähne
flachen Knöpfen. Beym Tümmler ragt,
gegen die Weise bey andern Thieren,
das Vorderende des Unterkiefers mit sei-
nen äussersten Vorderzähnen weiter her-
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[46]
vor, als das vom obern. – Ueberhaupt
haben die untern Vorderzähne der Säu-
gethiere eine mehr oder weniger schräge
Lage, da sie hingegen beym Menschen
aufrecht stehen, als worin ihm höch-
stens nur der Orangutang von Bor-
neo ähnelt.

§. 26.

Von den Eckzähnen sitzen die obern
im Kiefer selbst nahe an den Intermaxil-
lar-Knochen, folglich gehört der wun-
derbar lange Stosszahn des Narhwal
Ueber die Frage, ob der Narhwal wirk-
lich nur Einen oder aber eigentlich,
zwey solcher Stosszähne habe, muss
ich auf das verweisen, was ich darüber
im 5ten Heft der Abbildungen naturhi-
storischer Gegenstände
zu tab. 44 ge-
sagt habe.
, so
wie die Hauzähne des Wallrosses, unter
diese Classe. – Bey manchen Pavianen,
zumal aber bey den grössern reissenden
Thieren, sind diese Zähne theils von
furchtbarer Stärke; und bey den letztern
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[47]
der ganze Profilumriss und Wurf des
Vorderschedels nach denselben gerichtet,
was z.B. am Tiger auffallend sichtlich
ist. Die sonderbarste Bildung haben
die obern Eckzähne des Babirussa, deren
Zweck, bey einer solchen Länge und
fast kreisförmigen Richtung im Ver-
gleich zu ihrer Dünne, noch unbekannt
scheint. – Merkwürdig sind bey den
jetzt existirenden Bärenarten und meh-
rern andern Gattungen dieses Geschlechts
die ganz kleinen Eckzähnchen, die neben
den grossen nach hintenzu sitzen
So ist es namentlich beym braunen Al-
pen-Bär, von welchem ich drey Schedel
vor mir habe, und eben so bey einem
schwarzen Americanischen, ferner bey
einem andern im Nationalmuseum zu
Paris, dessen Vaterland unbekannt ist,
und auch beym nordischen Eisbär; von
welchen allen ich meisterhafte Zeich-
nungen von der Güte des Hrn. Prof.
Cüvier besitze.
Hingegen fehlen diese kleinen Eck-
zähnchen dem ungeheuer grossen fossi-
len Bär der Vorwelt (Vrsus spelaeus),
zu dessen Osteologie ich eine grosse
Sammlung aus den drey berühmten Kno-
chenhölen Deutschlands, nemlich der
Scharzfelder am Harz, der Gailenreuter
am Fichtelberge, und der Altensteiner
auf dem Thüringerwalde, zusammenge-
bracht habe.
.
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[48]

§. 27.

Die Backenzähne sind in so fern die
allgemeinsten, dass, wenn anders Säuge-
thiere Zähne haben, dieselben wenig-
stens aus dieser Classe sind, wenn auch
gleich manchen, wie den Tatus und dem
Schnabelthier, die Vorder- und Eck-
zähne abgehen. Nur der Narhwal macht
hiervon eine Ausnahme, als welcher,
seinen Stosszahn ausgenommen, übri-
gens zahnlos ist. – Form, Textur und
respective Lage der Backenzähne sind
von merkwürdiger Verschiedenheit. Bey
vielen Quadrumanen z.B. haben die
beiden vordern, den Eckzähnen zunächst
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[49]
stehenden, so wie beym Menschen
kleinere Kronen und einfachere Wur-
zeln als die hinteren
Bey manchen Affen und Pavianen hat
der vorderste Backenzahn im Unterkie-
fer eine sehr ausgezeichnete Bildung:
die Krone nemlich (fast wie bey den
feris, von welchen sogleich die Rede
ist,) zusammengedrückt, mit einer schar-
fen Spitze, und ausserdem auch lang
herabsteigendem Vorderrande; mit wel-
chem die vordere der beiden Wurzeln
einen stumpfen Winkel macht. – s. die
treffliche Abbildung vom Schedel des
grossen Mandril (engl. Man-tyger) in Che-
selden’s
osteography vor dem 1ten Cap.
: wesshalb sie
auch von J. Hunter mit dem Namen
biscuspides bezeichnet, und nur die letz-
tern molares genannt worden
Ich finde diesen Unterschied zwischen
den Backenzähnen schon in dem aller-
ersten nach menschlichen Leichen abge-
fassten anatomischen Compendium, nem-
lich in der berühmten anatomia partium
corporis humani
beobachtet, die Mondini
in der ersten Hälfte des XIVten Jahrhun-
derts geschrieben, da er in jedem Kiefer
ausser den 4 Vorderzähnen und 2 Eck-
zähnen quatuormaxillareset sex
molares
rechnet pag. 370b der clas-
sischen Ausg. mit Berengar’s Com-
mentar. – Und eben so habe ich auch
die Eintheilung dieser beiderley Arten
von Backenzähnen in dem berühmten
Volumen von bewundernswürdigen ana-
tomischen Zeichnungen des auch hierin
unvergleichbaren Lion. da Vinci ge-
funden, das in der grossen Sammlung
von Handzeichnungen in der Bibliothek
Sr. Majestät des Königs aufbe-
wahrt wird.
. –
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[50]
In der eben genannten Ordnung sind
die Kronen der Backenzähne, so wie
auch bey den feris und beym Men-
schen, ganz mit Schmelz überzogen
Eben so auch bey dem ungeheuern jetzt
fossilen Ohio-Incognitum aus der Vor-
weit, dem vulgo sogenannten fleisch-
fressenden Elephanten (Mammut ohio-
ticum), s.
den IIten Heft der Abbild.
naturhistorischer Gegenst.
tab. 19. fig. A.
:
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[51]
da hingegen bey vielen gliribus
Bey vielen – denn bey einigen, z. E.
beym Murmelthier, ist die ganze Krone
dieser Zähne mit Schmelz überzogen.
, so
wie bey den solidungulis, pecoribus
Vom innern Bau der Backenzähne der pe-
corum
s. Hollmannde ossibus fossilibus
in den Commentar. soc. Reg. scient.
Gottingens.
T. II pag. 263.

und den mehrsten belluis, auch Kno-
chensubstanz auf der Endfläche der-
selben zu sehen ist, die mit vertical-
stehenden theils sonderbar gewundnen
Blättern von Schmelz, der etwas mehr
hervorragende Kanten bildet, gleichsam
durchschlängelt ist
Die specifisch verschiedne Form dieser
Blätter bey den beiden Gattungen des
Elephantengeschlechts, der Asiatischen
und der Africanischen s. in den Abbild.
n. h. Gegenst.
a. a. O. fig. B. C.
. Bey manchen
bloss grasfressenden und nicht rumini-
renden Thieren, wie die solidungula
und die Elephanten, liegen die breiten
Kronen der Backenzähne meist hori-
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[52]
zontal auf einander. Bey den mehrsten
pecoribus hingegen sind sie schräg aus-
geschlegelt, so dass an den obern die
äussern Ränder, an den untern hinge-
gen die innern höher sind, so wie es
in Verbindung mit dem schmalen Un-
terkiefer und der Art seiner Einlenkung
(§. 22. S. 38.) der Function des Wie-
derkauens angemessen ist. Bey den
mehrsten reissenden Thieren, zumal aus
dem Löwen- und Hunde-Geschlecht,
haben die Backzähne zackichte nach der
Länge der Kiefer gleichsam zusammen-
gedrückte Kronen, davon die untern
dicht innerhalb der obern liegen, so
dass beiderley beym Zerbeisen mittelst
des festen Gewindes der walzenför-
migen Gelenkknöpfe des Unterkiefers
wie Scheerenblätter an einander weg-
gleiten.

§. 28.

So wie manchen Ordnungen, Geschlech-
tern und Gattungen der Quadrupeden ge-
wisse Arten von Zähnen gänzlich abgehen,
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[53]
wie z.B. den pecoribus die obern Vor-
derzähne, den Elephanten die untern,
dem Africanischen Nashorn sowohl diese
als jene; den gliribus die Eckzähne u.
s. w.; so sind dann auch bey manchen
andern gewisse Abschnitte des Gebisses,
zumal die Eck- und Backenzähne,
durch Zwischenräume von einander ab-
gesondert. So z.B. im Pferde- und
Bären-Geschlecht. Bey keinem andern
Thiere sind aber wohl die sämmtlichen
Zähne so eben an einander gereihet und
von so gleichförmiger Höhe als beym
Menschen.

§. 29.

Ueber das Wechseln der Zähne lässt
sich aus Mangel sattsamer Beobachtun-
gen
S. als Muster die ausführliche Beschrei-
bung des Zähnewechselns des Pferdes,
von Tenonsur une methode particulière
d’etudier l’anatomie
in den Mém. de l’In-
stitut national
T. I. pag. 558.
, zumal an wilden Thieren, we-
nig Zuverlässiges sagen. Manche ehe-
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[54]
malige irrige Behauptung, wie z.B. dass
nur das Hausschwein seine Zähne
wechsle, und die wilde Sau hingegen
nicht, bedarf jetzt keiner weitern Wi-
derlegung. Unter den feris haben na-
mentlich Hunde und Fischottern wäh-
rend des Wechselns oft doppelte Eck-
zähne, wenn der neue perennirende
früher hervorbricht, als der alte Milch-
zahn ausgefallen war. – Wenigstens
bey manchen Affen finden sich, so wie
beym Menschen, unter den Milchbacken-
zähnen noch keine bicuspides. sondern
an deren Statt auf jeder Seite jedes Kie-
fers anfänglich zwey eben so vielzak-
kichte Zähne, wie die eigentlichen
maxillares
So sind z.B. in dem Schedel eines noch
unerwachsenen Orangutangs von Bor-
neo, den ich der Güte des Hrn. van Ma-
rum
verdanke, noch keine bicuspi-
des,
sondern die vielzackichten Milch-
backzähne.
. – Besonders merkwür-
dig ist die Art, wie das Wechseln der
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[55]
Backenzähne bey den Elephanten er-
folgt, da der neue perennirende hinter
dem alten Milchzahn ausbricht
Vortrefflich ist diess am Schedel eines
jungen Africanischen Elephanten im hie-
sigen academischen Museum zu sehen.
, von
welchem dann allgemach eine Verti-
calschicht nach der andern absorbirt
wird
s. Hrn. Prof. Brugmanns Bemerkungen
darüber in van Maanendiss. de absorp-
tione solidorum.
Lugd. Batav. 1794. 8.
pag. 51.
, und dagegen jener in glei-
cher Masse zunimmt
Von der überaus sonderbaren Bildung
dieser Verticalschichten in den Backenzäh-
nen der Elephanten, ehe sie zu ihrem
Durchbruch gelangen, besonders von
der Art wie ihr Schmelz aus der substan-
tia ossea
in kleinen Zäpfchen aus-
schwitzt, habe ich in der Preisschrift
über die Nutritionskraft
, St. Petersb.
1789. 4. pag. 16. fig. 1. eine Abbildung
gegeben.
. – Ueber-
haupt aber giebt es schwerlich irgend
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[56]
ein Thier dieser Classe, bey welchem
sowohl der erste Ausbruch als das nach-
herige Wechseln der Milchzähne nach
Verhältniss so auffallend späte erfolgt
als bey in Menschen.

§. 30.

Mit den Jahren werden die Kronen
der Zähne durch den Gebrauch mehr
oder weniger abgenutzt
Daher hat man bey gliribus verschie-
dentlich bemerkt, dass wenn sie das eine
Paar ihrer Vorderzähne verloren haben,
sodann das entgegenstehende zu einer
theils ganz monstreusen Länge fortge-
wachsen ist. Etwas ähnliches soll auch
erfolgen, wenn sie bloss weiche Nah-
rungsmittel zum Futter erhalten. – s.
Morton’snatural history of Nort-
hamptonshire.
p. 445. Hrn. Prof. Achard’s
chymisch-physische Schriften pag. 161.
, und erhal-
ten dadurch zum Theil das Ansehen wie
angeschliffene Flächen, die zumal bey
den Eckzähnen der Schweine und des
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[57]
Nilpferdes
s. Hrn. Hofr. Beckmann’sVorbereitung
zur Waarenkunde
I. B. pag. 344.
sichtlich sind. An den
Vorderzähnen der Pferde lässt sich dar-
nach das Alter derselben bestimmen.

§. 31.

So viel vom Schedel der Säuge-
thiere. Nun zum Rumpf ihres Gerippes,
nach der Ordnung der drey Haupttheile
desselben, Rückgrat, Becken und Tho-
rax:
wovon ersteres überhaupt der all-
gemeinste Theil des Gerippes ist, der
nemlich allen rothblütigen Thieren ohne
Ausnahme, und hingegen keinem ein-
zigen weissblütigen zukommt.

§. 32.

Merkwürdig ist, dass die Thiere die-
ser Classe, wenigstens die Quadrupe-
den, im Ganzen einerley Anzahl von
Halswirbeln haben. Die Giraffe und das
Pferd z.B. nicht einen mehr als der
Maulwurf oder die Ameisenbären.
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[58]
Durchgehends nemlich, so wie beym
Menschen, ihrer sieben. Nur bey demdreyzehichten Faulthier hat Hr. Prof. Cuvier die
unerwartete Anomalie entdeckt, dass
es deren 9. Bey manchen Ce-
taceen hingegen scheinen sich nur 6 zu
finden: überhaupt aber sind bey den-
selben meist ihrer 4 oder 5 zusammen
verwachsen. – Bey den mehrsten feris
zeichnet sich der erste Halswirbel (atlas)
durch seine ausnehmende Stärke und
grossen flügelähnlichen processus trans-
versos
aus
Vesling in Severinvipera Pythia. Pa-
tav. 1651. 4. pag. 232.
Von dem Bezug den diess auf das Ge-
biss dieser reissenden Thiere hat, s. Eu-
stachius
de dentibus pag. 86.
.

§. 33.

Die Zahl der Brustwirbel richtet
sich nach den Rippenpaaren, wovon
unten einiges gedacht werden wird. –
Zumal bey den langhalsigen Quadru-
peden, wie das Pferd, die Giraffe, Ca-
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[59]
mele und mehrere andere pecora, und
bey den sehr schwerköpfigen, wie die
Elephanten, sind die processus; spinosi
dieser Wirbel, besonders der vordern,
an welche das grosse ligamentum Suspen-
sorium colli
mit seinem hintern Ende
befestigt ist, von auffallender Länge.

§. 34.

Auch die Lendemvirbel variiren gar
sehr in der Zahl. Die Elephanten z.B.
haben ihrer nur 3, die Camele 7. Eben
so manche Quadrumanen, z.B. der Man-
dril. Das Pferd 6. Der Esel 5. (Die
Maulthiere meist 6, zuweilen aber auch
nur 5). – Bey den mehrten Quadru-
peden sind die Fortsätze dieser Wirbel
vorwärts (wie bey den Affen nach der
gewöhnlichen Stellung derselben auf-
wärts
Da Galenus in seiner Osteologie die
Richtung dieser Furtsätze eben so an-
giebt, so zeigte Vesalius auch hieraus,
so wie aus der Galenischen Beschreibung
des Kreuz- und Kukuksbeins und meh-
reren anderen Stellen, dass dieselbe
nach Affen und nicht nach Menschen
abgefasst sey. – s. dessen Epistola ra-
tionem modumque propinandi radicis
Chynae decocti, pertractans.
pag. 49. der
grossen Oporinischen Ausg. 1546. gr. 4.
) gekehrt. – Die processus trans-
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[60]
versi
sind, zumal bey vielen wieder-
kauenden Thieren, von ausnehmender
Grösse; und so zeigen sie sich auch
beym Hasen.

§. 35.

Noch vielartiger ist die Form und
das Verhältniss des Kreuzbeins. Die An-
zahl seiner sogenannten Wirbel variirt
selbst bey verschiedenen Gattungen des
gleichen Geschlechts. Bey den mehr-
sten Affen z.B. besteht es aus 3 Stuk-
ken
Vesaliusde c.h. fabrica pag. 99. fig. 4. 5.
, beym Orangutang aus 4
Camper sagt, das Kreuzbein dieses be-
rühmten Thiere bestehe aus drey Wir-
beln. In dem Exemplar in meiner Samm-
lung aber sind offenbar ihrer viere.
,
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[61]
beym Schimpanse aus 5
Tyson’sanatomy of a Pygmy pag. 89
der Ausg. von 1751.
. – In der
Bildung zeichnet sich unter andern das
vom Pferd durch die grossen flügelför-
migen Seitenfortsätze am vordern Ende,
und das vom Maulwurf durch ein
gleichsam scharfkantiges schmales Blatt
aus, in welches die processus spinosi des-
selben verwachsen sind
Etwas ähnliches zeigt sich auch beym
Armadill, von dessen überhaupt sehr
anomalisch gebauten Becken, so wie von
seinem ganzen merkwürdigen Gerippe
Hr. Prof. Wiedemann in s. Archiv für
Zoologie und Zootomie
I. B. 1. St. pag.
106 eine sehr genaue Beschreibung giebt.
– Vergl. damit die Abbildung eines Ar-
madill-Gerippes in Cheselden’sosteo-
graphy
vor dem 8ten Cap.
. – Den Ce-
taceen
kann beym Mangel der Hüft-
knochen kein wahres Kreuzbein zuge-
schrieben werden.
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[62]

§. 36.

Das Kukuksbein wird bey den ge-
schwänzten Thieren zur sogenannten
Schwanzrippe verlängert, die bey man-
chen aus einer grossen Anzahl von Wir-
beln besteht. Z.B. beym Todtenköpf-
chen (Cercopithecus morta) aus 22.
Beym Coaita (Cercopithecus paniscus)
aus 52. Beym zweyzehigten Ameisen-
bär aus 41
Wenn sich, wie das oft der Fall ist,
Meerkatzen, Beutelratten u.s.w. in der
Gefangenschaft entweder selbst ein Stück
des Schwanzes abfressen, oder es durch
andern Zufall verlieren, was dann zu-
weilen in der Bestimmung der Gattun-
gen Irrthum veranlasst hat, so bildet sich
gewöhnlich am äussersten Wirbel des ver-
stümmelten Schwanzes ein sonderbarer
knorrichter theils wie cariöser Auswuchs.
.

§. 37.

Die Hüftknochen im weitern Sinn,
oder was man insgemein die ungenann-
ten Beine nennt, machen in Verbin-
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[63]
dung mit dem Kreuzbein das sogenannte
Becken
Bernh. Gottl. Schregeripeluis ani-
mantium brutorum cum humana compa-
ratio.
Lips. 1787. 4.
J. H. F. Autenrieth et J. Fischer
observationes de pelui mammalium. Tu-
bing. 1798. 8.
aus. Indess lässt sich, so pa-
radox es auch lautet, wohl behaupten,
dass ausser dem Menschen gar kein
andres Thier ein Becken habe: da in
der That bey keinem derselben die
genannten zusammen verbundnen Kno-
chen von beckenähnlicher Gestalt sind.
Denn auch bey den menschenähnlich-
sten Affen sind die beiden Hüftknochen
doch weit länger als breit; und bey den
Elephanten, beym Pferd u.s.w. haben
sie wegen der langen Schaambeinverbin-
dung eben so wenig Beckenform. –
Bey manchen, wie beym Biber und Kän-
guruh, ist gar keine Synchondrose der
Schaambeine, sondern beide Knochen
sind an deren Stelle zu einem Stücke
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[64]
mit einander verwachsen. Hingegen
stehen sie bey den Ameisenbären fast
wie bey den Vögeln von einander. –
Beym Maulwurf ist das Becken so eng,
dass es gar die innern Genitalien und
übrigen benachbarten Eingeweide nicht
fassen kann, sondern diese ausserhalb
der Schaambeine liegen müssen. – Bey
dem Känguruh
Ever. Homeon the mode of genera-
tion of the Kanguroo
in den philos.
Transact. for
1795. tab. 21. a. a.
und andern Beutel-
thieren
Daubenton vol. X. tab. 51. fig. 3. N.
O. P. Q. (– Dieses Citat bedeutet hier
und in der Folge immer die erste Origi-
nalausgabe des Büffonischen Werks in 4.
das ich aber nicht unter Büffon’s
Namen anführen darf, da bekanntlich
gerade der zootomische Theil, von Dau-
benton,
in den mehresten andern Aus-
gaben weggelassen ist. –)
findet sich am obern oder
vordern Rande der Schaambeine am
Bauche hin noch ein besonderes Paar
etwas divergirender länglicher platter
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[65]
Knochen (die ossa marsupialia oder cornua peluis abdominalia),
das diesen Thieren ausschliesslich eigen
ist, und dem Weibchen zur Stütze des
Zitzenbeutels dient, aber doch (wenig-
stens bey manchen Gattungen) auch in
den Männchen gefunden wird
Diess ist Eins der Beyspiele, deren die
Zootomie eine Fülle darbietet, um den
bestimmten Begriff von Bildungs-
trieb
zu erläutern, in so fern dieses
Wort die Verbindung der beiden Princi-
pien beym Zeugungsgeschäffte bezeich-
net, die man sonst für unvereinbar ge-
halten hat, des teleologischen nämlich
mit dem mechanischen.
Die zweckmässige Bildung dieses sonst
so anomalischen Knochenpaars, zur
Stütze des sonderbaren Zitzenbeutels der
Weibchen, deutet offenbar auf das teleo-
logische.
Dass hingegen der Bildungs-
trieb auch bey den männlichen Thieren
dieser Gattung, wo doch jene Zweck-
mässigkeit wegfällt, dennoch derglei-
chen Knochen gleichsam nach dem ein-
mal für diese Gattungen bestimmten
Normalschema hervorbringt, dient zum
Erweis des mechanischen Princips.
.
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[66]
Die Cetaceen haben, da ihnen die
Hinterfüsse mangeln, auch keine Hüft-
knochen, und folglich gar kein Becken;
doch unten am Bauche ein paar kleine
Knochen, die man gewissermassen mit
den Schaambeinen vergleichen kann
Rondeletde piscib. pag. 461. Tyson’s
anat. of a Porpess. Lond. 1680. 4. p. 28.
.

§. 38.

Der Thorax ist, bey den allermehrsten,
wo nicht bey allen Thieren dieser Classe,
schmaler, und hingegen vom Brustbein
nach den Wirbeln gemessen, nach Verhält-
niss tiefer als beym Menschen. Diess
hängt theils von der schwächern Krüm-
mung ihrer Rippen, theils von der schlan-
kern Form des Brustbeins ab. Am auffal-
lendsten ist jene kielförmige Bildung
(thorax carinatus) bey den hochbeinich-
ten Quadrupeden, wie z.B. bey der
Giraffe, dem Hirschgeschlecht u.s.w.
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[67]

§. 39.

Nur sehr wenige Säugethiere, nem-
lich einige Gattungen von Fledermäu-
sen und Armadillen, haben ein Rippen-
paar
weniger als der Mensch. Bey wei-
tem die allermehrsten haben hingegen
deren mehrere. Selbst viele quadrumana
haben 14 Paar. Das Pferd 18. Die Ele-
phanten 19
So ist es wenigstens an dem Scelet des
asiatischen Elephanten in Cassel; so
fand es Blair in dem, wovon er die
vortreffliche Anatomie geliefert; und so
finde ich es auch in einer handschrift-
lichen italiänischen Notiz von dem Ge-
rippe desjenigen Elephanten, der 1657 zu
Florenz gestorben, die ich aus der her-
zoglichen Bibliothek zu Gotha vor mir
habe. – Allen Moulin hingegen (im
anatomical Account of the Elephant
burnt in Dublin.
Lond. 1682. 4.) und Dau-
benton
geben 20 P. an.
. Das zweyzehichte Faul-
thier (Bradypus didactylus) gar 23 Paar. –
Beym zweyzehichten Ameisenbär (Myr-
mecophaga didactyla)
zeichnen sich die
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[68]
16 Rippenpaare durch ihre auffallende
Breite aus, womit der ganze Rücken
und die Seiten des Scelets, fast bis zu
den Hüftknochen, gleichsam wie ge-
panzert sind.

§. 40.

Das Brustbein ist bey den mehrsten
Thieren dieser Classe cylindrisch und
wie gegliedert. So ist es selbst bey vie-
len Quadrumanen und bey den Bären,
deren Gerippe sonst in vielen Stücken
dem menschlichen ähnelt. – Am son-
derbarsten ist dieser Knochen beym
Maulwurf gestaltet, wo er sich nach
vorn
Kaum bedarf es wohl erst der Erinne-
rung, dass die Ausdrücke von vorn,
hinten, oben, oder unten, bey den
Quadrupeden immer nach der horizon-
talen Richtung ihres Körpers zu verste-
hen sind. Folglich nach vorn das was
beym Menschen in seiner aufrechten
Stellung nach oben heissen müsste u.s.w.
in einen langen fast pflugschaar-
förmigen Fortsatz verläuft, der unter
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[69]
den Halswirbeln, und mit denselben pa-
rallel, liegt.

§. 41.

Endlich zu den so genannten Ex-
tremitäten
des Gerippes, die sich, so viel-
artig auch ihre Gestaltung in dieser
Thierclasse ist, dennoch im Ganzen und
nach ihren Haupttheilen, und der re-
spectiven Verbindungsart. derselben
Ein paar Stellen beym Aristoteles,
hist. animal. II. 1. und de animal. in-
cessu
c. 11. und beym Plinivs XI. 102.
haben zu dem seltsamen qui pro quo
Anlass gegeben, als ob bey den mehrsten
Quadrupeden Einbogen und Kniee in
Vergleich zu den menschlichen nach
der ganz entgegengesetzten Richtung
flectirt würden. Dieses Missverständniss
muss wohl dadurch veranlasst seyn, dass
da der Schulterknochen (os humeri)
und das Schenkelbein, zumal bey den
hochbeinichten Quadrupeden sehr kurz
sind und nahe am Rumpfe anliegen,
und nicht so, wie beym Menschen und
den Quadrumanen, und Bären, Ele
phanten u.s.w. frey hervorstehen, die-
selben desshalb verkannt, und demnach
überhaupt auch die übrigen Haupttheile
der Extremitäten bey jenen Thieren un-
richtig mit andern als den wirklich
damit correspondirenden Theilen des
menschlichen Körpers verglichen wor-
den. – s. darüber Fabric. ab Aqua-
pendente
de motu locali animalium se-
cundum totum
in dess. oper. anatomic.
pag. 342 der Albinischen Ausg. und Bar-
thez
des mouvemens progressifs de
l’homme
im Journal des Sçav. vom Jan.
1783. pag. 34 der Pariser 4t Ausg.

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[70]
u.s.w., sämmtlich mit denen am Men-
chen vergleichen lassen. – Zuerst von
den vordern.

§. 42.

Die Schlüsselbeine, die selbst von treff-
lichen neuern Zoologen bloss Lin-
né’s
Primaten (worunter er ausser dem
Menschen und den Quadrumanen auch
die Fledermäuse begriff) zugeschrieben
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[71]
worden, finden sich ausserdem noch
bey einer grossen Anzahl von Säuge-
thieren
Jo. Gottl. Haasecomparatio clauicu-
larum animantium brutorurn cum huma-
nis.
Lips. 1766. 4.
Vicq d’Azyrsur les clavicules et
sur les os claviculaires
in den Mém. de
l’Acad. des sc. de Paris
1785. pag. 350.
: besonders bey denjenigen
Quadrupeden, die besondern Gebrauch
von ihren Vorderfüssen machen, z.B.
zum Fassen, wie Eichhörnchen und
Biber: oder zum Graben, wie der Maul-
wurf; oder zum Wühlen, wie die Amei-
senbären und Igel
Den Zweck der Schlüsselbeine bey man-
chen der genannten Thiere hat schon
der wackre Fabric. Hildanvs richtig
eingesehen. s. dess. Kurtze Beschreibung
der Fürtrefflichkeit der Anatomy.
Bern
1624. 8. pag. 219.
; oder zum Klet-
tern, wie die Faulthiere u.s.w. –
Viele andere haben wenigstens an deren
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[72]
Stelle einen analogen kleinen, bloss zwi-
schen Sehnen stechenden
Daher Serao denselben mit den Se-
samsbeinchen vergleicht. s. dess. opus-
coli di fisico argumento.
Napol. 1766. 4.
pag. 84.
, Knochen
auf jeder Seite, den Vicq d’Azyr da-
her zum Unterschied os clauiculare nennt.
So bey den meisten feris
Pallasspicileg. zoologica. fascic. XIV.
pag. 41.
und man-
chen gliribus. – Uebrigens ist auch die
Form und relative Grösse der wahren
eingelenkten Schlüsselbeine sehr man-
nichfaltig. Bey den Fledermäusen sind
sie von auffallender Länge. – Beym
Orangutang haben sie die grösste Aehn-
lichkeit mit dem menschlichen: beym
zweyzehichten Ameisenbär sind sie fast
rippenförmig: am alleranomalischten,
fast cubisch, beym Maulwurf. – Sie
fehlen hingegen gänzlich den hochbei-
nichten Quadrupeden mit kielförmiger
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[73]
Brust, namentlich den pecoribus und so-
lidungulis;
aber auch den Cetaceen.

§. 43.

Die Schulterblätter finden sich durch-
gehends bey allen rothblütigen Thieren,
welche Vorderfüsse oder ähnliche Bewe-
gungswerkzeuge haben. Namentlich
also in beiden Classen der warmblüti-
gen Thiere ohne Ausnahme. Ihre Bil-
dung ist aber selbst bey den Säugethie-
ren von mancherley Verschiedenheit:
zumal das Verhältniss ihrer drey Haupt-
ränder gegen einander, das sich nach
der Lage dieser Knochen, und dieses
sich nach der Totalform des Thorax
(§. 38.) richtet. So ist z.B. der nach
dem Rückgrat gekehrte Rand bey den
mehrsten eigentlichen Quadrupeden, zu-
mal bey den hochbeinichten mit schma-
ler Brust, als bey welchen die Schul-
terblätter zu beiden Seiten derselben
liegen, am kürzesten; bey manchen
aber, z.B. beym Elephanten, so wie bey
den chiropteris, bey den meisten Qua-
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[74]
drumanen, und zumal beym Menschen
selbst, am längsten. – Wiederum ganz
anomalisch, fast einem Röhrenknochen
ähnelnd, sind die Schulterblätter des
Maulwurfs. – Dass die beiden Haupt-
fortsätze an diesen Knochen, der cora-
coides
und das acromium bey denen am
ansehnlichsten ausgebildet seyn müssen,
die wahre lange Schlüsselbeine haben,
lässt sich schon a priori erwarten.

§. 44.

Die merkwürdigsten Verschiedenhei-
ten an den eigentlich so genannten vor-
dern Extremitäten
lassen sich am füg-
lichsten nach den Ordnungen und Ge-
schlechtern der Thiere dieser Classe zu-
sammen fassen. Am allerauffallendsten
und abweichendsten ist ihr Bau bey den
Fledermäusen und beym Maulwurf.
Jenen fehlt der radius im Vorderarm
Ich habe im ehemaligen Hagenschen Ca-
binet zu Nürnberg einen merkwürdi-
gen Osteolithen in Solenhofer Kalk-
schiefer gesehen, der aus drey sehr
schlanken nach der Länge an einander
articulirten Röhren bestand, und für
einen versteinten Vogelflügel gehalten
ward, aber nach der Einfachheit und
Länge der mittlern Röhre zu urtheilen,
wohl ohne Zweifel einer grossen Süd-
indischen Fledermaus zugehört.
oder sie haben höchstens nur ein grätenför-miges Rudiment davon.
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[75]
Ihr Daumen ist kurz, mit einer haken-
förmigen Kralle: hingegen die phalan-
ges
der übrigen 4 Finger, zwischen
welchen die Flatterhaut ausgespannt ist,
ausser allem Verhältniss lang, dünne,
fast grätenförmig, und ohne Nägel.
Beym Maulwurf ist die Form des Schul-
terknochen (os humeri) ohne ihres glei-
chen; in der Mitte schmal, und an bei-
den Enden aufs sonderbarste breit aus-
geschweift. Seine Schaufelpfoten zeich-
nen sich zuförderst durch einen ganz
eignen sichelförmigen Knochen aus, der
vom vordem Ende des radius nach dem
Daumen hin liegt; ferner finden sich
an den Phalangen der Finger zahlreiche
Fortsätze, und auf ihrer Aussenseite
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[76]
eine Menge Sesamsbeinchen; alles zur
Vergrösserung des Insertionswinkels der
Sehnen als Hauptmittel zur Erleichte-
rung der Muskelbewegung. – Beson-
ders merkwürdig sind einige Eigenhei-
ten am metacarpus und metatarsus der
Thiere mit gespaltnen Klauen und Hu-
fen. Beym Schwein nemlich bestehen
diese Theile aus vier Röhren. – Bey
den pecoribus vor der Geburt aus zweyen
dicht an einander liegenden, die aber
nachher durch Absorbtion der Scheide-
wände zu einer gemeinschaftlichen Röhre
umgebildet werden
Jo. Bapt. Com. a Covolode metamor-
phosi duorum ossium pedis in quadru-
pedibus aliquot.
Bonon. 1765. 4. – Fou-
geroux
in den Mém. de l’Acad. des Sc.
1772. P. II. pag. 520.
. – Beym Pferd
aus einer einzigen Hauptröhre (gamba
Veget. Fr. le canon), an deren hintern
Seitenrändern ein Paar weit kürzere un-
bewegliche Nebenröhren (Fr. les poin-
çons
oder os epineux) wie angewachsen
sitzen, so dass nur jene Hauptröhre mit
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[77]
dem Fesselknochen (Fr. le paturon) ar-
ticulirt, welcher sich mit der ersten
Phalanx eines der mittlern Finger in
der Menschenhand, so wie der Hufkno-
chen gewissermassen mit dem dritten
oder Nagelgliede desselben vergleichen,
lässt
s. Stubbs in seiner unübertrefflichen
Anatomy of the horse, zu tab. 1.
. – Ueberhaupt aber ist diese
äusserste Phalanx nach der Verschieden-
heit der hornartigen Bedeckung dersel-
ben durch platte Nägel oder Krallen
oder Hufe oder gespaltne Klauen u.s.w.
selbst von verschiedner damit corre-
spondirender Bildung.

§. 45.

Endlich auch hoch einiges von den
hintern Extremitäten. – Bey den aller-
mehrsten Quadrupeden ist das Schen-
kelbein weit kürzer als ihre Schienbein-
röhre, und daher gar nicht oder kaum
merklich vom Unterleibe abstehend. Nur
bey wenigen, wie z.B. beym Bär, ist
der erstgenannte Knochen länger, und
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[78]
so auch bey manchen Affen, nament-
lich beym Orangutang, bey welchem
auch, so wie bey verschiednen andern
wahren Affen und Pavianen, die Rühren
des Ober- und Vorder-Arms auffallend
länger sind, als die vom Ober- und
Unter-Schenkel. – Manche, wie z.B.
die Elephanten, haben kein ligamentum
teres
am Schenkelkopf, folglich auch
keine Grube dafür auf demselben, so
wie sie hingegen andre, z.B. die Nas-
hörner, haben
Auch diese scheinbare Kleinigkeit hat
mir doch, so wie manche ähnliche bey
Bestimmung von grossen fossilen Kno-
chen der Vorwelt, auf sichere Spur
geholfen.
. – Den pecoribus fehlt
fast durchgehends die fibula. – Die
eigne Form des talus bey den Thieren
der nämlichen Ordnung ist aus dem Ge-
brauch desselben zum Knöchelspiel der
Alten bekannt
Aristotelis H. A. l. II. c. 1. – Von den
mancherley Benennungen dieses so all-
gemein bekannt gewordnen Knochens
in den mehrsten Europäischen und Mor-
genländischen Sprachen, so wie von
seiner Form bey verschiedenen Thieren,
s. Th. Hydehistoria talorum im IIten
B. des Syntagma dissertationum Des-
selb. Oxon. 1767. 4. pag. 310 u. f.
. – Bey manchen Qua-
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[79]
drumanen, und namentlich beym Orang-
utang, sind die beiden hintern Phalan-
gen der vier Finger an ihrer Hinter-
hand merklich bogenförmig gekrümmt,
wodurch sie zum Anhalten auf den
Baumästen bequem, hingegen zum auf-
rechten Gange desto unfähiger sind. –
Die Cetaceen haben gar keine Knochen
in ihren Schwanzflossen, aber wohl in
den Brustflossen
So auch beym Manaten, dessen vor-
dere Ruderfüsse weiland für Sirenen-
hände ausgegeben worden. s. z.B. Th.
Bartholini
histor. anatomic. Cent. II.
pag. 188.
, wo sie im Ganzen
denen in den Vorderfüssen der Rob-
ben ähneln.
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[80]

Dritter Abschnitt.
Vom
Gerippe der Vögel
.

§. 46.

Der Totalbau des Vogelgerippes hat
in der ganzen Classe viele übereinstim-
mende Gleichförmigkeit; und zeigt,
wenn er mit den so ungleich vielför-
migern Sceleten der Säugethiere vergli-
chen werden soll, noch die mehrste,
theils auf den ersten Blick unerwartete
Aehnlichkeit mit dem menschlichen
Wie schon der treffliche Belon gezeigt
hat. s. Dess. histoire de la nature des
oyseaux, avec leurs naïfs portraiets re-
tirez du naturel.
Paris. 1555. fol. pag. 40.
.

§. 47.

Zu den Eigenheiten des Schedels der
Vögel gehört, dass, wenigstens bey den
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[81]
Erwachsenen, die eigentlichen Hirn-
schalenknochen
Von diesen eigentlichen Hirnschalen-
knochen der Vögel s. ausführlichst Vinc.
Malacarne
delle parti relative all’ En-
cefalo degli Uccelli
in den Mem. della
Società Italiana.
T. I. pag. 747. und T. II.
pag. 237.
ohne ächte Nähte, son-
dern wie zu einem Stücke verwach-
sen, sind
Hier verdient eine, 80 viel bis jetzt
bekannt, blos der Scharbe (Pelecanus
carbo)
eigne Anomalie erwähnt zu wer-
den, als bey welcher auf dem Hinter-
theil des Scheitels ein sonderbarer sä-
belförmiger kleiner Knochen befindlich
ist, der, wie man glaubt, dem Thiere
als Hebel dient, um den Kopf zurück
zu schlagen, wenn er die weggeschnapp-
ten Fische erst in die Höhe wirft, um
sie dann mit offnem Rachen der Länge
nach aufzufangen. – Aber freylich
thun das gar manche andere fischfres-
sende Vögel auch, ohne doch dazu mit
diesem besondern Knochen versehen zu
seyn. – Das ganze Gerippe der Scharbe
hat schon Coiter auf der IVten von
seinen trefflichen Tafeln mit Thiersce-
leten abgebildet, die den von ihm heraus-
gegebenen LectionibusFallopiide par-
tib. similaribus
etc. Norib. 1575. fol.
beygefügt sind.
.
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[82]
Ferner haben sie ohne Ausnahme
nur einen einzigen mit dem obersten
Halswirbel articulirenden condylus am
vordern Rande der grossen Oeffnung
des Hinterhauptes.
Und eben so allgemein ist auch wohl
in der ganzen Classe der Quadratkno-
chen
(Fr. os carré)
Diesen Namen hat ihm Hèrissant bey-
gelegt in der nachbenannten Abhand-
lung pag. 356. Aber schon Coiter hat
ihn im angeführten Werke genau
bestimmt.
, wodurch der Un-
terkiefer in der Ohrgegend zu beiden
Seiten mit dem Schedel eingelenkt ist.
Das Thränenbein haben zwar die
Säugethiere mit den Vögeln gemein;
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[83]
doch scheint es bey diesen noch allge-
meiner als bey jenen; ist meist von an-
sehnlicher Grösse, und muss genau von
dem, vermutlich nur den Raubvögeln
eignem
s. Merrem’sAbhandl. aus der Thierge-
schichte.
pag. 120.
Superciliarknochen unterschie-
den werden.

§. 48.

Ihre Kiefer sind durchgehends zahn-
loss; aber der obere, der bey den Säuge-
thieren gänzlich unbeweglich ist, hat
bey den Vögeln, bis auf wenige Aus-
nahmen, mehrere oder mindre Beweg-
lichkeit
Hèrissantsur les mouvemens du bec
des oiseaux
in den Mém. de l’Ac. des sc.
de Paris
1748. pag. 345. mit trefflichen
Kupfern.
; entweder so dass er, wie
bey den Papageyen
Auch von dem Oberschnabel des Peleca-
nus varius
sagt Hr. Labillardière:
cette mandibule est mobile comme celle
des perroquets
.“
s. Dess. Relation du
voyage à la recherche de
la Pérouse.
T. I. pag. 210.
, einen eignen
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[84]
von der Hirnschale abgesonderten Kno-
chen ausmacht, der durch eine wahre
Articulation mit derselben verbunden
ist, oder doch so, dass er bey den aller-
mehrsten übrigen zwar in Einem Stück,
aber doch mittelst nachgiebiger elastischer
Knochenblätter mit derselben zusammen-
hängt. – Nur bey wenigen, z.B. beym
Auerhahn, zumal aber beym Nashorn-
vogel
So ist es wenigstens an einem Schedel
dieses abentheuerlichen Geschöpfs in
meiner Sammlung, der noch aus dem
Nachlass des verdienstvollen C. Clusius
abstammt.
(Buceros rhinoceros), scheint er
gänzlich unbeweglich.

§. 49.

Das Verhältniss der eigentlichen
Hirnschalenknochen zu den Kiefern ist
auch in dieser Classe sehr verschieden.
Jene sind z.B. bey den Eulen von auf-
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[85]
fallender, so wie diese hingegen bey
den Nashornvögeln von ungeheurer
Grösse
Eine bewundernswerthe Sexual verschie-
denheit zeigt sich hierin am Schedel der
Hollenhühner, als bey welchen der Stirn-
theil der Hirnschale wie zu einer mon-
strosen Blase aufgetrieben wird, auf
welcher dann ihr grosser Federbusch
sitzt. – Eine erbliche Abweichung des
Bildungstriebes, die meines Wissens
ausserdem im ganzen Thierreich ihres
gleichen nicht hat.
s. Stobaeus in Act. literar. Suec.
vol. III. 1730. pag. 53. Pallas in spici-
leg. Zoolog.
fasc. IV. pag. 22. und Sandi-
fort
im Mus. anat. acad. Lugd. Bat.
vol. I. pag. 306.
.

§. 50.

Zu den übrigen vorzüglich characte-
ristischen Verschiedenheiten der Vögel-
schedel unter einander
Vergl. Jac. Th. Kleinstemmata auium.
Lips. 1759. 4. mit 40 Kupfertafeln.
, gehört beson-
ders, dass die Augenhöhlen (die über-
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[86]
haupt in dieser ganzen Classe von an-
sehnlicher Grösse sind), bey manchen
bloss durch eine membranose, bey an-
dern durch eine knöcherne mehr oder
weniger durchbrochne Scheidewand von
einander abgesondert sind; und dann
das Verhältniss der Nasen- und Gau-
menöffnung
zum Oberkiefer; das selbst
bey verschiednen Gattungen des glei-
chen Geschlechts ausnehmend differirt;
denn so sind z.B. diese Oeffnungen klein
beym Storch, und hingegen beym Kra-
nich von einer solchen Weite, dass da-
durch der längste Theil des Kiefers nur
wie ein durchbrochnes Prisma aus drey
weit von einander abstehenden, nach der
Schnabelspitze convergirenden, schmalen
Knochenstreifchen zu bestehen scheint.

§. 51.

Die Steifheit des Rückens der Vögel
wird durch zahlreichere und bewegli-
chere Halswirbel compensirt, deren, um
nur wenige Beyspiele anzuführen, der
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[87]
Rabe 12 hat, das Huhn 13, der Straus
13, der Storch 19, der Schwan 23.

§. 52.

Am Rumpfe (bruncus) des Vogelge-
rippes sind überhaupt weniger knorpe-
lichte Theile als bey den Säugethieren,
zumal ist der dazu gehörige Theil des
Rückgrates kurz und steif, und ohne
wahre Lendenwirbel. So wie auch kein
Vogel ein zu einer wahren geglieder-
ten Schwanzrippe verlängertes Kukuks-
bein hat.

§. 53.

Das Becken der Vögel wird haupt-
sächlich durch einen breiten einfachen
gemeinschaftlichen Hüftknochen gebil-
det, dessen Seitentheile bey mancher-
ley Gattungen verschiedentlich gestaltet
sind, nach unten aber, statt eine Schaam-
beinverbindung zu machen, weit von
einander abstehen, wovon, so viel bis
jetzt bekannt, bloss der Straus die merk-
würdige Ausnahme macht, dass sein
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[88]
Becken auch, wie bey den allermeisten
Quadrupeden, nach unten, und zwar,
wie bey einigen derselben (– §. 37.
pag. 63. –) durch völlig zusammen ver-
wachsene Schaambeine geschlossen ist.
(– tab. II. e –).

§. 54.

Die Vögel haben weniger Rippen als
die Säugethiere. Meines Wissens nie
über 10 Paar. Auch liegen die so ge-
nannten unächten (costae spuriae), die
nemlich gar nicht ans Brustbein rei-
chen, bey ihnen nach vorn, nicht wie
bey jener Thierclasse nach den Hüften
zu; und die ächten sind nur mittelbar
durch besondre kleine Zwischenknochen
mit den Rändern des Brustbeins ver-
bunden. Auch zeichnen sich, wenig-
stens die mittlern Paare, durch einen
besondern flachen fast hakenförmigen
Fortsatz aus, der nach oben und hinten
gekehrt ist.
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[89]

§. 55.

Das Brustbein dieser Thiere verläuft
sich nach unten in das verticale Kno-
chenblatt (crista) zur Anlage der mäch-
tig grossen Brustmuskeln. Beym männ-
lichen wilden Schwan (Anas cygnus),
so wie bey einiget Gattungen des Rei-
hergeschlechts, z.B. beym Kranich, bil-
det dieser Theil eine sonderbare hohle
Kapsel, die zur Aufnahme eines be-
trächtlichen Theils der Luftröhre dient.
– Dem Straus fehlt aber jenes Kno-
chenblatt gänzlich, da sein Brustbein
die in dieser Classe sonst unerhörte Form
einer flachgewölbten Schale oder eines
Brustharnisches hat.

§. 56.

Die Flügel mit dem Rumpfe zu ver-
binden, dienen dreyerley merkwürdige
Knochen
Von mäncherley Verschiedenheiten im
Bau derselben s. Vicq-d’Azyr in sei-
nen Mémoiren pour servir a l’anatomie
des oiseaux
in den Mém. de l’Ac. des sc.
de Paris
1772. P. II. pag. 626.
. Die überaus robusten
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[90]
Schlüsselbeine, welche gerade Röhren-
knochen bilden. Dann das dieser Classe
eigne Gabelbein (furcula, Fr. la lunette,
Engl. merry thought), wodurch das
obere Ende derselben mit dem Brust-
bein zusammenhängt, und die säbelför-
migen Schulterblätter.

§. 57.

Die Flügelknochen lassen sich im Gan-
zen füglich mit denen im Arm des
Menschen oder der Quadrumanen ver-
gleichen, und bestehen bey den aller-
mehresten Vögeln aus einer Oberarm-
röhre, zwey Vorderarmröhren, zwey
Knochen in der Handwurzel, zweyen
meist zusammen gewachsenen in der
Mittelhand, einem Daumenknochen, und
zweyen Fingern, wovon der zunächst
am Daumen liegende aus zwey Glie-
dern, der äusserste aber nur aus einem
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[91]
besteht. – Zu den merk würdigsten Ab-
weichungen davon gehört, so wohl was
die Zahl als die Bildung und das re-
spective Verhältniss dieser Knochen ge-
gen einander betrifft, die Einrichtung
derselben in den fast flossenartigen
Ruderflügeln des Penguingeschlechts
(– tab. III. –)
Die Abbildung stellt den sceletirten rechten
Flügel einer Aptenodytes demersa aus mei-
ner Sammlung in natürlicher Grösse vor.
Ueberhaupt zeichnen sich die sämmtli-
chen Flügelknochen desselben schon
durch ihre auffallend flache gleichsam
plattgedrückte Form, dann aber auch
durch zwey überzählige Knochen am Ein-
bogen, so wie anderseits durch den
Mangel des Daumenknochen aus.
1. ist das untere Ende der Oberarm-
röhre. – 2. 3. die beiden überzähligen
Knochen. – 4. die Einbogenröhre. –
5. die Speiche. – 6. 7. die beiden Kno-
chen in der Handwurzel. – 8. das ge-
theilte os metacarpi. – 9. 10. die beiden
Phalangen des vordern Fingers – 11.
der nur aus einem Glied bestehende Ne-
benfinger.
.
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[92]

§. 58.

Der Knochenbau der untern Extre-
mitäten
ist am Vogelgerippe einfacher
als bey den Säugethieren, und begreift
im Allgemeinen bloss das Schenkelbein,
die Schienbeinröhre (bey manchen mit
einer kurzen fast grätenförmigen Ne-
benröhre), eine Röhre des Mittelfusses
(metatarsus), und die Fusszehen. Selbst
statt der Kniescheibe findet sich bey
vielen ein blosser Fortsatz der Schien-
beinröhre. Und da die Vögel weder
wahre Nebenröhre (sibula), noch auch
Fusswurzel (tarsus) haben, so articu-
lirt ihre Schienbeinröhre unmittel-
bar mit der gedachten Mittelfussröhre.
– Bey den mehrsten Vögeln ist eine
merkwürdige Progression der Zahl der
Phalangen in ihren Zehen, da die grosse
Zehe aus zwey Gliedern, die nächst-
folgende aus dreyen, die mittlere aus
vieren, und die äusserste aus fünfen be-
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[93]
steht
Viele treffliche Bemerkungen über die-
sen, so wie über manche andre Theile
der Osteologie dieser Thierclasse, giebt
Hr. Prof. Schneider in seinen so reich-
haltigen commentar. ad reliqua librorum
Freiderici II. Imperatoris pag. 30.
. – Doch haben die Papageyen
an der grossen Zehe noch einen beson-
dern Querknochen.
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[94]

Vierter Abschnitt.
Vom
Gerippe der Amphibien
.

§. 59.

Bey den Amphibien sind erstens die
beiden Ordnungen derselben, die vier-
füssigen nemlich und die Schlangen,
und unter jenen wiederum die drey
Hauptgeschlechter von Schildkröten, Frö-
schen und Eidechsen, in der Totalform
ihres Körpers, und mithin auch in der
Einrichtung ihrer Gerippe, so sehr von
einander verschieden, dass es am bessten
seyn wird, das hierher gehörige nach
der Folge dieser Ordnungen und Ge-
schlechter selbst, zusammen zu fassen.
Zuerst also von den Reptilien.
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[95]

§. 60.

Die Schildkröten, deren ganze Ge-
rippe
Gute Abbildungen von Schildkröten-
Sceleten s. bey Coiter, Cheselden und
zumal in Joh. Dan. Meyer’sZeitvertreib
mit Betrachtung curioser Vorstellungen
allerhand Thiere
u.s.w. T. I. t. 29. 31.
T. II. t. 62., und die einzelnen Theile in
Giov. Caldesiosservaz. anatom. intorno
alle Tartarughe.
Fir. 1687. 4.
überhaupt, so wie diese Thiere
selbst, einen ausnehmend sonderbaren
Bau haben, sind völlig zahnloss; haben
aber vorn am Oberkiefer eine Art von
os intermaxillare. Der hornichte Ueber-
zug ihrer Kinnladen hat, zumal an der
obern, in Rücksicht seiner Verbindung
mit derselben, manche theils auffallende
Aehnlichkeit mit dem Pferdehuf. Ihre
Hirnhöhle ist äusserst eng in Vergleich
zur Grösse des Schedels, dessen grössten
Raum bey den Seeschildkröten die beiden weiten fossae laterales
einnehmen, in welchen die mächtig
grossen Beissmuskeln liegen.
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[96]

§. 61.

Der eigentliche Rumpf des Scelets
ist mit den beiden grossen Schalen des
Thiers verwachsen: so, dass die Brust-
wirbel und Rippen in der Rückenschale
festsitzen, das Brustbein hingegen dem
Bauchschild zur Grundlage dient.
Die knöcherne Rückenschale besteht
aus ohngefähr 50 Stücken, die theils
durch ächte Nähte unter einander ver-
bunden sind.

§. 62.

An den Beckenknochen unterschei-
det man die gleichen drey Haupttheile,
wie bey der Säugethiere ihren, aber im
umgekehrten Verhältniss der respectiven
Grösse. Die Schaambeine nemlich sind
so hoch und breit, dass sie die beiden
grössten flachen Knochen (ossa plana)
am ganzen Schildkröten-Scelet aus-
machen, die Hüftknochen hingegen am
kleinsten.
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[97]

§. 63.

Am sonderbarsten ist Form und Lage
ihrer Schulterblätter und Schlüsselbeine.
Jene liegen ganz anomalisch nach un-
ten, hinter dem Brustschilde, und diese
haben gleichsam die Gestalt eines Win-
kelhaken, wo aussen an der Ecke des-
selben die Oberarmröhre (os humeri) ein-
gelenkt ist.

§. 64.

Frösche und Kröten
Gerippe der Hieländischen s. in Rö-
sel’s
allgemein bekannten Meisterwerke
t. 7. 12. 16. 19. 21. 23. 24. und das son-
derbare Scelet der Pipa genau beschrie-
ben und abgebildet, in Hrn. Professor
Schneider’shist. amphibior. Fasc. I. Es
zeichnet sich dasselbe zumal durch auf-
fallend grosse Seitenflügel des Kreuz-
beins und dann durch eine räthselhafte,
diesem Thier wie es scheint, ausschliess-
lich eigne knöcherne Kapsel (cista
Schneid.) aus, die am Bauche hinter
dem Brustbeine liegt.
sind ebenfalls
zahnloss
Versieht sich, dass hier von wirklichen
Zähnen, und nicht von den sogenann-
ten gezähnelten Rändern der Kiefer die
Rede ist.
und haben ein sehr kurzes
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[98]
Rückgrat, das sich hinten in einen ein-
fachen geraden Knochen endigt, der
mitten zwischen dem fast gabelförmi-
gen Hüftknochen zu liegen kommt.

§. 65.

Sie haben gar keine Rippen; dage-
gen aber breite processus transuersos der
Brustwirbel, und eine sonderbare Ver-
bindung der fast Schuppenförmigen
Schulterblätter und zweyer Paare von
Schlüsselbeinähnlichen Knochen mit
dem Brustbeine.

§. 66.

Noch verdient eine sonderbare Ein-
richtung in der Vorderarmröhre und dem
Schienbein dieser Thiere Erwähnung,
als welche zwar nur aus einem Stücke
bestehn Und noch dazu in der Mitte
dicht sind ohne Markhöhle, aber sich
an beiden Enden gleichsam in zwey
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[99]
fast trichterförmige Röhren mit deutli-
chen Markhölen spalten
s. des ber. Wundarztes Mich. Troja
Memoria sopra la struttura singolare
della tibia e del cubito nelle Rane e
nei Rospi
, in seinen Sperienze intorno
alia Rigenerazione delle ossa. Nap.
1779.
8. pag. 250. t. 7. 8.
.

§. 67.

Unter den Eidexenartigen
Das Gerippe der gemeinen grünen Eidexe
s. bey Coiter t. 4. Meyer T. I. t. 56.
Des Salamanders bey Meyer T. I. t. 54.
Der Wassermolche ebendas. t. 55. 56.
Des Chamäleon bey Cheselden vor
dem 6ten Cap.
Amphi-
bien mögen hier die Crocodile
Crocodilscelete s. in Nehem. Grew
musaeum Regalis Societatis Lond. 1681.
fol. t. 4. – vorzüglich aber in Herrn
Faujas Saint-Fondhist. naturelle de
la montagne de St. Pierre de Maes-
tricht
t. 24.
we-
gen mancher besonders merkwürdigen
Eigenheiten in ihrem Bau zum Bey-
spiel dienen.
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[100]
Schwerlich sind bey irgend einer an-
dern Art von Thieren die Kiefer von so
auffallender Grösse in Vergleich zu der
äusserst engen Hirnhöle.
Der obre endigt sich vorn in ein an-
sehnliches os intermaxillare, und die Sei-
tenflügel des untern bestehn aus meh-
rern zusammengefugten Stücken.
Besonders ist auch bey diesen Thie-
ren
Ein Uebergang zu dieser Art von Ein-
lenkung zeigt sich an den Kiefern der
Schildkröten.
die Einlenkung des Unterkiefers;
da derselbe die am Oberkiefer befindliche
Gelenkwalze (condylus) in seiner Gelenk-
rinne (cauitas articularis) aufnimmt
Jene Gelenkwalze ähnelt (wenigstens
beym Alligator, dessen Schädel ich vor
mir habe) gewissermassen der Rolle
(trochlea oder rotulaAlb.) am untern
Ende der Oberarmsröhre.
Vielleicht hat eben diese merkwür-
dige Einlenkungsweise zu dem alten
Irrthum Anlass gegeben, der doch selbst
von so guten Anatomen, wie Vesa-
lius
und Columbus adoptirt worden,
als ob beym Crocodil der Oberkiefer
beweglich, der untre hingegen unbe-
weglich sey.
Aber der Augenschein lehrt, dass
zwar die Crocodile, wenn gleich der
Unterkiefer ruhig liegt, dennoch den
übrigen Schädel in jenem Gelenke auf
und nieder bewegen können, und dass
diess bey ihnen sowohl wegen des Ver-
hältnisses des Oberschädels zur unge-
heuren Grösse des Unterkiefers; als
auch wegen jener anomalischen Articu-
lation leichter geht, als bey andern
Thieren; dass aber an eine eigne Be-
weglichkeit der blossen Oberkieferkno-
chen, (so wie sie bey den allermehre-
sten Vögeln, Schlangen und Fischen
Statt hat) bey ihnen nicht zu denken ist.
.
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[101]

§. 68.

Ihre zahlreichen Zähne haben das
merkwürdige, dass zum Behuf des Wech-
selns anfänglich immer ihrer zweye wie
Tuten in einander stecken
Zuweilen gar ihrer dreye, wie Hr. Prof.
Retzius versichert, in sein, animaduers.
circa crocodylum
Lund. 1797. 4. p. 12 sq.
.
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[102]

§. 69.

Die allerauffallendste Sonderbarkeit
an ihrem Gerippe ist aber ein wunder-
bares sternum abdominale, was ganz vom
vordem eigentlichen Brustbein verschie-
den ist, und sich vorn Schwerdknorpel
desselben nach den Schaambeinen er-
streckt, und zur Stütze der Bauchein-
geweide zu dienen scheint
An drey ostindischen Crocodilsceleten,
die ich untersucht, hatte der thorax
12 Paar Rippen. nemlich 10 P. ächte
und 2 P. sogenannte spurias. Erstre
hatten knöcherne appendices und zwi-
schen dem Hauptstück der Rippe und
diesen Anhängen auch noch überdem
ein drittes kleines Mittelstück.
Das sternum abdominale bestand aus
7 Paar zusammen verbundner knorp-
lichter Bogen; von welchen die 6 vor-
dem Paare mit offnen Zwischenräumen
durchbrochen waren, hingegen der Raum
Zwischen dem hintersten Paar und den
Schambeinen mit einem breiten Knor-
pelblatt ausgefüllt war. – Von dem
wenigstens gewissermassen ähnlichen Bau
beym Nilcrocodil vergl. Jo. Veslingii
obseruationes anatomicas. Hafn. 1664.
8. pag. 43 seq. und vom Alligator die
Beschreibung des P. Plumier in den
Mémoir. de Trevoux vom Jan. 1704.
pag. 165.
.
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[103]

§. 70.

Die Schlangen
Gerippe verschiedner Schlangen s. bey
Meyer T. I. t. 88. 90. 91. und T. II. t. 17.
haben wohl sämmt-
lich einen, unabhängig von der übrigen
Hirnschale schon für sich mehr oder
weniger beweglichen Oberkiefer.

§. 71.

Bey ihrem Gebiss ist vor allem die
wichtige sehr bestimmte Verschiedenheit
zu merken, wodurch sich die giftigen
Gattungen von Schlangen von den
ungleich zahlreichern giftlosen aus-
zeichnen.
Die letztern haben nämlich im Ober-
kiefer vier mit kleinem Zähnen besetzte
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[104]
Maxillarknochen, wodurch gleichsam
eine gedoppelte doch weit von einan-
der abstehende Reihe von Zähnen ge-
bildet wird, wovon die eine nach in-
nen auf jeder Seite längs des Gaumens,
die andre aber nach aussen am vordem
Kieferrande sitzt.
Den giftigen fehlt diese äussre Reihe
von kleinen Zähnchen; dagegen haben
sie aber am vordem Rande des Ober-
kiefers die längern röhrenförmigen Gift-
zähne, welche mit den Giftblasen in
Verbindung stehen, und im Grunde als
wahre knöcherne ductus excretorii an-
zusehen sind, wodurch das Gift beym
Biss in die damit gebissne Wunde ein-
geflösst wird
Beyspiele zur Vergleichung s. im IVten
Hefte meiner Abbildungen naturhisto-
rischer Gegenstände
tab. 37. wo die
Köpfe einer Klapperschlange und der
Riesenschlange beide mit offnen Rachen
zu dieser Absicht vorgestellt sind.
.
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[105]

§. 72.

So wie es überhaupt scheint dass die
Menge der Rückgratswirbel bey den
rothblüthigen Thieren mit der Grösse
und Stärke ihrer äussern Bewegungs-
werkzeuge in umgekehrten Verhältnisse
Stehen; so haben namentlich die Schlan-
gen beym gänzlichen Mangel solcher
Werkzeuge die aller zahlreichsten Wir-
bel; theils über 300.
Bey den Klapperschlangen sind die
letzten Schwanzwirbel breit, und mit
den ersten blasenförmigen Gliedern der
Kornartigen Klapper überzogen; so wie
auch die übrigen, holen Glieder dieses
in seiner Art so Einzigen und räthsel-
haften Organs
Von dem vermuthlichen Zweck dieses
den Klapperschlangen so ausschliesslich
Eignen Organs, und wie fern es diesen
sehr trägen Geschöpfen doch vielleicht
dazu dienen könne, die dadurch auf-
geschreckten Vögel u.s.w. zu sich herun-
ter zu bringen (was dann den Anlass
zu der Sage von ihrem vermeynten
Fascinationsvermögen gegeben haben
kann) 8. Hrn. Hofr. Voigt’sneues Ma-
gazin
I. B. 2tes St. S. 37 u. f. über die
Zauberkraft der Klapperschlangen, be-
sonders in Rücksicht einer Schrift des
Hrn.
Dr. Barton.
auf eine bewunderns-
werthe Weise an einander eingelenkt sind.
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CC BY-SA 4.0
[106]

§. 73.

Auch finden sich bey den Schlangen
die allermehresten Rippenpaare; bey
manchen auf dritthalbhundert.
Darunter verdienen besonders die
sogenannten costae scapulares der Bril-
lenschlangen
bemerkt zu werden, die
ihnen zum Aufblähen des Halskragens
dienen
Dasselbe ist auch wohl bey einigen
andern Gattungen des Coluber-Ge-
schlechts der Fall, namentlich bey der
Aegyptischen C. haje, die auch ihren
Hals im Zorne sehr weit auftreiben kann.
.
Hingegen sind die Schlangen wohl
unter allen rothblüthigen Thieren die
einzigen die gar keine Spur eines Brust-
beins
haben.
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CC BY-SA 4.0
[107]

Fünfter Abschnitt.
Vom
Gerippe der Fische
.

§. 74.

Bey der mannichfaltigen Verschie-
denheit in der Totalbildung der Fische
begreift sich von selbst wie vielartig
auch die Form ihrer Gerippe seyn muss
Noch fehlt es an Abbildungen von
Gerippen der verschiedenartigsten See-
fische. Ein schönes Rochen-Scelet fin-
det sich bey Cheselden hinter der
Vorrede.
Von 25 Gerippen verschiedner Süss-
wasserfische hat Meyer in den beyden
ersten Bänden seines schon öfter an-
geführten Werks gute Vorstellungen
geliefert.
Ein Karpen-Scelet s. in Du Hamel
Traité des pêches (einem Theil der grossen
Descriptions des arts et métiers) P. II.
Sect. I. tab. 3.
,
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CC BY-SA 4.0
[108]
doch kommen sie im Ganzen darin
untereinander überein, dass sich ihr
Rückgrat vom Schedel bis zur Schwanz-
flosse erstreckt; dass die übrigen Fin-
nen, zumal die Brust- und Bauch-Flosse
an besondre dazu bestimmte Knochen
eingelenkt sind; überhaupt aber die Fi-
sche weit mehr lose vom übrigen Sce-
let abgesonderte Knochen haben, als die
Thiere der vorigen Classen
Treffliche Bemerkungen über den Bau
des Scelets der Fische im Allgemeinen,
giebt Hr. Prof. Autenrieth in Hrn.
Prof. Wiedemann’s Archiv I. B. 2tes St.
Von den Gerippen einzelner Ord-
nungen von Fischen s. Vicq-d’Azur
im VII. B. der mémoires presentés à
l’Acad. des scienc.
Deutsch mit An-
merkungen und Zusätzen des Hrn. Prof.
Schneider in dessen Sammlung von
anatomischen Aufsätzen und Bemerkun-
gen zur Aufklärung der Fischkunde.

I. Th. Leipz. 1795. 8.
.
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CC BY-SA 4.0
[109]

§. 75.

Der Schedel ist bey vielen Knorpel-
fischen, (namentlich bey den Rochen)
von sehr einfachen Bau und besteht
(den Unterkiefer abgerechnet) meist nur
aus Einem Haupt-Stück. Bey den Grä-
tenfischen hingegen ist er aus desto
zahlreichern Knochen zusammen gesetzt,
deren man z.B. am Kopfe des Barsch
auf 80 zählt.
Die meisten von diesen haben ei-
nen mehr oder minder beweglichen
Oberkiefer.

§. 76.

Besonders zeigt sich in dieser Classe
grosse Mannichfaltigkeit im Bau des
Gebisses.
Manche Geschlechter wie z.B. die
Störe sind zahnloss. Ihr Gebiss, das
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[110]
aus den Oberkiefern, Jochbeinen und
beiden Hälften der Unterkinnlade be-
steht, macht einen vom übrigen Sche-
del abgesonderten, eignen beweglichen
Theil aus, der aus dem, unten nach
dem Halse zu liegenden Maule, heraus-
geschoben und wieder eingezogen wer-
den kann.

§. 77.

Unter den mit Zähnen versehenen
Fischen findet sich ausnehmende Ver-
schiedenheit in Form, Menge und Lage
derselben.
So haben z.B. manche Gattungen
des Brachsengeschlechts (Sparus proba-
tocephalus
u.a.m.) fast menschenähnliche
Vorderzähne
Augustin. Scillade corporibus mari-
nis lapidescentibus
ed. Rom. 1759. 4.
tab. 2. fig. 3.
die auch mit Wurzeln
in Zahnzellen eingekeilt sitzen.
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[111]
Bey sehr vielen andern Fischge-
schlechtern hingegen werden die Zähne
durch zapfenförmige Fortsätze der Kie-
ferknochen gebildet, die nur wie mit
einer Rinde von Schmelz (substantia vi-
trea)
überzogen sind.
Bey den allermehresten Hayfischen
ist das Gebiss mit zahlreichen Zähnen
auf den Nothfall zum Ersatz von ver-
lohren gehenden, versehen. Der carcha-
rias
z.B. hat ihrer über 200, die in
mehreren Reihen fast wie die Blätter
einer Artischocke auf einander liegen.
Nur die in der äussersten Reihe am
Kiefer-Rande stehen auswärts und bloss.
Die in den übrigen Reihen hingegen
sind kleiner, mit den Spitzen rückwärts
gekehrt und mit einer Art Zahnfleisch
bedeckt. Sie brechen durch und schla-
gen sich rum wenn welche in der äu-
ssern Reihe verlohren gehn
s. Hèrissant in den Mém. de l’Ac. des sc.
de Paris
1749. pag. 155. und W. André in
den phil. Transact. vol. LXXIV. pag. 274.
. Es ver-
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CC BY-SA 4.0
[112]
steht sich daher bey dieser Einrichtung
von selbst, dass sie keine Wurzeln ha-
ben können.
Nur der Sägefisch (Squalus pristis)
hat an beiden Seitenrändern seines
Schwerdförmigen Gewehrs fest einge-
keilte Zähne.
Bey manchen Fischen ist selbst der
Gaumen und bey einigen (z. E. beym
Lophius piscatorius) sogar das Zungen-
bein, so wie bey vielen Rochen der
Rand des Mundes mit Zähnen wie ge-
pflastert
Eins der wunderbarsten Arten von Ge-
biss findet sich, bey einer westindi-
schen Rochengattung (Raja flagellum
Schneid.) und ist von Sloane als die
Zunge des Thiers beschrieben und ab-
gebildet in den philos. Transact. vol.
XIX. pag. 674. – Das Stück, was ich da-
von besitze, ist ein flacher Knochen gegen
5 Zoll lang, fast 2 Zoll breit, und klein
Fingers dick, der aus 15 nach der Länge
an einander stehenden bogenförmigen
Abschnitten zusammen gefügt, und je-
der dieser Bogen auf der obern Seite
mit 60 dicht neben einander liegenden
schmalen Zähnen bedeckt ist.
.
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[113]

§. 78.

Das Rückgrat besteht bey den lang-
gestreckten Fischen mit kurzen Flossen
aus desto zahlreichern Wirbeln (§. 72.),
deren sich z. E. beym Aal über 100, bey
manchen Hayen über 200 finden.
Das Hauptstück oder sogenannte
corpus dieser Wirbel ist meist cylin-
drisch, auf beiden Flächen mit einer
trichterförmigen Vertiefung und con-
centrischen Ringen, deren Zahl sich nach
dem Alter des Thiers richten soll.
Das Rückenmark läuft oberhalb der-
selben durch einen an der Wurzel der
Dornfortsätze gebildeten Canal.
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[114]
Mit den sogenannten Brustwirbeln
sind bey den mehrsten Gräten-Fischen
die Rippen eingelenkt; bey manchen
stehen sie aber ausser dergleichen Ver-
bindung mit denselben; und den Knor-
pelfischen kann man gar keine eigent-
lichen Rippen zuschreiben.

§. 79.

Unter den besondern Knochen die
zur Grundlage und Einlenkung der
Flossen dienen, lassen sich die an den
Brustfinnen mit Schulterblättern, und
die an den Bauchflossen gewissermassen
mit den Hüftknochen der vorigen
Thierclassen vergleichen
Ich besitze ein Exemplar des überaus
sonderbaren, hierher gehörigen Knochen
der im Museum Wormianum pag. 270.
in Jacobaeimuseum regium tab. 9. fig. 2.
und in OleariiGottorf. Kunstkammer
tab. 12. fig. 3. abgebildet, und lange für
ganz räthselhaft gehalten worden. Er
ist dicht, flachrundlicht, ohngefähr von
der Form und Grösse einer glatten
Castanie, verläuft sich am obern Rande
mit der einen Seite in einem knochich-
ten Stachel, und articulirt auf der an-
dern mittelst eines bewundernswerthen
Ginglymus ohne seines Gleichen mit
zwey kleinen Knörhelchen verschiede-
ner Grösse, die ohngefähr die Form
von Pfeilspitzen haben. Höchst wahr-
scheinlich gehört er einem ostindischen
Chaetodon (vermuthlich dem Ch. arthri-
ticus
Schneid.)zu; so dass das grössere
Stück zur Grundlage der Rückenflosse
dient, und die kleinen die ersten ra-
dios
derselben ausmachen. – Vergl. W.
Bell’sdescription of a Chaetodon cal-
led by the Malays Ecan Bonna,
in den
philos. Transact. 1793.
.
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[115]

§. 80.

Viele Fische sind endlich auch noch
mit blossen Fleischgräten (ossicula mu-
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[116]
sculorum
Artedii) versehen, die theils
gabelförmig sind, immer bloss zwi-
schen den Muskeln liegen und zur Be-
wegung derselben dienen.
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[117]

FVNCTIONES
NATVRALES
.

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[118]
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[119]

Sechster Abschnitt.
Vom
Schlunde und Magen
.

§. 81.

Auf die vergleichende Uebersicht der
Gerippe, als von welchen die Totalbil-
dung der rothblütigen Thiere abhängt,
folgt nun der zweckmäsige Aushub des-
sen, was von übrigen thierischen Kör-
perbau und dessen Verrichtungen hier
zu merken ist; und diess zwar nach
der gewöhnlichen Eintheilung in vier
Classen von Functionen; die, so man-
cher Einschränkung sie auch unterwor-
fen ist, doch im Ganzen auch hier gar
füglich befolgt werden kann.
In den Unterabtheilungen jedes Ab-
schnitts werden dann die einzelnen
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[120]
Thierclassen, nach der im Vortrag der
Zoologie gewöhnlichsten Ordnung durch-
gegangen.

§. 82.

Die sogenannten Functiones naturales
die das Ernährungs-Geschäfte der Thiere
im weitem Sinne begreifen, machen um
so füglicher den Anfang, da sie einer-
seits allen Thierclassen ohne Ausnahme
zukommen, ja sogar, Wenn gleich auf
eine andre Weise, den Pflanzen mit den
Thieren gemein sind: anderseits aber
doch auch gerade in der eigenthümli-
chen Art wie sie von den Thieren voll-
zogen werden, ein Hauptcharacter der
Animalität liegt; insofern nemlich die
Thiere diejenigen organisirten Körper
sind, die in der Regel
Als Einseitige Ausnahmen von dieser
Regel könnte man theils solche Thiere
anführen, an welchen man vor der
Hand noch keinen Mund hat entdecken
können (wie z.B. manche sogenannte In-
fusionsthierchen, und gewissermassen
auch manche Quallen, die wenigstens
keine einfache dergleichen Oeffnung,
sondern mehrere Mündungen zur Auf-
nahme ihrer Nahrung zeigen): – theils
solche, an welchen bis jetzt noch keine
deutliche willkührliche Bewegung beob-
achtet worden (wie z. E. an manchen
wirklichen Blasenswürmern).
Allein man ist neuerlich weiter ge-
gangen, und hat sogar Dinge für Thiere
erklärt, an welchen doch weder das
Eine noch das Andre, eben so wenig
ein Mund als willkührliche Bewegung zu
finden ist. Dag sind gewisse hydropi-
sche Blasen, die sich zuweilen bey der
Leichenöffnung wassersüchtiger Personen
(seltener bey andern warmblütigen Thie-
ren) zumal in der sogenannten Bauch-
höle, und zwar theils in zahlloser Menge
und verschiedner Grösse, von der eines
Gänse-Eyes bis zu der des kleinsten
Nadelknopfs gefunden haben. So viel
ich aber an einer Mannichfaltigkeit der-
selben habe sehen können, die ich im
Aug. 97 aus der frischen Leiche eines
wassersüchtigen Greises erhalten habe
(dessen Krankheitsgeschichte und Section
Hr. Hofr. Richter in Hrn. geh. Hofr.
Loder’s Chirurg. Journal III. B. S. 415
u. f. beschrieben hat), so differiren diese,
in ihrem ganzen Bau, und namentlich.
in der Beschaffenheit ihrer Häute, doch
weit mehr von den wahren Blasenwür-
mern als von so manchen andern ledig-
lich krankhaften Wasserblasen, die sich
nicht selten im Körper warmblütiger
Thiere finden, und so unwiderredlich
bloss aus widernatürlich umgebildeten
Gefässen und Häuten entstanden sind,
dass an keine eigenthühmliche selbst-
ständige Animalität derselben zu den-
ken ist. So habe ich z.B. gerade jetzt
ähnliche Wasserblasen aus einer eben
geöffneten Henne vor mir, wovon die
grössten (von der Grösse eines kleinen
Hünereyes), so wie jene aus der ge-
dachten Leiche ganz frey und losse la-
gen, die zahlreichen übrigen aber durch
ihre Verbindung mit dem Eyerstocke
auf den ersten Blick zeigen, dass sie
nichts anders als Dotterhäute (calyces)
sind, die aus krankhafter Ursache statt
des Dotters Lymphe enthalten.
ihre Nahrung
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[121]
mittelst willkührlicher Bewegung su-
chen, und sie durch den Mund in den
Magen bringen.
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[122]

A) SÄUGETHIERE.

§. 83.

Von ihrem Gebiss ist das merkwür-
digste schon im zweyten Abschnitt ge-
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[123]
sagt. – Manche Affen, Paviane und
Meerkatzen, sind so wie die Hamster
und einige demselben ähnliche Gattun-
gen des Marmotengeschlechts mit Bak-
kentaschen (thesauri)
versehen, worin
jene Quadrumanen bey ihrem Aufent-
halte auf den Bäumen im Nothfall kleine
Provisionen aufnehmen, und die Ham-
ster u. dergl. Wintervorrath in ihre Erd-
hölen eintragen
Eine genaue Beschreibung und Abbil-
dung derselben s. in einer der muster-
haftesten naturhistorischen und zooto-
mischen Monographieen, Hrn. Rath
Sulzer’sVersuch einer Naturgeschichte
des Hamsters
p. 41. 58 u. f. tab. 3. fig. 1.
.
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[124]

§. 84.

Bloss bey den Camelen der alten
Welt ist bis jetzt der sonderbare drü-
senreiche willkührlich bewegliche Beu-
tel (bursa faucium) bemerkt worden,
der hinten am Gaumen sitzt, und ver-
muthlich diesen Thieren bey ihrem Auf-
enthalt in dürren Sandwüsten zur
Netzung des Rachens dient
s. Ever. Home’sLife of J. Hunter
vor dieses letztern posthumen Werke
on the blood, inflammation etc. p. 42.
.

§. 85.

Der Schlund der Quadrupeden zeich-
net sich von dem Menschlichen beson-
ders durch den fast schraubenförmigen
Lauf der beiden Reihen von einander
durchkreuzenden Querfasern in seiner
Fleischhaut aus. – Bey gierig schlin-
genden Raubthieren wie z. E. beym
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[125]
Wolf ist er von auffallender Weite: so
wie hingegen bey vielen grössern Gras-
fressenden, zumal aber bey den Wie-
derkauenden seine Häute desto robu-
ster sind
Vom Schlund, so wie vom ganzen tu-
bus alimentarius
vieler Thiere aus ver-
schiedenen Classen s. besonders Grew
im Anhange zum obgedachten museum
Regal. Societ.
.
Auch die Mündung des Schlundes
in den Magen zeigt in Rücksicht der
Weite sowohl, als der Art ihrer Inser-
tion manche Verschiedenheit; daher be-
greiflich ist warum sich manche Thiere,
wie der Hund, so sehr leicht, andre
hingegen, wie z.B. das Pferd, kaum
anders als in äusserst seltnen Fällen
9. Hrn. Prof. Nebelde nosologia bru-
torum cum hominum morbis comparata.

Giess. 1798. 8. pag. 66.
,
erbrechen können
Unerwartet scheint es auf den ersten
Blick, dass auch die wiederkunenden
bisulca, denen doch der Rückweg des
Futters aus ihren ersten Mägen in den
Schlund so geläufig ist, ebenfalls nur
äusserst schwer zum Erbrechen zu brin-
gen sind. – Ich besitze von der Güte
des verdienstvollen Veterinararztes. Hrn.
Havemann’s, Directors der Vieharzney-
schule zu Hannover einen Haarballen,
aus dem Pansen einer Kuh, die an
Stockung in der Verdauung litt, wel-
cher nach der Anwendung eines Stücks
weisser Niesswurz, das dem kranken
Thier durch einen Einschnitt vorn am
Brustlappen unter die Haut geschoben
worden, mit Heftigkeit weggebrochen
ist. Eine ausführlichere Nachricht da-
von habe ich im II. B. von Hrn. Hofr.
Voigt’sMagazin für den neuesten Zu-
stand der Naturkunde
pag. 657 u. f.
mitgetheilt.
.
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[126]

§. 86.

Weit mehr ist der Magen selbst bey
vielen Thieren dieser Classe in Form
und Bau und Function verschieden.
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[127]
Bey den mehrsten fleischfressenden
Herm. H. C. Schraderde digestione
animalium carniuororum.
Goett. 1755. 4.

Quadrupeden, zumal bey den sogenann-
ten Reissenden Thieren, ist er dem
Menschlichen im Ganzen ziemlich ähn-
lich, doch theils von andrer Gestalt, wie
z. E. bey der Robbe (Phoca vitulina) wo
der Schlund gleich am linken Ende des
Magens eintritt, so dass dasselbe gar
keinen sogenannten blinden Sack bildet.
Bey manchen andern, z. E. beym Löwen,
Bär u.s.w. ist er um die Mitte herum
durch eine schwache Verengerung wie
in ein paar Abschnitte getheilt, und
überhaupt sind bey den Carnivoren seine
Häute, zumal die Fleischhaut sehr ro-
bust
Doch ists nicht wörtlich zu nehmen,
wenn Röderer sagte: „Der Bär hat
einen doppelten Magen: des erstern
und grössern Bau ist wie bey den
fleischfressenden Thieren; des zwey-
ten und kleinern wie bey den Vögeln,
die eich mit harten Saamen nähren.“
.
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[128]

§. 87.

Bey manchen Herbivoren scheint er
von aussen ebenfalls einfach; ist aber
inwendig entweder wie beym Pferd
Bertin in den mém de l’Ac. des scienc.
de Paris
a. 1746. tab. 7.
,
durch auffallende Verschiedenheit der
beiden Hälften der innern Haut die ihn
auskleidet
An beiden Hälften dieser innersten
Haut des Pferdemagens finden sich,
zumal im Frühjahr, so häufigst die Lar-
ven zweyer Gattungen des Bremsenge-
schlechts, vom Oestrus equi nemlich
(– den LinnéOe. bouis nannte –),
und vom haemorrhoidalis, deren wahre
Naturgeschichte erst neuerlich durch
den vortrefflichen Veterinararzt Herrn
Bracy Clark im III. B. der Transactions
of the Linnean Society.
pag. 298 u. f.
aufgehellt worden. – Die Figur der
Pferde-Bremse und ihrer Larve fin-
det sich auch in meinen Abbildungen
naturhistorischer Gegenstände,
im 5ten
Heft tab. 47. fig. 3. 4. 5.
; oder aber wie bey so
vielen mauseartigen Thieren durch eine
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[129]
fast klappenförmige Verlängerung der-
selben Haut gleichsam in zwey Ab-
schnitte getheilt. Diess ist auch beym
Hasen und Caninchen der Fall, und da
zeigt sich, besonders wenn sie ein paar
Stunden vorher gefressen haben, auffal-
lende Verschiedenheit zwischen der Be-
schaffenheit des Futters in derjenigen
Hälfte wo der Schlund eintritt, in Ver-
gleich zu der die nach dem Darm geht.

§. 88.

Bey manchen andern, zumal eben-
falls grasfressenden Säugethieren, be-
steht er aber aus zwey oder noch meh-
rern schon von aussen ganz von ein-
ander unterschiedenen, und gleichsam
eben so viele Mägen bildenden Ab-
schnitten. So z. E. beym Hamster aus
zweyen
Trefflich beschrieben von Sulzer a. a. O.
pag. 81 u. f.
; beym Känguruh
So sagt Labillardiere in der Relation
du voyage à la recherche de
la Pèrouse.
T. I. pag. 134.
, zumahl